Weiter Ärger mit Autovermietung

123-Transporter insolvent? Staatsanwaltschaft ermittelt

Bleiben Kunden auf ihren Kautions-Rückforderungen sitzen? Beschwerden gegen Autovermietung häufen sich. Ein Insider berichtet.

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Stand

Von Autor/in Valeria D'Alessio

Nach unserem Bericht über den Ärger mit 123-Transporter meldet sich ein ehemaliger Mitarbeiter der Autovermietung und erhebt schwere Vorwürfe. Er will nicht erkannt werden. 

Insider berichtet von hohen Strafzahlungen 

Der Insider erzählt uns von immensen Strafzahlungen, die das Unternehmen in den vergangenen Tagen von den Kreditkarten seiner Kunden und Kundinnen abgebucht hätte: "In den letzten Tagen wurden massiv Strafzahlungen abgebucht, teilweise waren das bis zu 40.000 Euro insgesamt nur an einem Tag. Das waren locker doppelt so viele, wie vorher”, so der Insider.

Wer steckt hinter 123-Transporter? 

Das österreichische Start-up-Unternehmen vermietet seit 2023 auch in Deutschland Transporter. Die Fahrzeuge gehören sogenannten Flottenpartnern. Sie kaufen, warten und reinigen die Fahrzeuge. Vertragspartner für die Kunden ist aber 123 Transporter. Die Abwicklung erfolgt online.

Günstige Mietpreise locken zahlreiche Kunden 

Die günstigen Mietpreise haben bislang viele Interessierte angelockt. Zahlreiche Kundinnen und Kunden berichten allerdings von teilweise monatelangen Wartezeiten für die Rückzahlung ihrer Kaution. Oder von für sie nicht nachvollziehbaren, hohen Vertragsstrafen.

250 Euro Vertragsstrafe 

Jens Grotkasten ist einer von ihnen. Er mietet im Juni einen Transporter. Wie in der App gefordert, macht er vor und nach der Fahrt Fotos des Transporters. In der App werde genau vorgeschrieben, von welcher Richtung aus die Fotos zu machen seien und wie das Fahrzeug ausgerichtet sein müsse.

Rund vier Wochen nach der Rückgabe erhält Jens Grotkasten eine E-Mail von 123-Transporter: die Fotos des Fahrzeugs würden nicht den Vorgaben entsprechen. Er habe eine Vertragsstrafe begangen und deswegen würden ihm 250 Euro in Rechnung gestellt – die auch prompt von der Kreditkarte abgebucht worden sei.

Das Problem: Er kann die vertragsgemäße Übersendung der Fotos nicht beweisen, denn die Fotos würden über die App gemacht und gespeichert, danach seien sie für die Kunden nicht mehr sichtbar.

Anwalt: Vertragsstrafe "maßlos überzogen" 

Seit Juli versucht Jens Grotkasten seine 250 Euro zurückzubekommen. Bislang erfolglos. Er hat sich inzwischen an einen Anwalt gewendet.

Matthias Böse vertritt etliche Kunden von 123-Transporter, denen ebenfalls 250 Euro Vertragsstrafe abgebucht wurden – wegen nicht vertragsgemäßer Fotos. Diese Klausel hält er für unwirksam. 

"Wenn man so was in AGB versteckt, dann muss es auch dem typischen Schaden entsprechen, der da entsteht – und 250 € ist dafür maßlos überzogen." 

250 Euro für angeblich nicht vertragsgemäße Fotos? Der Insider zeigt uns die Fotos, die Jens Grotkasten in die App geladen hat: "Meiner Meinung nach ist die Abbuchung Willkür. Die Fotos sind vollständig und in Ordnung."

Keine Antwort von 123-Transporter 

Wir bitten 123-Transporter um Stellungnahme, doch erhalten keine Antwort.  

Wir fahren zum deutschen Standort der 123 Shared Mobility, im niederbayerischen Plattling. Vor Ort: die Rollläden geschlossen. Auf dem Briefkasten: zahlreiche Unternehmensaufkleber. 

Wir finden heraus: Mittlerweile können in Deutschland und Österreich keine Transporter mehr gebucht werden.

123: Keine Transporter mehr buchbar

Obwohl in Deutschland und Österreich seit einigen Tagen keine Transporter mehr buchbar sind, ziehe 123-Transporter immer noch Vertragsstrafen ein, verrät uns der Insider – für längst vergangene Buchungen.

Auch bei Kunden, die das Fahrzeug gar nicht nutzen konnten, verrät der Insider: "Seit ein paar Monaten wurden Kautionen oft nur noch zurückbezahlt, wenn ein Anwaltsschreiben kam oder ein Schreiben von der Konsumentenkammer in Österreich." 

Staatsanwaltschaft ermittelt 

Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelt seit Mai 2025 gegen den deutschen Geschäftsführer: wegen Verdachts auf Betrug und Insolvenzdelikten.

Wir zeigen die letzte veröffentliche Bilanz der 123 Shared Mobility Holding dem Freiburger Finanzexperten Marcus Bravidor: 2023 habe das Unternehmen entweder ziemliche Wachstumsschmerzen gehabt oder das Geschäftsmodell sei unter Druck geraten, so Bravidor. Er sieht die Finanzierung des Unternehmens auf ziemlich tönernen Füßen.

Flottenpartner: 123-Transporter insolvent?

Mehrere Flottenpartner berichten uns, 123-Transporter hätte ihnen mitgeteilt, dass sie Insolvenz angemeldet hätten.

Kunden sollten sich an ihre Bank wenden 

Kunden, die auf ihre Kaution warten oder die glauben, ihnen seien zu Unrecht Vertragsstrafen abgebucht worden, sollten jetzt handeln und sich an ihr Kreditkarteninstitut wenden und den Sachverhalt schildern.

Rechtsanwalt Böse meint: Das könnte Kreditkartenunternehmen dazu bewegen, Zahlungen, die geleistet worden seien, zurückzubuchen.

Das will auch Jens Grotkasten versuchen. Wir zeigen ihm seine Fotos aus der App, die uns der Insider geschickt hat. Die könnten ihm für die Verhandlungen mit seinem Kreditkarteninstitut hilfreich sein.

Ärger mit 123-Transporter Mietwagen: Vorsicht vor Abzocke!

Strafe für zu schnelles Fahren, GPS-Überwachung, Kautionsärger - Beschwerden über die Mietwagen-Firma 123-Transporter häufen sich.

Marktcheck SWR