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Mogelpackungen bei Fast Food: Ist in Pommes oder Softdrinks weniger drin?

Teure Pommes, mehr Eis als Tee und Kaffee, der mit Milch getreckt wird: Mit diesen Tricks verdienen Takeaway-Ketten extra – und so kann man sich schützen.

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Von Autor/in Maike Busse , Markt WDR

Fast Food-Ketten locken Millionen Deutsche in ihre Filialen. Doch was Kunden für ihr Geld bekommen, entspricht oft nicht den Erwartungen. Viele User posten die Missstände in den sozialen Medien wie TikTok oder YouTube. Wir haben uns die raffinierten Tricks der Branche genauer angeschaut.

Die Portions-Masche: Wenn "Mittel" zur Kostenfalle wird

Bei McDonald's kostet eine kleine Portion Pommes 2,00 Euro, eine mittlere je nach Standort 3,79 Euro – 90 Prozent mehr. Müsste da nicht auch fast doppelt so viel drin sein?

Laut McDonald's-Homepage sollen kleine Pommes 80 Gramm wiegen, mittlere 114 Gramm. Trotz fast doppeltem Preis gibt es also nur 43 Prozent mehr Inhalt. Unsere Testkäufe zeigten allerdings noch etwas anderes: Die kleine Portion enthielt nur um die 60 statt 80 Gramm, die mittlere weniger als 90 statt 114 Gramm.

McDonald's erklärt dazu auf Nachfrage:

Unsere Pommesportionen werden von Mitarbeitern nach optischen Gesichtspunkten befüllt und bei diesem Prozess können geringfügige Abweichungen auftreten.

Verbraucher-Tipp: Zwei kleine Portionen sind oft günstiger als eine mittlere.

Expertentipp: Marketing-Professor und Konsumentenforscher Peter Kenning von der Uni Düsseldorf erklärt den psychologischen Trick, warum Größe M trotz hoher Preise oft sehr beliebt ist: "Das ist der sogenannte Kompromisseffekt. Wir tendieren dazu, extreme Positionen zu vermeiden und wählen lieber die Mitte." Die These: Unternehmen nutzen diesen Effekt bewusst aus, um bei mittleren Portionen den höchsten Profit zu erzielen.

Die Verdünnungstaktik: Mehr Eis, weniger Getränk

Bei Starbucks kostet ein mittelgroßer Pfirsich-Eistee – je nach Standort - stolze 6,90 Euro, die große Version 7,40 Euro. Doch der Preisaufschlag von 50 Cent bringt kaum mehr Getränk – dafür deutlich mehr Eis.

Unsere Stichprobe ergab: In beiden Bechern war am Ende fast die gleiche Menge Getränk enthalten. Kunden zahlen also 50 Cent extra für mehr Eis.

"Je größer der Becher, desto mehr Eis kommt rein. Das ist das offene Geheimnis der Gastronomie", bestätigt uns ein Mitarbeiter aus der Gastronomie. In manchen Betrieben werde Mitarbeitern sogar Geld vom Lohn abgezogen, wenn sie zu wenig Eis verwenden.

Kaffee-Verdünnung

Auch beim Kaffee wird offenbar getrickst: Ein kleiner Caffè Latte "Tall" kostet in unserer Stichprobe bei Starbucks 4,90 Euro, der mittlere "Grande" 5,40 Euro, der große "Venti" 5,90 Euro. Doch während der kleine einen Kaffee-Shot enthält und der mittlere zwei Shots, bekommt man im großen Becher ebenfalls nur zwei Shots – der Rest wird mit Milch verdünnt. Das Mischverhältnis ändert sich also. Nur wissen das die meisten Kunden nicht. Einen dritten Shot müsste man erst aktiv anfordern - und der kostet 1 Euro extra.

Warum zahlen Kunden trotzdem?

Marketing-Experte Kenning erklärt: "Gerade bei jüngeren Menschen haben bestimmte Marken eine soziale Funktion. Sie vermitteln Anerkennung und internationale Ausstrahlung. Das erklärt, warum Menschen bereit sind, deutlich mehr zu bezahlen."

Die Strategie funktioniert: Fast Food-Unternehmen erzielten im vergangenen Jahr in Deutschland 35 Milliarden Euro Umsatz – ein Plus von 44 Prozent gegenüber vor fünf Jahren. Jeder Deutsche gibt inzwischen über 200 Euro jährlich für Fast Food aus.

Was können Verbraucher tun?

Professor Kenning rät zur Beschwerde: "Der allergrößte Teil der Kunden beschwert sich nicht. Dabei sollten Menschen aus der Rolle der Nicht-Beschwerdeführer herauskommen. Gute Unternehmen reagieren darauf und verbessern ihre Leistung."

Die Schrumpfmethode: Weniger Pizza als bestellt

Social Media-Nutzer berichten immer wieder von zu kleinen Pizzen. Die Stichprobe bei verschiedenen Pizza-Diensten ergab jedoch: Hier können Verbraucher meist nicht meckern. Die bestellten Größen stimmten überein.

Fazit

Genau hinschauen und hartnäckig sein lohnt sich. Die Tricks in der Fast Food-Branche sind ausgeklügelter und undurchsichtiger als gedacht.

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Maike Busse , Markt WDR