Wir haben mit der 21 Jahre alten Carlotta Merx über ihre ehrenamtliche Arbeit im Hospiz St. Christophorus in Mainz gesprochen. Sie gibt uns Einblicke in ihre Erfahrungen.
Carlotta Merx' Beweggründe für ihre freiwillige Arbeit im Hospiz
SWR1: Was hat Sie zu dieser ehrenamtlichen Arbeit gebracht?
Carlotta Merx: Tatsächlich eine private Geschichte oder ein familiärer Hintergrund. Meine Oma ist selber vor zehn Jahren im Hospiz verstorben in Mainz. Das hat mich nie so ganz losgelassen und dann bin ich irgendwann wieder dahin zurückgekommen und da geblieben.
SWR1: Sie waren elf als ihre Oma starb. Das muss Sie aber dann doch im Hospiz nachhaltig beeindruckt haben.
Merx: Definitiv, auf jeden Fall. Also, die Atmosphäre und auch das Leben darin, wie es gelebt und gefeiert wird, war wunderbar für mich als Kind und jetzt auch als ehrenamtliche Mitarbeiterin.
SWR1: Atmosphäre, Leben und Feiern waren jetzt Ihre Stichworte für eine Elfjährige, die in einem Haus zu Gast ist, in dem Ihre Oma stirbt. Das müssen Sie näher erklären, wie passt das zusammen?
Merx: Es war super schwerelos, meine Familie, meine Mutter, meine Tanten, alle wurden super entlastet von dem Team, das eine wunderbare Arbeit machte. Ich hatte das Glück, mit meinen Schwestern und meinen Cousinen da zu sein. Wir hatten super viel Spaß.
Die Atmosphäre und auch das Leben [im Hospiz], wie es gelebt und gefeiert wird, war wunderbar für mich als Kind und jetzt auch als ehrenamtliche Mitarbeiterin.
Wir konnten dort spielen, wir konnten uns austoben, obwohl es eigentlich für viele so ein düsterer Ort ist. Wir hatten trotzdem einfach eine wunderbare Zeit.
SWR1: Sie haben sogar eine Fasnachtsparty im Hospiz organisiert. Das klingt auch etwas gewöhnungsbedürftig, der Gedanke daran zumindest.
Merx: Genau, das war während der Fastnachtszeit und wir haben jede Feierlichkeit und auch Ostern mitgenommen und als Familie dort zusammen noch genießen können.
Über die Atmosphäre im Hospiz und die Einstellung zum Tod
SWR1: Wenn Sie sich jetzt ehrenamtlich um die Sterbenden kümmern, also der Tod ist da in jedem Winkel, wie empfinden Sie heute die Atmosphäre?
Merx: Man erfährt noch mal mehr über das eigentliche Thema, was einem als angehörige Person eher nicht bewusst ist in dem Moment. Aber ich habe, auch wenn man einfach in jedem Zimmer mit dem Thema konfrontiert ist, super viel lernen dürfen.
Die Atmosphäre ist weiterhin total schön. Wir können lachen, man kann auch einfach nur in Stille ausharren, man kann weinen. Man kann einfach alles, was das Leben noch so bereithält, versuchen zu erfüllen. Und das ist genau das, was mich so motiviert, was mich auch glücklich macht und sehr dankbar macht, wenn ich den Leuten noch schöne Gefühle und ein bisschen Zeit der Schwerelosigkeit geben kann.
Es macht mich zuversichtlich zu wissen, dass ich an meinem Lebensende nicht alleine sein muss.
SWR1: Sie sind 21, haben also nach normaler Lebenserwartung noch mindestens sechs Jahrzehnte zu leben. Hat sich Ihr Verhältnis, Ihre Einstellung zum Tod durch diese ehrenamtliche Arbeit verändert?
Merx: Ich würde sagen, dass mir auf jeden Fall die große Angst genommen wurde, dass, wenn ich irgendwann zum Beispiel wirklich krank sein sollte, ich dann die Unterstützung haben darf und wahrscheinlich auch kriegen könnte, die jetzt auch in einem Hospiz den Leuten gegeben wird. Es macht mich zuversichtlich zu wissen, dass ich an meinem Lebensende nicht alleine sein muss.