Trading-Trend

Anlagebetrug: Per Messengerdienst in den Ruin getrieben

Statt vermehrtes Erspartes doch das Gegenteil: Betrüger nutzen den Trading-Trend, um auf Messengerdiensten Werbung für scheinbar seriöse Investment-Apps zu machen.

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Von Autor/in Jonas Pospesch / SUPER.MARKT rbb, 12.01.2026

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt vor betrügerischen Finanzanbietern. Laut BaFin-Verbraucherschützer Ulf Linke gebe es immer mehr fingierte Trading-Apps.

In den Apps werde allerdings nicht wirklich getraded, also gehandelt – die Verbraucher zahlten zwar Geld ein, aber dies werde nicht angelegt. Die Gewinne, die ausgewiesen würden, seien nicht real, sondern lediglich in der App vorhanden, so Linke.

Gefälschte Trading-App, aber anfangs echte Auszahlungen

Der Aachener Marius Klose ist auf genau so eine App hereingefallen – und hat über 100.000 Euro verloren. Durch eine Werbung auf Instagram sei er darauf aufmerksam geworden, dass das "Schwartz-Trading-Institut" per WhatsApp-Gruppe vermeintlich kostenlose Kurse und Aktientipps anbot.

Nachdem er Mitglied der Messengergruppe geworden war, habe er zuerst auf kleinem Niveau Aktien gekauft, sie nach einigen Tagen verkauft – und so gesehen, dass sich auf diese Weise leicht Gewinne erzielen ließen, so Klose.

In der Gruppe wurde Klose dann ein sogenannter Gewinnplan angeboten: Er sollte nun über eine vorgegebene App, die er im Play-Store für sein Android-Smartphone herunterladen konnte, traden.

Im Rahmen des "Gewinnplans" sollte er seine Aktien auf einem institutionellen Konto verwalten lassen oder aktiv handeln. Klose machte mit den ersten tausend Euro Investment angeblich direkt Gewinne und veranlasste eine erste Auszahlung, die problemlos funktionierte.

Daraufhin wurde er mit seinen Investments mutiger und tradete höhere Beträge über die App des Schwartz-Trading-Instituts.

Die Täter sind gut organisiert und geduldig

Im Fall von Marius Klose gingen die Täter mit langem Atem vor. Dass die mutmaßlichen Betrüger Marius Klose zum Beispiel zuerst Geld auszahlten, passe zu gängigen Maschen, so Christina Stevenson, die beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen das Dezernat für Wirtschaftskriminalität leitet.

Aus ihrer Erfahrung sei es oft so, dass die Geschädigten zu den Tätern Vertrauen fassten, wenn sie sich Gewinne auszahlen ließen. So würden sie dazu verleitet, immer größere Beträge zu investieren. Das Ergebnis: "Der Anlagebetrug im Internet hat sich in den letzten Jahren dramatisch entwickelt", so Stevenson.

Christina Stevenson leitet das Dezernat für Wirtschaftskriminalität des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen.
Christina Stevenson leitet das Dezernat für Wirtschaftskriminalität des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen. rbb | Jonas Pospesch

Offizielle Dokumente sollen die Seriosität belegen

Zusätzlich gebe es vielfach offiziell aussehende Dokumente, die die User täuschen sollen; im Fall von Marius Klose waren es ein "Certificate of Fact of Good Standing" des US-Bundesstaats Colorado und eine Registrierung bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC.

Die Dokumente sind zwar nicht gefälscht, aussagekräftig sind sie aber in keinem Fall: Ein "Certificate of Fact of Good Standing" zeigt lediglich, dass ein Unternehmen registriert wurde.

Auf der Webseite des Bundesstaats steht: "Diese Behörde hat keine Autorität, zu bescheinigen, dass ein Unternehmen legale Geschäfte betreibt."

Dazu kommt: Wer in Deutschland Finanzdienstleistungen anbietet, braucht eine Erlaubnis. Für deutsche Unternehmen vergebe diese die BaFin, so Verbraucherschützer Linke.

Europäisches Unternehmen bekommen sie von den jeweiligen Partnerbehörden. Ob ein Anbieter diese Erlaubnis hat, kann man online in der Unternehmensdatenbank der BaFin nachschauen. Auch Anbieter aus anderen EU-Staaten sind hier aufgeführt, wenn sie in Deutschland aktiv sind.

Netzwerk von spezialisierten Tätern verwischt alle Spuren

Ein Ergreifen der Täter ist in der Regel aussichtslos. Selbst über Bankdaten oder Telefonnummern komme man meist nicht an sie heran, so Ermittlerin Stevenson. Selbst, wenn sie es schafften, diese Menschen zu ermitteln, kämen sie lediglich bei Strohleuten heraus – und nicht bei den dahinter agierenden Betrügern.

Hinter diesen fiktiven Firmen stecke oft ein Netzwerk aus spezialisierten Tätern, die sich die Arbeit untereinander aufteilten, erläutert Stevenson – vom Callcenter über die Werbung in den Messengerdiensten, bis zur Programmierung der Apps und denjenigen, die hinterher das Geld waschen.

300 Prozent Rendite in 45 Tagen werden versprochen

Auch Claudia Große aus Brandenburg ist über eine Werbeanzeige auf Trading-Betrüger hereingefallen. Sie wurde in einer WhatsApp-Gruppe auf den Anbieter Quantum-Compute-Fonds aufmerksam.

Eine neue Kryptohandelsplattform sollte sie angeblich ausprobieren, "komplett risikofrei", erinnert sich Große. Das Versprechen von Quantum: 300 Prozent Rendite in 45 Tagen – und das exklusive Vorkaufsrecht für einen Krypto-Token, der "garantiert durch die Decke geht".

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Durch die Decke gehen Großes Verluste: Insgesamt hat sie rund 198.000 Euro verloren, inklusive eines 90.000-Euro-Kredits.

Heute ist Claudia Große mit Betroffenen aus ganz Deutschland vernetzt. Allein sie haben nach eigenen Angaben mehr als achteinhalb Millionen Euro verloren.

Warum zeigt Meta weiterhin Anzeigen für Fake-Apps?

Aus Sicht von Claudia Große ist neben den eigentlichen Betrügern noch jemand anderes für ihren Schaden verantwortlich: Der Tech-Konzern Meta mit seinen Plattformen Instagram und Facebook. Von den ihr bekannten Betroffenen seien alle über Anzeigen auf Instagram und Facebook zu dem Betrug gekommen.

Die entsprechenden Anzeigen würden dort immer noch ausgespielt, obwohl sie und andere diese Betrugswerbung immer wieder an Meta meldeten.

Im November 2025 hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Meta mit Werbung für Betrug oder illegale Güter 16 Milliarden Dollar im Jahr verdiene. Laut Meta sei dieser Wert eine zu hohe Schätzung.

Zu den Vorwürfen von Frau Große und ihrer Gruppe schreibt das Unternehmen auf Anfrage der ARD-Verbraucherredaktion:

Wir dulden keine Inhalte, die andere absichtlich täuschen oder betrügen sollen, und arbeiten ständig daran, Betrugsversuche von unserer Plattform zu entfernen.

Das Unternehmen verweist auf Investitionen in Milliardenhöhe in automatisierte Technologien und darauf, dass es so allein im 2. Quartal 2025 Maßnahmen gegen 687 Millionen Fake Accounts ergriffen habe.

Diese habe das Unternehmen zu 99,8 % proaktiv, also selbst gefunden, bevor sie dem Unternehmen gemeldet worden seien. Weiterhin bittet Meta seine Nutzer, verdächtige Inhalte zu melden.

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Hohe Rendite und niedriges Risiko? Gingen eben erfahrungsgemäß nicht Hand in Hand, so BaFin-Experte Linke. Eine Online-Suche, zum Beispiel bei der BaFin, kann mögliche Betrüger entlarven.

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Marktcheck SWR

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Jonas Pospesch / SUPER.MARKT rbb, 12.01.2026