Neuanfang! Wenn es anders kommt im Leben

Nachwuchsfußballer Max kämpft gegen den Krebs – und gewinnt!

Max aus Heidelberg spielte Fußball in der U19 Bundesliga, hatte ein super Abitur. Dann kam die Diagnose: Krebs! Damit begann für ihn der härteste Abwehrkampf seines jungen Lebens.

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Von Autor/in Stefanie Meinecke

Ich nehm's Leben, wie's kommt. Und wenn da jetzt mal ein Stolperstein dazwischen ist, dann geht es trotzdem weiter. Ich denke schon, dass das durch die Krankheit verstärkt wurde, so mit dem Leben umzugehen.

Das "es geht trotzdem weiter" hat Max von klein auf gelernt. In der Saison '22/'23 spielt er als Nachwuchsfußballer in der U19 Bundesliga-Mannschaft von Astoria Walldorf. Dann kommt der 10. Januar 2023, der sein Leben von Grund auf verändert: Bei dem damals 18-Jährigen wird ein höchst aggressiver Tumor entdeckt. Viele harte Monate Kampf gegen den Krebs und für das Leben stehen vor ihm mit Operation, Chemo, Bestrahlung.

2025, nach erfolgreicher Therapie, sagt Max, dass er seine Todesangst überwunden hat. Er steht wieder auf dem Spielfeld – und vor allem im Leben. Mit neuen Zielen und neuen Träumen.

Ich glaube an Schicksal, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Das hat mir geholfen, mit der Diagnose umzugehen [...] weil ich mir gedacht habe: OK, das passiert jetzt aus einem bestimmten Grund. Irgendwas Positives wird es mir bringen, worauf ich dann hoffentlich zurückblicken kann.

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Rückblick: Traum von Profi-Karriere in der Fußball Bundesliga

Im Winter '22/'23 hat Max noch von einer Profikarriere im Fußball geträumt. Er freut sich darauf, die Saison zu Ende zu spielen. Sein letztes halbes Jahr in der U19 Bundesliga – und dann vielleicht schnell Koffer packen! Max hat gute Chancen auf ein Stipendium für ein Fußball-College in den USA. 

Aber: Da ist seit Wochen diese Sache mit seiner Nase. Sie ist mehr oder weniger dauernd verstopft. Auch das Nasenspray hilft immer weniger, erzählt der Vater von Max.

Stephan Rewerk, der Vater von Max, ist Arzt. Chirurg und Gefäßspezialist, so wie seine Frau Sabine. Sie schicken Max zum HNO Arzt; Max hat jede Menge Gewebe in der Nasennebenhöhle. Das stellt sich als Sarkom heraus, ein seltener, bösartiger Tumor, der in Richtung Gehirn und Sehnerv wächst. Max' Vater erinnert sich noch genau an seine erste Reaktion.

Mediziner lernen [mit Krebs] umzugehen. Aber als Betroffener, da zieht es dir einfach den Boden weg. Das kann man gar nicht beschreiben. Das ist das Grauen schlechthin. Das ist der Supergau. Aber dann wurde sofort der Kampfgeist wach: Aufgeben ist keine Option! Wir werden das Ding besiegen!

Ein junger Mann und sein Vater betrachten eine Gesichtsmaske zur Strahlentherapie aus gewebtem Kunststoff. SWR1 Neuanfang: Nachwuchsfußballer Max und sein Kampf gegen den Krebs. Bei dem jungen Mann aus Heidelberg wird ein Sarkon diagnostiziert, ein höchst aggressiver Krebs. Der Sport und seine Familie geben ihm die Kraft, die Chemotherapie und den Kampf gegen den Krebs erfolgreich zu bestehen.
Max und sein Vater Stephan. Auf dem Tisch vor ihnen: die Bestrahlungsmaske. Mit ihr wird die Strahlentherapie exakt ausgerichtet, damit sie nur den Tumor und möglichst wenig gesundes Gewebe trifft.

Krebs-Behandlung in Heidelberg

"Wir sind aufgefangen worden" erinnert sich Stephan Rewerk. Er meint damit die Onkologen in Heidelberg, die 2023 die Behandlung von Max übernehmen. Mimik, Gestik, Wortwahl – alles sei warm und beruhigend gewesen. Die Krebsspezialisten vermitteln das Gefühl, an der Uniklinik sehr gut aufgehoben zu sein. "Medizin und Empathie auf ganz hohem Niveau", sagt Rewerk. Diese Erfahrung soll anderen Mut machen, betont er.

Nach so einer Chemo war Mäxchen komplett am Arsch. Dann lag er da oben im Bett, so weiß wie die Wand. Dem ging es einfach beschissen. Kann man nicht anders sagen. Chemo ist der Hammer. Und dann hat sich meine Frau zu ihm ins Bett gelegt und ihn im Arm gehabt.

Ein kleiner, blonder Junge in blauem Fußball-Trikot schaut durch ein Tornetz. Ein junger Mann spielt im weißen Trikot Fußball. SWR1 Neuanfang: Nachwuchsfußballer Max und sein Kampf gegen den Krebs. Bei dem jungen Mann aus Heidelberg wird ein Sarkon diagnostiziert, ein höchst aggressiver Krebs. Der Sport und seine Familie geben ihm die Kraft, die Chemotherapie und den Kampf gegen den Krebs erfolgreich zu bestehen.
Schon von Kindesbeinen an ist Max fasziniert vom Fußball. Den liebevollen Kosenamen "Mäxchen" haben die Eltern bis heute beibehalten.

Liebe zum Fußball hilft Max im Kampf gegen den Krebs

Etwas, was Max in seinem Kampf gegen seinen Tumor geholfen hat, war sein enormer Wille. Seine Liebe zum Fußball und das, was er auf dem Platz und im Training gelernt hat. Seit seinem 13. Lebensjahr war er als Leistungssportler gewohnt, Dinge mit starkem Willen durchzuziehen, wie er sagt.

Als Max 2023 die ersten zwei Monate seiner Chemo überstanden hat, blickt er nicht zurück, sondern nach vorne. Auf die kommenden vier Monate Therapie. Er sagt sich, dass er sie auch noch schaffen wird – und muss.

Familie und Sport als Stütze während der Krebstherapie

Der Umgangston in der Familie Rewerk ist extrem liebevoll. Max’ Bruder: sehr wichtig während der Chemo. Er machte in den Monaten der Therapie ein Stück Normalität möglich. Diese Zuneigung zueinander scheint zu tragen – egal, was einem das Leben vor die Füße wirft. 

Zwei junge Männer stehen mit ihrer Mutter beim Sonnenuntergang auf einer Terrasse. SWR1 Neuanfang: Nachwuchsfußballer Max und sein Kampf gegen den Krebs. Bei dem jungen Mann aus Heidelberg wird ein Sarkon diagnostiziert, ein höchst aggressiver Krebs. Der Sport und seine Familie geben ihm die Kraft, die Chemotherapie und den Kampf gegen den Krebs erfolgreich zu bestehen.
Max mit Mutter und Bruder. Sport und Zusammenhalt waren wichtig im Kampf gegen das bösartige Sarkom - eine höchst aggressive Form von Krebs.

Das Haus der Familie Rewerk in Heidelberg-Handschuhsheim: Im Keller gibt es einen kleinen Trainingsraum. Laufband, Ergometer und Bank zum Gewichte-Stemmen. Hier hat Max schon viel trainiert, auch während der Chemo. Der Sport, sagt Max, sei für ihn extrem wichtig gewesen – er gab Struktur und ein Stück Normalität. Und dieses gute Gefühl, selbst etwas tun zu können in diesem irrsinnigen Kampf gegen den Tumor.

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"Port Protector": wichtige Erfindung für die Chemo

Für die Chemotherapie bekommt Max auf der Brust einen sogenannten Port unter die Haut eingepflanzt. Das ist der Zugang, über den die Chemo ins Blut fließt. Der steht wie ein großer Knubbel hervor und muss entsprechend geschützt werden.

Fußball ist ein Kontaktsport – schlecht, wenn da ein Ball oder ein Spieler-Arm auf den Port knallt. Max' Vater erfindet deshalb einen umschnallbaren Schutz, den "Port Protector". Auf dem Markt gibt es so etwas noch nicht, ein Fachbetrieb baut ihn. Max trägt ihn auch heute noch beim Sport, denn der Port bleibt auch nach der Chemotherapie noch eine Weile unter der Haut.

Bild-Kombination. Links ein durchtrainierter Mann mit Chemotherapie-Glatze. Er sitzt auf einer Hantelbank. Rechts der gleiche junge Mann auf dem Sportplatz. Um seinen freien Brustkorb ist eine Art Gurt geschlungen. SWR1 Neuanfang: Nachwuchsfußballer Max und sein Kampf gegen den Krebs. Bei dem jungen Mann aus Heidelberg wird ein Sarkon diagnostiziert, ein höchst aggressiver Krebs. Der Sport und seine Familie geben ihm die Kraft, die Chemotherapie und den Kampf gegen den Krebs erfolgreich zu bestehen.
Sport war für Max auch während seiner Chemotherapie immer wichtig. Im rechten Bild gut zu sehen: der "Port Protector". Max' Vater hat den Spezialgurt erfunden. Er schützt den in die Brust implantierten Zugang für die Kanüle der Chemotherapie.

Sieg im Kampf gegen den Krebs – und neue Ziele

Zurück ins Jahr 2025, gut zwei Jahre nach der Krebs-Diagnose. Max hat den Krebs besiegt. Die Fußballkarriere? Das wird nichts mehr, lächelt Max. Er trainiert trotzdem gern, hat den Verein gewechselt. Max spielt jetzt bei der SG Heidelberg-Kirchheim und findet das Team dort klasse. Und das Stipendium für die USA? Max zuckt gelassen mit den Schultern. Er hat das offensichtlich alles abgehakt.

Das schafft neue Freiheit: Der Fußball fesselt ihn nicht mehr so komplett. Für ihn ist viel Raum entstanden für neue Ideen, neue Sehnsüchte.

Für diese Tür, die sich schließt, wird gleichzeitig eine andere geöffnet. Und jetzt habe ich andere Ziele im Leben – und das ist auch okay. Also erstmal aus Heidelberg 'raus in eine andere, größere Stadt. Studieren. Was ich studieren will, weiß ich noch nicht. [...und reisen!] Es gibt so viele schöne Ecken auf der Erde. Die will ich einfach mal gesehen haben und nicht nur auf Bildern.

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