Wer bei der Arbeit nicht weiterkommt, sollte in Zukunft vielleicht einfach einen Powernap machen. Denn der kann dazu verhelfen, einen Geistesblitz zu haben, so die Ergebnisse eines Forschungteams der Universität Hamburg und des Max-Planck-Instituts in Berlin.
Die Schlafphase macht den Unterschied beim Mittagsschlaf
Schlaf ist nicht gleich Schlaf. Die Gehirnaktivität verändert sich je nach dem, wie tief wir schlafen. Forschende unterscheiden zwischen den folgenden Schlafphasen:
- Einschlafphase (N1),
- leichter Schlaf (N2),
- Tiefschlaf (N3).
Die Chancen auf einen Aha-Moment nach dem Mittagsschlaf sind besonders hoch, wenn man eine bestimmte Schlafphase erreicht. Das hat ein Forschungsteam rund um die Hamburger Schlafforscherin Dr. Marit Petzka herausgefunden:
"Die generelle Frage war, ob Schlaf die Wahrscheinlichkeit auf einen Aha-Moment erhöht. Die kurze Antwort ist: Ja, tut es. Besonders relevant ist hierfür die N2-Schlafphase." Das ist der Übergang von der leichten Einschlafphase in den ersten Tiefschlaf.
So messen Forschende Geistesblitze
An der Studie haben 90 Testpersonen teilgenommen. Sie sollten eine Verhaltensaufgabe lösen - vor und nach einem Powernap. Damit die teilnehmenden Personen auch müde waren, durften sie in der Nacht vor der Untersuchung nur wenig schlafen und kein Koffein konsumieren.
In dem Versuch sollten die Testpersonen feststellen, in welche Richtung sich farbige Punkte auf einem Bildschirm hauptsächlich bewegten. Dabei bewegten sich ein Anteil der Punkte in dieselbe Richtung. Die restlichen bewegten sich unkoordiniert, um die Aufgabe zu erschweren.
Die Farbe der gesamten Punktwolke war zunächst zufällig orange oder lila. Im Verlauf des Experiments wurde die Farbe dann der Bewegungsrichtung zugeordnet, sodass orange Punktwolken immer eine Hauptbewegungsrichtung hatten und lila Punktwolken die entgegengesetzte. Die Farbe gab so einen Hinweis auf die richtige Antwort im Test. Die Probanden wurden über diesen Zusammenhang nicht informiert.
Probanden hatten Geistesblitz nach Mittagsschlaf
Vor dem Mittagsschlaf haben die wenigsten Probanden den Zusammenhang bemerkt. Der Geistesblitz traf erst danach ein, so Petzka: "Von allen Versuchspersonen, die den N2-Schlaf erreicht haben, hatten um die 86 Prozent diesen Aha-Moment, also haben quasi realisiert, dass die Farbe genutzt werden kann, um die Aufgabe leichter zu lösen."
Personen, die nur den N1-Schlaf erreichten, schafften dies nur in 63 Prozent der Fälle. Ein Drittel der Probandinnen und Probanden sind nicht eingeschlafen. Von ihnen erfassten nur 55 Prozent nach der Ruhephase den Zusammenhang zwischen Farbe und Bewegungsrichtung.
Zu langer Mittagsschlaf ist kontraproduktiv bei der Arbeit
Für den Übergang in die tiefe Schlafphase (N3) war der Mittagsschlaf zu kurz. Sie tritt frühstens nach etwa 30 Minuten ein. Experten empfehlen, den Tiefschlaf während dem Mittagsschlaf aber ohnehin zu vermeiden. Sonst braucht man nach dem Aufwachen länger, um wieder fit zu sein.
Training verhilft zum perfekten Mittagsschlaf
Der Aha-Moment ist bei einem Nickerchen allerdings nicht garantiert. Aber durch Training und Gewohnheit soll es leichter sein, in 20 Minuten in den N2-Schlaf zu fallen und einen positiven Effekt zu erzielen. Denn Schlafen macht schlau, so Schlafexperte Dr. Albrecht Vorster vom Universitätsklinikum Bern:
"Tatsächlich lernen wir dazu, weil wir im Schlaf das Gedächtnis nachbearbeiten. Genau das hat man jetzt in der Studie auch gesehen. Wir kommen zu neuen Erkenntnissen, nachdem wir geschlafen haben. Wir werden wirklich über Nacht schlauer. Wir wachen mit einem anderen Gehirn auf, als wir eingeschlafen sind."
Schlafzimmer statt Kaffeeküche bei der Arbeit?
Laut einer Studie der Krankenkasse Pronova BKK machen knapp 40 Prozent aller Beschäftigten im Homeoffice immer wieder mal einen Mittagsschlaf. Bei den 18- bis 30-Jährigen sind es sogar 60 Prozent. Während Kaffee auch auf der Arbeit gang und gäbe ist, ist ein Mittagsschlaf noch eher ungern gesehen - wohl zu unrecht, wie Albrecht Vorster meint:
"Ich bin der Meinung, dass Napping Rooms in Bürogebäuden genauso eingeplant werden sollten wie Kaffeeküchen."
Um eine Leistungssteigerung zu erreichen, sind 15 bis 20 Minuten schon ausreichend - am besten im N2-Schlaf.