Keine Fußball-Weltmeisterschaft ohne Deutschland-Trikot. Doch das ist teuer: 150 Euro kostet die Spieler-Version des offiziellen Ausstatters Adidas, 100 Euro das Fan-Trikot.
Laut Branchenexperte Dr. Peter Rohlmann, PR Marketing, belaufen sich die Herstellungskosten dabei nur auf rund 11,30 Euro. Hinzu kommen die DFB-Lizenzgebühr, Steuern, Werbe- und Vertriebskosten - sowie der Gewinn für Hersteller und Einzelhandel.
Das Interesse an billigen Trikots ist dementsprechend hoch. Aber was kriegt man, wenn man ein Nationaltrikot viel günstiger online bestellt?
Vier WM-Trikots – von billig bis teuer - im Test
Vier WM-Trikots unterschiedlicher Hersteller, darunter auch das Original, landen auf dem Zuschneidetisch von Textilexperten der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft, außerdem im Labor zur Schadstoffanalyse - und auf dem Fußballplatz: Die Spieler des Friedenauer TSC machen den Härtetest mit den Shirts.
Im Check: das „Adidas Authentic DFB Spieler Shirt“ für 150 Euro, das „Adidas DFB Fan-Shirt“ für 100 Euro, das „WM-Fan-Shirt“ von HeatFactory24 für 66,05 Euro - bestellt auf der Plattform Temu - und das „WM-Spieler-Trikot“ von Footballking für 20,45 Euro. Angeblich alles Originale. Wie das bei diesen Preisen sein kann, fragt die ARD-Verbraucherredaktion die Anbieter der günstigeren Trikots - und bekommt keine Antwort.
Welches Trikot überzeugt auf dem Fußballplatz?
Enzo, Paul, Matti und Bruno - die "Test-Spieler" der zweiten Herrenmannschaft des TSC Friedenau - finden auf den ersten Blick wenige Unterschiede zwischen den einzelnen Trikots. Die Stoffe fühlen sich ähnlich an, die Nähte scheinen bei zwei Shirts hochwertiger. Kleine Abweichungen gibt es beim Design, teilweise sitzt der Kragen etwas zu tief.
Ein richtiger Unterschied fällt erst beim Training auf: Während das eine Trikot den Schweiß direkt absorbiert und leicht bleibt, fängt ein anderes schon an, unangenehm zu riechen.
Doch abgesehen vom Geruch bestehen alle Trikots den Test auf dem Platz. Und noch mehr: "Ich würde beim Tragen nicht erkennen, dass das Fake ist", so das Urteil eines Spielers.
Auf den ersten Blick gleich, doch Unterschiede in den Details
Die Textil-Experten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin bestätigen den ersten Eindruck der Spieler. Für den Laien seien die Nachahmungen schwer von den Originalen zu unterscheiden.
Lediglich kleine Details in der Verarbeitung weisen laut Jörn Bätz, Laboringenieur, auf eine schlechtere Qualität hin. Nahteinschläge oder Unregelmäßigkeiten an den Armabschlüssen etwa.
Auch unterschiedliche Naht-Farben fallen laut Professorin Ulrike Reinhardt auf. Die günstigeren Shirts seien komplett mit weißer Farbe genäht, wohingegen die teureren an den farbigen Stellen auch die entsprechenden Nähte hätten.
Nach 20 Wäschen zeigen sich erste Schwachstellen – bei allen Trikots
Die Experten für Bekleidungstechnik prüfen auch Trikots, die 20 Wäschen hinter sich haben. Bei den Günstig-Trikots lässt sich deutlich erkennen, wie die Farbe ausblutet. Auch die Applikationen, etwa die WM-Sterne des DFB-Logos, lösen sich teilweise an den Spitzen vom Stoff – bei den günstigen Modellen stärker, allerdings auch bei den teuren.
Dazu schreibt Adidas auf Anfrage, dass man Qualität sehr ernst nehme. "Alle unsere Produkte, einschließlich dieser Trikots, durchlaufen einen strengen Testprozess, und derartige Vorfälle sind sehr selten."
Fußball-Trikots: Wie erkenne ich Original und Kopie?
Aber worauf können Kunden beim Kauf achten, um ein Original-Trikot von einer möglichen Kopie zu unterscheiden? Für Bätz ist das wichtigste Merkmal der Druck: Wenn man den Originaldruck kennt, könne man hier am ehesten Unterschiede feststellen. Ebenso bei den Aufnähern, die der Original-Trikots sind sauberer gearbeitet.
Und: Der Hologramm-Sticker des DFB auf dem Preisschild fehlt bei den Billig-Produkten. Es handelt sich also wahrscheinlich um Fälschungen. Adidas empfiehlt, Trikots nur direkt bei ihnen oder bei vertrauenswürdigen Händlern zu kaufen.
Nicht nur mangelnde Qualität und Schadstoffbelastung kann bei anderen Händlern ein Problem sein. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt, dass viele Onlineshops für Fußballtrikots Fakeshops sind. Hier spare man zwar kurzfristig - trage aber das volle Risiko. Gewährleistungsansprüche seien kaum durchsetzbar, und Rückgaben oder Erstattungen in der Regel nicht möglich.
Überraschendes Ergebnis in der Labor-Analyse
Bleibt die Frage nach der Schadstoffbelastung der Shirts im Test. Sind sie gesundheitlich unbedenklich? Bei einer Laboranalyse wurden alle vier Produkte auf Gefahrenstoffe wie Formaldehyd, Arsen oder Weichmacher untersucht.
Das Ergebnis: Es wurden keine Schadstoffe über den gesetzlichen Parametern festgestellt. Auch bei den Billig-Trikots werden in dieser Hinsicht also gewisse Qualitätsstandards eingehalten.
Welches Trikot würden die Amateurfußballer nehmen?
Aber wie entscheidet sich der Fan - und würden die vier Spieler des Friedenauer TSC 100 oder sogar 150 Euro für das Original-Trikot von Adidas ausgeben? Eher nicht, so antworten sie einstimmig. Die Unterschiede im Tragekomfort seien dann doch eher gering - und ob sie nun ein Nachahmer-Produkt tragen oder das Original, sei für sie persönlich nicht ausschlaggebend - dann schon eher der Preis.
Das Fazit von Bekleidungstechniker Bätz zur Qualität der billigen Trikots: "In Ordnung." Da es kein Teil sei, das man jeden Tag trage, halte er die Qualität für völlig ausreichend.
Wichtig für die Hobby-Fußballer und alle anderen Käufer: Wer in Deutschland privat ein nachgemachtes Produkt kauft, macht sich nicht strafbar. Aber man unterstützt illegale Produktpiraterie.