Grippewelle: Unterschied zu Erkältung und grippalen Infekten

Influenza: wann ist es eine echte Grippe und was hilft?

Symptome, Behandlung, Schutz – Wer ist gefährdet? Wie lässt sich eine Ansteckung vermeiden? Revolution in der Impfstoff-Forschung?

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Von Autor/in Lara Zell, Eva Gnädig

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Jede Woche werden in den Wintermonaten etwa 5 Millionen neue Atemwegserkrankungen gemeldet. Wann steckt eine echte Grippe, eine Influenza, dahinter? Woran lässt sie sich erkennen und wie behandeln? Wie vermeidet man eine Ansteckung und was tut sich in der Impfstoff-Forschung

Erkältung, grippaler Infekt oder Grippe (Influenza)? 

Eine Grippe, auch Influenza genannt, wird durch Influenza-Viren ausgelöst.  

Im Unterschied zur Erkältung, die oft auch grippaler Infekt genannt wird und durch Erkältungs-Viren ausgelöst wird, setzen die Symptome bei einer Grippe plötzlich und heftig ein und dauern länger, durchschnittlich etwa eine Woche.  

Influenza (Grippe): Symptome 

Betroffene sind meist völlig schlapp und leiden unter einem oder mehreren der folgenden Anzeichen

  • starke Erschöpfung, 
  • (hohes) Fieber 
  • starke Kopfschmerzen, 
  • Schwindel, 
  • Übelkeit, 
  • Halsweh, 
  • Atemnot, 
  • Husten. 

Eine Erkältung beginnt hingegen häufig mit Schnupfen oder Husten, der Verlauf steigert sich, ist aber insgesamt milder und klingt nach ein paar Tagen wieder ab.  

Influenza: verschiedene Viren 

Man unterscheidet bei Influenza- bzw. Grippe-Viren zwischen den Virentypen A, B, C und D

  • Typ D betrifft vor allem Nutztiere.  
  • Typ C löst meist nur milde Erkrankungen aus.  
  • Für die saisonalen Grippewellen verantwortlich sind vorrangig A- und B-Typen.  

Influenza: Was hilft? 

Hausarzt Dr. Robin Maitra aus Hemmingen rät Betroffenen vor allem zu zwei Dingen

  • Ruhe
  • Viel Flüssigkeit. Am besten Wasser und (evtl. mit Honig gesüßten) Kräutertee trinken. 

Ruhe ist bei einer Influenza sehr wichtig, denn Influenza-Viren schwächen unseren Körper sehr. Er ist anfälliger für Folgeerkrankungen. In schweren Fällen kann eine Influenza zu Herzmuskel-, Lungen oder Hirnhautentzündungen bis hin zum Tod führen.  

Influenza: Wann zum Arzt? 

Besonders für Risikogruppen und Menschen mit langanhaltenden oder starken Symptomen ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.   

Influenza: Wann sind Medikamente sinnvoll? 

Bei längerem, hohem Fieber empfiehlt Dr. Robin Maitra fiebersenkende Mittel. Er ist Facharzt für innere Medizin. Ansonsten seien Medikamente nur bei Komplikationen und in Absprache mit einem Arzt notwendig. 

Influenza: Wie vorbeugen? 

Hausärzte wie Maitra raten zu: 

  • Hygiene: Hände waschen, denn Viren halten sich unter Umständen stundenlang auf Oberflächen wie Geld, Haltegriffen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Türklinken, Lichtschaltern etc. 
  • Abstand halten: öffentliche Menschenansammlungen, wenn möglich, meiden, denn Grippe-Viren können z.B. über Husten übertragen werden (so genannte Tröpfcheninfektion). 
  • In jedem Fall ratsam: Eigene Körperabwehr stärken, z.B. durch viel frisches Gemüse und Obst, regelmäßige sanfte Bewegung, am besten an der frischen Luft u.ä. 

Influenza: Wem empfiehlt die Ständige Impfkommission eine Impfung? 

Eine jährliche Impfung empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) folgenden Risikogruppen

  • Menschen ab 60 Jahren,  
  • Menschen mit Vorerkrankungen oder  
  • Menschen mit Kontakt zu Risikogruppen sowie  
  • Schwangeren

Bis die volle Impfwirkung eintritt, dauert es jedoch bis zu 14 Tage.

Der beste Zeitpunkt für die Impfung ist daher jährlich im Spätherbst

Influenza-Impfung: Wie wirksam ist sie? 

Viren verändern sich, sie mutieren, und das oft sehr schnell.  

Für die Impfstoffhersteller stellt das ein großes Problem dar, denn die Herstellung eines Grippe-Impfstoffes dauert im Schnitt sechs bis acht Monate. Sprich: Bis der Impfstoff auf dem Markt ist, sind die Grippe-Viren oft schon mutiert, was die Wirksamkeit des Impfstoffes beeinflussen kann.  

Grippe-Impfstoffherstellung ist also immer der Versuch, Viren-Entwicklungen vorherzusagen.  

Influenza: Impfstoffherstellung 

Um diese Prognosen möglichst zielgenau zu machen, wurden so genannte Referenzzentren für Influenza eingerichtet - weltweit, auch in Deutschland.

Rund 100 Arztpraxen, darunter auch die Hemminger Hausarztpraxis, machen hierzulande für das Nationale Referenzzentrum Influenza Abstriche von Patientinnen und Patienten mit Influenza-Symptomen. Das Referenzzentrum untersucht dann, um welches Virus es sich aktuell genau handelt. 

Mit Hilfe dieser Daten weltweit erstellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Februar eine Prognose zu wahrscheinlich zirkulierenden Influenza-Viren in der folgenden Grippe-Saison. Diese Empfehlung wird dann in der Regel von der European Medicines Agency akzeptiert und umgesetzt.  

Das heißt: nach dieser Prognose werden die saisonalen Impfstoffe für die Grippe (Influenza) produziert, die dann ab Oktober eingesetzt werden. 

Influenza: mutierte H3N2-Variante besonders verbreitet 

Aktuelle Daten zeigen, dass eine Influenza-Virus-Variante derzeit besonders verbreitet ist: H3N2. Seit der vergangenen Vorhersage ist dieses aktuelle Grippe-Virus mutiert

Das könnte ein Grund sein, warum es ansteckender ist und der Impfstoff nicht mehr exakt auf die aktuelle Variante abgestimmt ist. 

Influenza-Viren mutieren allerdings nicht in Gänze, es gibt veränderliche und unveränderliche Anteile. 

Influenza: Wie Grippeviren aufgebaut sind 

Auf der Oberfläche eines Grippevirus befinden sich Proteine, zum Beispiel: 

  • Hämagglutinin, abgekürzt H oder 
  • Neuramenidase, abgekürzt N.   

Wenn das Virus, wie in dieser Saison, mutiert, ändert sich ein Teil der Struktur dieser Proteine.   

Durch die aktuellen Grippe-Impfungen bildet der Körper Antikörper gegen die variablen Bereiche der Virus-Oberfläche. 

Neben diesem variablen Bereich gibt es bei den Proteinen auf der Virus-Oberfläche aber auch einen stabilen Bereich, der sich nicht leicht ändert. Und genau hier setzt die Impfstoff-Forschung z.B. in Tübingen an. 

Revolution bei Influenza-Impfstoffen? 

An der Uniklinik Tübingen, am Institut für Immunologie, wollen Prof. Dr. Oliver Planz und sein Forschungsteam die Grippe-Impfung revolutionieren.  

Sie wollen einen Impfstoff entwickeln, der nicht jedes Jahr neu angepasst werden muss, sondern der über einen längeren Zeitraum einen effektiven Schutz gegen Influenza-Viren geben soll. Auch gegen solche Viren, die sich verändern, wie es in der aktuellen Situation der Fall ist.

Der neue Impfstoff soll also unter anderem Antikörper gegen die stabilen Bereiche erzeugen.  

Influenza: langer Entwicklungsweg für neue Impfstoffe 

Derzeit befindet sich das Team um Prof. Dr. Planz in Tübingen in der so genannten präklinischen Entwicklungsphase.  

“Das heißt, wir erzeugen jetzt die Ergebnisse, die wir benötigen, um bei der regulatorischen Behörde, für uns ist das das Paul-Ehrlich-Institut in Langen, eine klinische Studie zu beantragen”, erläutert Planz. Um zu sehen, ob der Impfstoff auch im Menschen robust ist und eine Immunantwort hervorruft.  

Trotz der für das Team bislang erfreulichen Forschungsergebnisse ist es noch ein langer Weg, bevor der Impfstoff möglicherweise am Menschen getestet werden kann. Allein die aktuelle präklinische Studie ist bis September 2027 angesetzt.

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