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Apps als Datensammler - FAQ für Menschen, die nichts zu verbergen haben

Apps zu Wetter, Reisen, Kochen: Viele davon sind scheinbar kostenlos, aber statt mit Geld zahlen wir mit persönlichen Daten. Warum das zum Problem werden kann.

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Von Autor/in Jutta Kaiser

Deutsche Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzer haben im Durchschnitt 42 Apps auf dem Smartphone, diese Zahl hat der Digitalverband Bitkom ermittelt - bereits vorinstallierte Apps wie Browser, Wecker oder Wetterbericht kommen noch dazu. Und fast jede App fordert Berechtigungen ein, auf persönliche Daten zuzugreifen. Wir erklären, wann und warum das zum Problem werden kann.

Welche Daten werden gesammelt?

Es ist je nach App unterschiedlich, welche Berechtigungen eingefordert werden. Viele Anbieter verlangen beispielsweise den Zugriff auf das Adressbuch, auf Standortdaten oder auf Mikrofon und Kamera oder Bilder. Dabei kann man nicht davon ausgehen, dass ein Anbieter nur diejenigen Berechtigungen einholt, die für das Funktionieren der App notwendig sind. Teils werden darüber hinaus zusätzliche Berechtigungen abgefragt.

Wofür können gesammelte App-Daten verwendet werden?

Konsumdaten lassen auf Vorlieben von Menschen schließen - zum Beispiel welche Produkte und Marken sie einkaufen. Standortdaten können dafür verwendet werden, Bewegungsprofile zu erstellen. Diese zeigen, wer sich wann, wo, wie lange aufgehalten hat. Von diesen Daten lassen sich unter anderem der Wohnort, Arbeitgeber und Freizeitgewohnheiten ableiten.

App-Anbieter geben die Daten oft an Datenhändler weiter, die die Datensätze aufbereiten und an Dritte - oft die Werbeindustrie - weiterverkaufen. Sie kann dann gezielt Werbung schalten und so ihre Einnahmechancen steigern. Denkbar ist auch, dass Suchergebnisse in einem Onlineshop entsprechend mutmaßlichen Vorlieben gefiltert werden oder bestimmte Produkte vorgeschlagen werden - zugeschnitten auf Nutzer oder Nutzerin und deren mutmaßliche Interessen.

Wie häufig kommt ein Missbrauch von Daten vor?

Forscher der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Goethe-Universität Frankfurt haben in einer Studie herausgefunden, dass viele App-Anbieter ihre eigenen Datenschutzvorgaben nicht einhalten. Dazu haben sie eine Stichprobe mit mehr als 850 Apps im Google Play Store und dem Apple App Store in 19 Ländern gemacht. 40 Prozent der Apps haben demnach personenbezogene Daten an Dritte weitergegeben, ohne das offenzulegen. Grund dafür sind den Forschern zufolge höhere Werbeeinnahmen.

Bei welchen Daten sollte ich besonders vorsichtig sein?

Man sollte immer dann misstrauisch werden, wenn eine App Berechtigungen einfordert, die für das Funktionieren nicht notwendig sind. Eine Taschenlampen-App sollte zum Beispiel keine Standortdaten abfragen, für eine Navigations-App sind sie dagegen unerlässlich. Es ist außerdem immer auch eine persönliche Abwägung, welche Daten jemand bereit ist, preiszugeben. Teils kann man verschiedene App-Anbieter und ihren Umgang mit Daten vergleichen oder sich entscheiden, eine Anwendung nicht auf das Handy zu laden. Außerdem sollte man nur offizielle App-Stores nutzen.

Wie kann ich Apps nutzen und persönliche Daten schützen?

Man kann in den Einstellungen des Smartphones seine Apps verwalten und den Zugriff der Anbieter teils einschränken - zum Beispiel, dass Berechtigungen nur dann gelten, wenn die App auch tatsächlich genutzt wird. Wer darauf nicht vertrauen will, kann Standortdienste wie GPS, WLAN und Bluetooth gezielt nur dann einschalten, wenn er oder sie zum Beispiel eine Navigations-App nutzen möchte. Wer nicht getrackt werden will, kann auch den Flugmodus nutzen - allerdings ist man während dieser Zeit dann auch nicht telefonisch erreichbar und kann nicht im Internet surfen.

Wie kann ich unerwünschte Werbung verhindern?

Es ist möglich, die so genannte "Mobile Advertising ID" auf dem eigenen Smartphone zurückzusetzen oder zu löschen. Dabei handelt es sich um eine Kennziffer, mit der konkrete Handys identifiziert werden können und die für personalisierte Werbung genutzt wird, vergleichbar mit Cookies. Das führt zwar nicht dazu, dass keinerlei Werbung mehr angezeigt würde - sie kann aber nicht mehr so leicht personalisiert werden. Die Werbe-ID lässt sich sowohl auf Apple-Geräten unter dem Betriebssystem iOS als auch unter Googles Android zurücksetzen oder löschen.

Bei Android-Geräten muss man in den Einstellungen die Google-Dienste aufrufen und unter "Alle Dienste" im Bereich "Datenschutz und Sicherheit" den Punkt "Werbung" auswählen. Hier lässt sich die ID zurücksetzen. Dann wird allerdings direkt eine neue ID erzeugt. Die Werbe-ID lässt sich aber auch komplett löschen, um keine personalisierte Werbung mehr angezeigt zu bekommen. Bei Apple-Geräten ruft man die iOS-Systemeinstellungen auf und hier den Punkt "Apple-Werbung".

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