Das neue Schuljahr in Rheinland-Pfalz fängt an und damit hat uns alle der Alltag wieder: Die Eltern sind im Job, die Kinder müssen, nach sechs Wochen ausschlafen und gammeln, wieder früh raus. Wie kriegen wir das alle zusammen gut auf die Reihe? SWR1 hat mit Erziehungsberater und Autor Jan-Uwe Rogge gesprochen
Der Schulanfang ist kein Weltuntergang
SWR1: Irgendwer hat sich dafür einen Namen ausgedacht. Das "Post-Holiday-Syndrom" klingt dramatisch...
Jan-Uwe Rogge: Für jedes Ding hat man heute einen Namen, am liebsten noch einen ausländischen Namen. Dabei ist es doch völlig normal. Die Kinder haben keinen Bock wieder in die Schule zu gehen.
Man sollte nicht immer am Rad drehen, finde ich jedenfalls. Man kann mit den Kindern bereden, was anders wird. Aber nicht unter dieser hektischen Weltuntergangsthematik, sondern da kommt was und gemeinsam schaffen wir das auch.
Die Schule sollte nicht den gesamten Alltag bestimmen
SWR1: Gelassenheit ist also das große Zauberwort? Bis zu den Herbstferien sind es nur noch acht Wochen. Bis dahin wird gebüffelt werden müssen. Die ersten Arbeiten müssen geschrieben werden, teilweise bei neuen Lehrerinnen und Lehrern.
Jan-Uwe Rogge: Das stimmt, aber der Alltag besteht nicht nur aus Schule. Was ich wichtig finde, ist es, in diesen acht Wochen den Kindern genügend Zeit fürs Rumgammeln zu geben und nicht ununterbrochen über Hausaufgaben und so weiter zu reden.
Kinder lieben es, mal herumzuliegen, an die Decke zugucken. Das gibt übrigens ganz viel Kraft.
Die Kinder von alleine erzählen lassen
SWR1: Wie merken Eltern, ob das Kind gut in der neuen Klasse ankommt oder vielleicht ausgegrenzt wird? Manche erzählen nicht so gerne. Der Klassiker: wie war es? Gut.
Jan-Uwe Rogge: Genau das habe ich vorhin angedeutet. Wenn das Kind aus der Schule kommt, warten, bis das Kind von selbst darauf kommt. Viele Kinder, die jetzt aufs Gymnasium oder auf eine weiterführende Schule kommen, machen in dieser Zeit natürlich auch einen körperlichen, einen psychischen Entwicklungssprung. Berücksichtigen sie, dass das auch damit zu tun hat.
Die schwierigste Hausaufgabe, die ich Eltern in meiner Beratung stellen kann, ist das Wort Schule eine Woche lang nicht in den Mund zu nehmen. Das gelingt mir nur, wenn ich den Eltern die Zunge amputiere. Selbst dann würden sie noch Schule stammeln.