Urlaub, lange Autobahnfahrt – und irgendwann führt kein Weg mehr an der Raststätte vorbei. Doch wer an den bewirtschafteten Rastanlagen von Tank & Rast stoppt, zahlt für ein grundlegendes Bedürfnis: den Toilettengang.
Sanifair hat sich dabei als Standard etabliert: 1 Euro für den Zugang, dafür gibt es einen Wertbon. Der kann im Shop oder Restaurant eingelöst werden – allerdings und nur pro Produkt ein Bon. Und oft nicht im Wert von 70 Cent. Viele Reisende empfinden den Preis als zu hoch, vor allem Vielfahrer wie Lkw-Fahrer, die mehrmals täglich halten müssen.
Monopol, hohe Preise und liegengebliebene Bons
Der ADAC kritisiert die fast monopolartige Stellung von Sanifair: Wo Wettbewerb fehle, gäbe es auch keinen Preisdruck. Die Folge seien: Hohe Preise in Shop und Gastronomie – oft so hoch, dass sich der Sanifair-Gutschein für viele nicht lohnen würde.
Zudem kann mittlerweile pro Produkt nur ein Bon eingelöst werden. Gerade Familien fahren so mit mehreren Wertbons los – und geben sie am Ende gar nicht ab. Viele Gutscheine würden direkt in den Müll wandern.
Sanifair-Versprechen: Sauberkeit gegen Gebühr
Zumindest erwarten Nutzer aber eins: Die Toilette muss sauber sein. Sanifair wirbt mit hohen Hygienestandards und regelmäßiger Reinigung.
Um zu prüfen, ob die Realität diesem Versprechen standhält, haben wir entlang einer der meistbefahrenen Strecken Deutschlands – von Köln über die A3, weiter über die A61 Richtung Mainz – acht Raststätten mit Sanifair-Anlagen genauer untersucht.
Der Hygiene-Check: Proben an acht Raststätten
An jeder Sanifair-Toilette wurden sogenannte Abklatschproben genommen – insgesamt 40 Stück. Getestet wurden:
- Toilettensitze
- Türklinken
- berührungslose Papierspender
Die Proben kamen auf spezielle Nährböden, um sowohl die Gesamtkeimzahl als auch die Darmbakterien (Fäkalkeime) zu erfassen.
Anschließend wurden die Proben in einem zertifizierten Labor ausgewertet und später an der Hochschule Furtwangen von Mikrobiologe Prof. Markus Egert eingeordnet.
Der Redaktion wurden Aufnahmen von nicht funktionierenden Sanifair-Toilettensitz-Reinigungs -Systemen oder leeren Seifen- und Desinfektionsspendern zugespielt. Wir sehen Ähnliches bei den Probenentnahme auf den Raststätten.
Gute Nachricht: Keine Fäkalbakterien – aber teils viele Keime
Die Laboranalyse bringt zunächst Entspannung: In keiner der Proben wurden Fäkalbakterien gefunden. Akute Risiken für klassische Magen-Darm-Erkrankungen ließen sich damit nicht nachweisen.
Doch rund ein Viertel der Proben fiel auf – mit sehr hohen Keimzahlen. Hier geht es um Keime, die sich überall dort ansammeln, wo viele Menschen Oberflächen berühren. Oft mit unsauberen Händen.
Die Abklatschplatten „kamen an ihre Grenzen“, wie Prof. Egert erläutert. Das bedeutet: Auf einigen Oberflächen tummeln sich besonders viele Bakterien, die für Menschen mit geschwächtem Immunsystem problematisch sein können.
Besonders überraschend: Selbst an berührungslosen Papierspendern fanden sich sehr hohe Keimzahlen – teils über 200 koloniebildende Einheiten pro Platte. Eigentlich sollen diese Spender den Kontakt vermeiden. In der Praxis fassen viele Nutzende aus Ungeduld oder Unwissen doch hin – und verteilen Keime weiter.
Tank & Rast wehrt sich gegen Kritik
Mit den Laborbefunden konfrontiert, verweist Tank & Rast auf eigene Hygienechecks durch das SGS Institut Fresenius. Laut Unternehmen wurde an den geprüften Standorten keine bedenkliche Keimbelastung an Toilettensitzen, Türgriffen oder Papierspendern festgestellt. Die Angaben zu erhöhten Bakterienzahlen könne man „nicht nachvollziehen“.
Grundsätzlich verweist Tank & Rast auf hohe Hygienestandards und verspricht, defekte Einrichtungen innerhalb weniger Tage zu reparieren.
Was Reisende jetzt beachten sollten
Der Hygiene-Check zeigt: Sanifair-Toiletten sind zwar frei von Fäkalbakterien, aber teilweise deutlich mit Keimen belastet. Wer unterwegs ist, sollte einige einfache Hygieneregeln beachten:
- Oberflächen möglichst wenig berühren
- nach jedem Toilettengang gründlich Hände waschen
- nach dem Händewaschen unnötigen Kontakt mit Spendern und Flächen vermeiden
Denn gerade an Stellen, die eigentlich für mehr Hygiene sorgen sollen – wie Papierspender –, können sich Keime sammeln, die niemand freiwillig mit auf die Reise nehmen möchte.