Vom Besenhändler zum Global Player: Arbeitshosen von Engelbert Strauss sind seit Jahren Bestseller für Profis und Heimhandwerker. Mittlerweile werden die Produkte auch in der Freizeit getragen, sogar in Kindergärten und Grundschulen ist die Marke bekannt.
Aus einem kleinen mittelständischen Unternehmen, das mit dem Handel von Besen begann, ist eine globale Textilmarke geworden. Das Strauss-Logo findet sich in Fußballstadien und der amerikanischen Baseball-Liga.
Zusammen mit Checkern aus Landwirtschaft und Handwerk wollen wir herausfinden: Wie gut sind die Produkte - von der Arbeitshose bis zum Akkuschrauber? Welche Marketingstrategie zeichnet für diesen Erfolg? Warum liegt diese Marke so im Trend? Und: Unter welchen Arbeitsbedingungen werden die Produkte hergestellt?
Engelbert Strauss: Vom Workwear-Pionier zur Lifestyle-Marke
Engelbert Strauss - oder auch nur Strauss, wie sich die Firma seit diesem Jahr nennt - ist nicht nur eine der bekanntesten Marken für Arbeitskleidung in Deutschland, sondern hat sich auch einen Platz im Alltag vieler Menschen insbesondere im ländlichen Raum erobert.
Doch wie gut sind die Produkte wirklich? In einem umfassenden Test wurden Arbeitshosen und Sicherheitsschuhe, aber auch Elektrowerkzeuge auf Herz und Nieren geprüft.
Das Ergebnis: Während die Kleidung überzeugt, zeigen sich bei anderen Produkten Schwächen.
Sicherheitsschuhe: Sneaker mit Schutzkappe
Engelbert Strauss hat es geschafft, Sicherheitsschuhe zu entwickeln, die nicht nur robust, sondern auch alltagstauglich sind. Von außen erinnern einige Modelle eher an modische Sneaker als an klassische Arbeitsschuhe.
In einem Test mit Verbrauchern zeigte sich, dass die Optik täuschen kann: Viele hielten die Schuhe für normale Freizeitschuhe, waren überrascht, als sie die integrierte Schutzkappe und die rutschfeste Spezialsohle entdeckten.
„Beim Sneaker würde man ja nicht unbedingt denken, dass das ein Sicherheitsschuh ist“, meinte ein Befragter. Diese Verbindung von Design und Funktionalität ist Teil der neuen Strategie von Engelbert Strauss. „Workwear, die man im Alltag tragen kann und möchte, gab es in dieser Form früher nicht“, erklärt Professor Peter Schmies von der Akademie für Mode und Design.
Im hausinternen Härtetest bei Strauss müssen die Sicherheitsschuhe ihre Belastbarkeit unter Beweis stellen. Eine genormte Modelliermasse simulierte den Fuß, während ein 20-Kilogramm-Hammer aus einem Meter Höhe auf die Schuhe fiel.
Das Ergebnis: Die carbonfaserverstärkte Kunststoffkappe hielt stand, und auch ein Nagel drang erst bei einer Belastung von 150 Kilogramm durch die Sohle. Die Schuhe bestanden den Test und sind somit für den harten Arbeitsalltag geeignet.
Aushängeschild Arbeitshose
Die Arbeitshose ist das Aushängeschild von Engelbert Strauss. Henning Strauss, CEO des Familienunternehmens, beschreibt sie gerne als „tragbaren Werkzeugkasten“. Doch hält sie, was sie verspricht?
Gemeinsam mit der Landjugend aus dem Wonnegau in Rheinhessen werden vier Hosen – von Lidl, Obi, Würth und Strauss – auf Herz und Nieren geprüft. Preislich gibt es große Unterschiede von knapp 13 Euro bis 77 Euro. Teuer gegen günstig.
Erster Check: Stauraum
Die Strauss-Hose überzeugt: Mit 18 Werkzeugen bietet sie den meisten Platz. Dicht gefolgt von der Modyf von Würth: hier haben 16 Werkzeuge Platz.
Konkurrenten wie Lidl mit 15 Werkzeugen und Obi mit 14 Werkzeugen können da nicht ganz mithalten.
Zweiter Check: Feuchtigkeit
Alle getesteten Hosen hielten Spritzwasser stand – ein Plus für den Alltag.
Dritter Check: Funkenflug
Hier enttäuschte die Strauss-Hose. Beim Test im Funkenregen eines Winkelschleifers wurde der Stoff so stark beschädigt, dass ein Loch entstand.
Allerdings waren auch die anderen Hosen nicht in einem wesentlichen besseren Zustand. Textil-Experte Professor Lutz Vossebein von der Hochschule Niederrhein sagt dazu: „Grundsätzlich sind die Hosen nicht so zertifiziert und wenn man sie dafür einsetzt, da muss man eben damit rechnen, dass sie sofort zerstört sind.“
Für solche Einsätze gebe es spezielle “Flammen hemmende Schutzausrüstung”, schreibt Strauss dazu auf Nachfrage.
Vierter Check: Reißfestigkeit
Die Strauss-Hose überzeugte: Mit ihr ließ sich ein 2,8 Tonnen schwerer Traktor abschleppen. Auch die Modelle von Obi und Würth bestanden diesen Test, während die Lidl-Hose scheiterte: Sie riss an der Schrittnaht komplett durch.
Fünfter Check: der Labor-Check – Qualität unter der Lupe
Im Labor wurden die Hosen nach DIN-Normen geprüft. Nach zehn Waschgängen zeigte die Lidl-Hose deutliche Schwächen: Sie schrumpfte um sieben Zentimeter.
Auch in der Scheuerprüfung schnitt sie schlechter ab als die Konkurrenz: In einer speziellen Apparatur wurde der Stoff im Labor so belastet, als würde man Tausende Male mit der Hose über einen Boden robben. Unter dem Mikroskop sind die Unterschiede deutlich.
„Auf der rechten Seite haben wir die Hose von Lidl. Da sieht man Brüche in den Fasern und man muss dazu sagen, dass dieses Bild schon nach 20.000 Touren entstanden ist. Das heißt, es ist deutlich weniger gescheuert worden und es ist deutlich größer beschädigt worden,“ erklärt der Textil-Experte Professor Lutz Vossebein von der Hochschule Niederrhein.
Die Hosen von Würth und Obi überstehen den Test wie der Strauss-Stoff ohne Probleme. Professor Vossebein resümiert: „Gewonnen hat für mich die Hose von Strauß, auch wenn sie über dreimal so teuer war wie die günstige Hose. (...) Ich könnte ja jetzt argumentieren: Gut, dann kaufe ich mir drei Hosen von Lidl und habe dann genauso lange was wie von meiner Strauss Hose. Aber ich habe auch dreimal so viel Ressourcen verbraucht, dreimal so viel Material verbraucht.“
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Werkzeuge im Test: Akkuschrauber enttäuscht
Neben Kleidung bietet Engelbert Strauss auch Elektrowerkzeuge an. Tischlermeister und Handwerksinfluencer Jonas Winkler testete für uns Akkubohrschrauber von Strauss, Bosch, Obi und Aldi.
Das Ergebnis: Das Strauss-Gerät enttäuschte. Er war schwer zu handhaben, zeigte Schwächen beim Schrauben und Bohren und hatte eine lange Ladezeit.
Fazit des Tischlermeisters: „Da würde ich empfehlen, macht lieber weiter Klamotten, das könnt ihr wahrscheinlich ganz gut. Akkuschrauber das war nix.“
Was sagt Firmenchef Henning Strauss zu diesem enttäuschenden Ergebnis? „Wir sind für jedes Feedback sehr offen. Davon lebt ja auch unser Erfolg, dass wir direkt am Kunden sind. Und bei so vielen Produkten, die wir seit Jahren im Sortiment führen, gibt es immer Verbesserungsmöglichkeiten. Insofern sind wie für jeden Kontaktpunkt und jeden Austausch auch mit dem Kunden dankbar.“
Sieger in dieser Stichprobe waren die Akkubohrschrauber von Bosch und der Aldi-Eigenmarke Ferrex.
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Preis-Check: Überraschungen im Onlineshop
Im Onlineshop verkauft Strauss auch Zubehör wie Schrauben, Silikon, Kreppband oder Kehrgarnituren. Und Strauss punktet dabei mit günstigen Preisen. Teilweise waren sie zum Zeitpunkt der Stichprobe sogar günstiger als beim Versandriesen Amazon und beim Baumarkt Obi.
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Doch die Preisgestaltung für Kleidung bei Strauss sorgte im Internet für Verwirrung bei Nutzern: Auf der Übersichtsseite wurden Mengenrabatte angezeigt, die – höheren – Einzelpreise waren erst auf der Produktseite ersichtlich.
Kunden empfanden dies als „irreführend“. Inzwischen wurde die Darstellung auf den Internetseiten angepasst.
Vom Besen zum Milliarden-Umsatz: die Geschichte von Engelbert Strauss
Die Erfolgsgeschichte begann bescheiden. Engelbert Strauss war gemeinsam mit seinem Vater und Bruder als fahrender Händler in Deutschland unterwegs. Im Sortiment: Besen und Bürsten.
Im Jahr 1948 gründete Engelbert Strauss dann sein eigenes Unternehmen und begann damit, selbst Produkte herzustellen.
In den 1970er-Jahren setzte sein Sohn Norbert Strauss auf Arbeitskleidung und Arbeitsschutzprodukte – ein Meilenstein für die Marke.
Anfang der 2000er Jahre übernahmen die Brüder Steffen und Henning Strauss die Leitung des Familienunternehmens aus Biebergemünd in Hessen und führten es in eine neue Ära.
Mit innovativen Designs und geschicktem Marketing machten sie Engelbert Strauss zu einer weltweit bekannten Marke. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit rund 1.700 Mitarbeitende und erzielte 2024 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro.
Made in Bangladesh und China
Engelbert Strauss lässt einen Großteil seiner Produkte in Asien fertigen. Über 90 Prozent der Arbeitskleidung stammen nach eigenen Angaben von dort.
Bangladesh und China sind dabei die wichtigsten Produktionsstandorte. In Asien arbeitet Strauss mit knapp 60 Betrieben zusammen.
In Bangladesh unterhält Strauss eine eigene Produktionsstätte. Daneben gehören Vietnam, Laos, Myanmar und die Türkei zu den wichtigen Produktionsländern. Insgesamt sind es 28 Länder weltweit, laut Sozialbericht 2023.
Schuhfabrik in Deutschland: Fertigung im Spessart
Eine Schuhfabrik betreibt Engelbert Strauss jedoch in Biebergemünd im Spessart. Hier entstehen täglich rund 500 Paar Schuhe – die Sohle wird vor Ort hergestellt, der Schaft aus Kambodscha geliefert.
Expansion in den USA
Die Strauss-Brüder haben in den vergangenen Jahren eine eigene Handelsgesellschaft in den USA gegründet mit derzeit einem Ladengeschäft in Los Angeles. Beim Los Angeles Football Club tritt sie seit Kurzem als Sponsor auf.
Das Unternehmen selbst spricht von einer „strategischen Expansion“ in Amerika.
Sportmarketing und Image im ländlichen Raum
Strauss investiert immens in Sportmarketing: Banden-Werbung bei Spielen der deutschen Fußballnationalmannschaft, in den USA in der Major League Baseball und beim mehrfachen Super-Bowl-Gewinner im Football, den Kansas City Chiefs.
„Alles Marken, die im internationalen Vergleich an der Spitze stehen, an der Spitze ihrer Sportart. Und genau dort sieht Strauss sich auch“, sagt Professorin Katharina Klug, Konsum-Psychologin an der Hochschule Ansbach.
Parallel dazu arbeitet Strauss an seinem Image als Kultmarke auf dem Land. Dort ist Strauss wesentlich bekannter als in Großstädten: In einer kleinen Umfrage kennen auf dem Land 9 von 10 Befragten das Strauss-Logo, in der Großstadt wusste das nur einer von 10.
Strauss sei in ein bisher unentdecktes Marktsegment gestoßen, sagt Professorin Klug. Im ländlichen Bereich verschwimme Arbeits- und Freizeitleben mitunter. Die Marke sei wie eine Uniform, die Zugehörigkeit signalisiere.
„Das ist also nicht die Marke, die der Papa trägt, die irgendwann uncool wird. Sondern das Markenmanagement ist schon auch darauf ausgerichtet, cool zu sein, cool zu bleiben - und quasi mitzuwachsen von den ganz Kleinen bis hin zum Opa“, erklärt Professorin Klug.
Wie nachhaltig ist Engelbert Strauss?
Engelbert Strauss engagiert sich für faire Arbeitsbedingungen in Bangladesh. Von 15 Betrieben dort - laut Sozialbericht 2023 - betreibt das Unternehmen eine Produktionsstätte dort selbst.
„Sie haben dort eine eigene Fabrik, die sehr eng mit der Fabrik in Deutschland zusammenarbeitet, und haben eine Hochschulkooperation ins Leben gerufen - einen Lehrstuhl für Nachhaltigkeit und Textile Innovation. Ein Engagement, was ich so bei anderen nicht gefunden habe“, lobt Christiane Baum von der Christlichen Initiative Romero.
Allerdings gibt es auch Kritik in puncto Nachhaltigkeit: Die Arbeitshosen bestehen aus Mischgewebe, zum Beispiel aus Baumwolle, Polyester und Nylon. Das sei schwer zu recyceln.
Zudem bietet Strauss keinen Reparaturservice an. Das Unternehmen plant aber Reparatursets, um Müll und CO² zu reduzieren.
„Langlebigkeit ist ein guter Ansatz, aber die Materialzusammensetzung bleibt problematisch“, erklärt Viola Wohlgemuth von Fashion Revolution Germany dazu.
Fazit: Marke mit hoch gesteckten Zielen - und Schwächen
Engelbert Strauss überzeugt mit langlebigen und funktionalen Arbeitshosen sowie robusten Sicherheitsschuhen.
Schwächen zeigen sich bei Elektrowerkzeugen und der Recyclingfähigkeit der Textilien.
Die Marke ist ein Vorreiter in der Branche für Arbeitskleidung, die sich zunehmend auch als Lifestyle-Marke etablieren will – auch und gerade im ländlichen Raum. In den USA will das Unternehmen weiter wachsen.