Unbeschwertes Wandern in den Alpen war gestern, gute Vorbereitung ist alles
Der Klimawandel zeigt sich auch in den Bergen. Was genau hat sich verändert und worauf sollte man beim Wandern jetzt besonders achten? Darüber haben wir mit Sonja Haug gesprochen, sie ist erste Vorsitzende des Deutschen Alpenvereins Sektion Mainz.
SWR1: Frau Haug, wenn ich in den Bergen auf ausgeschilderten Wanderwegen bleibe, droht mir da jetzt mehr Gefahr als in den letzten paar Jahren?
Sonja Haug: Ich sag mal "Jein", denn der Klimawandel hat in den Alpen zu einer rasanten Veränderung geführt. Das heißt, Steinschlag und Felsstürze gibt es auch eben in den Alpen. Das betrifft insofern Wanderwege, weil durch Murenabgänge oder durch Felsstürze auch Wanderwege beschädigt werden.
Es ist schon gefährlicher geworden, in die Alpen zu gehen.
SWR1: Sie sind schon seit vielen Jahren immer wieder in den Alpen unterwegs. Wie konkret hat sich das Ganze in den letzten Jahren verändert? Was können Sie dort sehen?
Haug: Man muss es ein bisschen unterscheiden, ob wir in die Region unter 2.500 Meter gehen oder in das Hochgebirge der Alpen oberhalb von 2.500 Meter, wo ja dann auch noch der auftauchende Permafrost eine sehr große Rolle spielt bezüglich der Stabilität des Gesteins.
Wandern in den Alpen nie ohne gründliche Recherche
SWR1: Wenn ich höher unterwegs bin, worauf muss ich achten?
Haug: Sie müssen damit rechnen, dass die Wege, die auf der Karte sind, eingezeichnet sind, schlichtweg nicht mehr existieren. Das heißt: Ich muss mich im Hochgebirge, also oberhalb der 2.000 Meter, vorher eigentlich immer schlau machen.
Ich muss auf die Webseiten der Hütte gehen und gucken, ob da etwas von Wegsperrungen steht. Es ist schon gefährlicher geworden, in die Alpen zu gehen.
Eine Beschreibung auf Instagram ist nie eine gute Tourenbeschreibung.
SWR1: Wie sieht es denn aus mit einer guten Vorbereitung fürs Wandern in den Alpen? Was muss ich da mitbringen?
Haug: Die gute Vorbereitung ist vor allem die Frage, wo Sie IhreInformationen herholen. Es gibt seriöse, gute Tourenbeschreibungen in den Portalen: das Tourenportal Outdooractive, Alpenvereinaktiv, auch Komoot.
Eine Beschreibung auf Instagram einer Tour ist nie eine gute Tourenbeschreibung - ein ganz wichtiger Punkt. Das zahlt auch auf den Klimawandel ein. Ich muss wissen: Wie ist das Wetter.
SWR1: Wenn ich als Unerfahrener einfach mal in den Alpen wandern sein möchte und denke, ich krieg das ganz gut hin, ich bereite mich ein bisschen vor und dann wird das schon. Würden Sie sagen, dass es vor ein paar Jahren sehr viel wahrscheinlicher war, dass das auch klappt und jetzt unwahrscheinlicher geworden ist, weil einfach zu viele Sachen anders laufen?
Haug: Man kann weiterhin in die Alpen gehen, aber man muss sehen, dass man sich durch die Veränderung des Klimawandels besser informieren muss. Und man muss wissen, dass die Hütten durch den Klimawandel massiven Wassermangel haben.
Es regnet zu wenig, und durch die Hitze trocknen die Quellen aus. Das sollte man auf dem Schirm haben, wenn man losgeht, dass man nicht mehr überall duschen kann und dass das Wasser eben teilweise in Flaschen verkauft werden muss.