Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland wäscht bis zu sechsmal wöchentlich Kleidung. So kommen jährlich mehr als 600.000 Tonnen Waschmittel und 250.000 Tonnen Weichspüler und Wäschepflege zusammen. Das Angebot in Supermärkten, Discountern und Drogerien ist groß: Waschmittel, die auch hartnäckigste Flecken entfernen, mit einem Extra an Duftstoffen werben oder Spezialprodukte für Kurzwäsche, Sportkleidung, empfindliche Fasern und Farben sollen unsere Kleidung besonders rein, strahlend und frisch machen.
Jeder Produzent muss um seine Marktanteile kämpfen und versucht, uns mit immer neuen Werbeversprechen und verbesserten Wirkformeln zum Kauf seiner Produkte zu verleiten. Aber brauchen wir diese unzähligen Produkte überhaupt? Was steckt hinter den vollmundigen Werbeversprechen der Hersteller? Sind teure Waschmittel besser als die Eigenmarken von Discountern und Drogerien? Und wie gefährlich sind die Inhaltsstoffe von Waschmitteln und Weichspülern für uns und unsere Umwelt?
Doch nicht nur bei Wäscheprodukten wird getrickst – auch Waschmaschinen halten oft nicht, was Hersteller vollmundig versprechen.
Vollwaschmittel im Test: Teilweise mit enttäuschenden Ergebnissen!
Für unseren Labortest haben wir Vollwaschmittel von sechs Herstellern eingekauft – jeweils als Pulver, Flüssigwaschmittel und als Kapseln. Insgesamt vier Eigenmarken und zwei Markenprodukte wurden in der Öffentlichen Prüfstelle für das Textilwesen der Hochschule Niederrhein getestet:
- Tandil von ALDI
- Formil von LIDL
- domol von Rossmann
- Denkmit von dm
- Persil
- Ariel
Für unseren Test wurden sogenannte Fleckenmonitore genutzt – genormte Stoffstücke, die Verschmutzungen wie Lippenstift, Kaffee oder Blaubeeren simulieren und dadurch eine Vergleichbarkeit der Waschergebnisse sicherstellen. Alle Fleckenmonitore wurden einzeln mit den Testprodukten bei 30 Grad gewaschen. Das Ergebnis: Pulverförmige Waschmittel schnitten insgesamt am besten ab. Überraschungen gab es bei den Flüssigwaschmitteln: Hier schnitt Tandil von ALDI am besten ab.
Auch bei den Gelkapseln hatten die günstigeren Eigenmarken insgesamt die Nase vorn.
„Mittlerweile haben die Waschmittelhersteller der günstigeren Produkte gut aufgeholt. Man ist mit der Waschchemie inzwischen dort angekommen, was wirklich ein Top-Level ist. Da kann man nicht mehr so viele Unterschiede herauskitzeln“, erklärt Textiltechnologe Professor Lutz Vossebein hierzu.
Werbung: Halten Waschmittel, was Hersteller vollmundig versprechen?
Besonders bei Flüssigwaschmitteln übertreffen sich Hersteller häufig mit vermeintlichen Superlativen zur Wirkung ihres Produkts. Doch hinter den griffigen Werbeslogans steckt oft weniger Wirkung, als die Verpackung verspricht. Hersteller Coral wirbt beispielsweise damit, sein Kurzwaschmittel „Magic Wash“ sorge in nur 15 Minuten für strahlend saubere und frische Wäsche.
Rainer Stamminger, Professor für Haushaltstechnik an der Universität Bonn, bezweifelt, dass dreckige Kleidung in einem Waschgang von 15 Minuten tatsächlich sauber wird: „Zum Sauberkriegen brauchen wir Enzyme, die die Schmutzentfernung machen. Enzyme arbeiten, sobald sie gelöst auftreten – dann fangen sie an zu arbeiten. In 15 Minuten muss ich ja die Wäsche auch noch spülen. Das sind höchstens zwei bis drei Minuten, in denen die Enzyme wirken können. Da können die gar nicht viel erreichen.“
Unsere schriftliche Anfrage hierzu ließ Coral-Hersteller Unilever unbeantwortet.
Stiftung Warentest Vollwaschmittel: Billig macht die Wäsche sauber
Günstige Vollwaschmittel als Pulver sind nicht nur besser für den Geldbeutel, sondern liefern auch bessere Ergebnisse. Das hat eine Untersuchung der Stiftung Warentest ergeben.
Renew-Technologie von Perwoll: Funktioniert das wirklich?
Branchenführer Henkel bewirbt sein Feinwaschmittel Perwoll mit der „Dreifach-Renew-Technologie“. Nach nur zehn Wäschen soll die Farbe wie neu erstrahlen und Knötchen und Fussel verschwunden sein. Außerdem soll das Waschmittel schlechte Gerüche entfernen und die Kleidung wie neu duften lassen.
In einem Praxistests haben wir Perwoll Color Waschmittel ausprobiert und ein altes T-Shirt zehnmal nach Anleitung gewaschen. Das Ergebnis: Die Farbe des roten Shirts erschien zwar etwas intensiver, von dem Vorher-Nachher-Effekt, den Perwoll auf seiner Webseite darstellt, war unser Waschergebnis jedoch weit entfernt.
Das bestätigt auch Textiltechnologe Prof. Lutz Vossebein: „Eine Faser kann nicht erneuert werden. Die Enzyme des Waschmittels knabbern sozusagen die Enden der Textilfaser ab, dadurch erscheint die Struktur wieder glatter und die Lichtbrechung auf dem Kleidungsstück ist stärker. So erscheint die Farbe wieder etwas intensiver. Ein wirklicher Renew-Effekt ist dadurch aber nicht zu erzielen.“
Hersteller Henkel erklärt uns dazu schriftlich: „Alle unsere Werbeaussagen basieren auf Fakten und sind im Test reproduzierbar.“ Marketingberater Björn Held meint, Hersteller versuchten, mit solchen vollmundigen Wirkversprechen eine Produktnische auf dem hart umkämpften Waschmittelmarkt zu finden. Verbraucher sollten daher genau hinterfragen, ob sie diesen Werbeslogans Vertrauen schenken wollen.
Die Tricks mit Waschmittel, Weichspüler & Co.
Wir zeigen, wie dreist Waschmittelhersteller tricksen, um ihre Gewinne zu optimieren und was es wirklich für strahlend reine Wäsche braucht.
Duftstoffe in Waschmitteln und Weichspülern können Mensch und Natur schaden
Ein aktueller Trend auf dem Markt: Waschmittel, Weichspüler und Wäscheparfüms mit einem Extra an Duftstoffen. Was uns Verbrauchern ein angenehmes Dufterlebnis bescheren soll, kann unserer Haut jedoch schaden, kritisiert Toxikologin Dr. Marike Kolossa vom Umweltbundesamt. Denn mit jedem Kontakt mit einem Duftstoff wächst auch die Wahrscheinlichkeit, eine Allergie gegen einen oder mehrere Stoffe zu entwickeln.
Die Folge: Hautirritationen wie Juckreiz, Ausschläge und Rötungen, aber auch Atemwegsbeschwerden oder Kopfschmerzen. Hinzu kommt, dass die 3.200 bekannten Duftstoffe bisher nur unzureichend wissenschaftlich untersucht sind. Mit zunehmender Forschung würden von der EU auch immer mehr Stoffe als potenziell allergieauslösend eingestuft, so Kolossa.
Für Verbraucher sind Duftstoffe oft nur schwer zu erkennen. In der Liste der Inhaltsstoffe von Waschmitteln und Weichspülern müssen laut EU-Verordnung derzeit nur 82 Stoffe einzeln aufgeführt werden. Der Rest darf allgemein als „Duftstoff“ deklariert werden. Selbst Hinweise wie „dermatologisch getestet“ oder „hautärztlich geprüft“ geben keine Sicherheit, da diese Begriffe rechtlich nicht geschützt sind.
Auch in der Umwelt können sich Duftstoffe anreichern und Wasserorganismen gefährden. Denn diese Stoffe können in Klärwerken oft nur zu einem kleinen Teil abgebaut werden und gelangen so in unsere Gewässer.
Glyphosat aus Waschmitteln: Wie groß ist die Gefahr für die Umwelt?
Dass einige Inhaltsstoffe von Waschmitteln wie flüssige Kunststoffe, Füllstoffe oder Konservierungsmittel in Klärwerken nur zu einem kleinen Teil aus dem Abwasser gefiltert werden können und so in unsere Flüsse und Seen gelangen, ist schon länger bekannt. Jetzt haben Umweltwissenschaftler der Universität Tübingen aber noch einen weiteren Schadstoff in Oberflächengewässern entdeckt, der sich aus Waschmitteln bildet: Glyphosat.
Das Unkrautvernichtungsmittel wird hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt und gilt laut Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als wahrscheinlich krebserregend. Dass Glyphosat auch aus Waschmitteln entsteht, konnten Prof. Carolin Huhn und ihr Team nun in einer aufwändigen mehrjährigen Forschungsstudie nachweisen.
Viele Waschmittel enthalten das Phosphonat Diethylentriaminpentakis(methylenphosphonsäure) – kurz DTPMP. Der Stoff soll gegen Kalkbildung wirken, kann sich aber im Abwassersystem und im Filterprozess in Klärwerken zu Glyphosat abbauen, das dann im weiteren Verlauf in unsere Oberflächengewässer gelangt.
Eine direkte Gefahr für uns Menschen bestehe nach derzeitigem Forschungsstand zwar nicht, jedoch sei das Glyphosat für aquatische Lebewesen problematisch - etwa Bakterien, Algen und auch Fische. Bei Letzteren sehe man beispielsweise Effekte im Darm der Tiere, so Prof. Huhn. Die Umweltanalytikerin appelliert an die Hersteller von Waschmitteln, freiwillig auf das schädliche Phosphonat in ihren Produkten zu verzichten, denn eine strengere gesetzliche Regulierung des Stoffes durch die EU ist bis auf Weiteres nicht in Sicht.
Wer als Kunde den Stoff DTPMP meiden will, hat es schwer: Erst ab einer Konzentration von über 0,2 Gewichtprozent müssen Phosphonate als Inhaltsstoff auf der Verpackung gekennzeichnet werden. In den meisten Fällen müssen Verbraucher also direkt beim Hersteller erfragen, ob das schädliche DTPMP enthalten ist. Außerdem können sie auf Produkte mit bestimmten Bio-Siegeln wie Ecogarantie, EcoCert und NCP zurückgreifen. Diese haben strengere Umweltstandards als andere Öko-Label und schließen die Verwendung von Phosphonaten komplett aus.
Verwirrende Kilogramm-Angaben: Wie viel passt wirklich in die Waschmaschine?
Viele Verbraucher achten beim Kauf ihrer Waschmaschine darauf, wie viel Kilogramm Wäsche sie fasst. Ein Trend zu immer größeren Maschinen ist dabei deutlich erkennbar: Betrug die Trommelgröße Anfang der 2000er durchschnittlich noch etwas über fünf Kilo, so sind es heute mehr als acht Kilogramm. Die Nennkapazität der Waschmaschine müssen Hersteller auf dem EU-Energielabel angeben.
Elektroinstallateur und Schulungsleiter Thorsten Krix kritisiert jedoch, Hersteller könnten bei der Überprüfung der Kilogrammabgabe selbst bestimmen, welche Art von Wäsche sie dafür nehmen. Die Vorgabe der EU-Verordnung lautet lediglich, dass diese Wäschemenge im Eco-Modus 40-60 Grad gewaschen werden muss.
Die Hersteller wählten daher meist dünnes, aber schweres Gewebe, so Krix. Großvolumige Stoffe wie Frottee-Handtücher, die im Alltag in viel größerer Menge anfallen, würden nicht berücksichtigt. „So kann es sein, dass nur etwa vier Kilo Handtücher in eine angebliche 8-Kilo-Trommel passen“, erklärt Krix.
Unterschiedliche Gewichtsangaben bei gleicher Trommelgröße
Verwunderlich: Während unserer Recherche fällt uns auf, dass Hersteller zwei Modelle eines gleichen Fabrikats mit einer unterschiedlichen Kilogrammangabe anbieten – obwohl die Trommelgröße der beiden Modelle identisch ist. Im Internet finden wir zwei Geräte von Samsung. Hierbei handelt es sich anscheinend um dasselbe Fabrikat, jedoch einmal mit 8 Kilogramm Wäschemenge und einmal mit 9 Kilogramm. Wie kann das sein? Thorsten Krix erklärt, für Hersteller sei es wichtig, in jedem Kilosegment ein Modell anbieten zu können. Gleichzeitig sei es aber günstiger, die gleichen Geräteteile für alle Modelle zu verwenden.
Samsung erklärt uns schriftlich, die beiden Maschinen würden sich „… in der Hard- und Software unterscheiden.“ Ein kleiner Unterschied, der sich in der Alltagspraxis der Verbraucher aber kaum bemerkbar mache, meint Thorsten Krix.
Energielabel: Können sich Verbraucher auf die Angaben verlassen?
Uns fällt außerdem auf: Die 8-Kilo-Maschine von Samsung hat Energieeffizienzklasse „B“, die 9-Kilogramm-Maschine hingegen die Höchstklasse „A“. Bei der Berechnung der Energieeffizienz spielt die angegebene Wäschemenge nämlich eine entscheidende Rolle. „Die Energieeffizienz wird immer pro Kilogramm Wäsche berechnet. Das heißt, ich habe einen ähnlichen Wasser- und Energieverbrauch, aber bei der neun Kilo-Maschine ja ein Kilogramm Wäsche mehr drin. Das heißt, pro Kilo verbraucht diese Maschine weniger Energie“, erklärt Elektrofachmann Thorsten Krix.
Dabei könne die kleinere 8-Kilo-Maschine in bestimmten Waschprogrammen und bei bestimmter Wäschemenge sogar bessere Energiewerte erreichen und damit sparsamer waschen. Diese Tatsache wird auf dem EU-Energielabel aber nicht abgebildet, kritisiert Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe e.V.
Er fordert daher eine Anpassung der Prüfkriterien für die Vergabe des EU-Energielabels: „Für bestimmte Prüfzyklen muss ganz klar vorgegeben werden, wie viel an Nennmenge, das heißt an Kilogramm Wäsche, kommt in die Waschmaschine. Es darf nicht möglich sein, sich das selbst auszusuchen, das muss klar vordefiniert sein.“, so Fischer. Außerdem fordert Fischer, das Testverfahren mit unterschiedlichen Waschbeladungen und in unterschiedlichen Programmen durchzuführen. Nur so könne das Waschverhalten der Verbraucher realistisch abgebildet werden.
Die EU überprüft derzeit die geltenden Richtlinien zur Vergabe des Energielabels und will bis Ende 2025 eine Neubewertung der Kriterien vorlegen.