Volker Weicherding vom Landeskriminalamt Mainz aus dem Bereich Unfallprävention rät dazu, Fälle von Dränglern zur Anzeige zu bringen. Doch für die Beweisaufnahme gibt es einiges zu beachten.
Drängeln kann zu Unfällen führen
SWR1: Viele denken, ich fahre zwar dicht auf, aber ich habe alles immer noch im Griff. Wie gefährlich ist drängeln wirklich?
Volker Weicherding: Drängeln ist sehr gefährlich, weil ich dadurch den notwendigen Sicherheitsabstand nicht einhalte. Wenn der Vordermann bremsen müsste oder irgendwelche Hindernisse im Straßenverkehr auftreten, komme ich mit meinem eigenen Fahrzeug dadurch nicht mehr rechtzeitig zum Stehen und es kommt zum Unfall.
SWR1: Woran merkt man, dass jemand drängelt? Man sagt oft, wenn ich das Nummernschild nicht mehr im Rückspiegel sehen kann.
Weicherding: So sieht es aus. Dichtes Auffahren gehört zum Drängeln; das Betätigen der Lichthupe und der Hupe eventuell auch noch. Also sehr starkes und dichtes Auffahren sind Anzeichen für Drängeln im Straßenverkehr.
SWR1 RP und ADAC Mittelrhein machen die Straßen sicherer Aktion "Abstand halten rettet Leben"
Mit der Kampagne "Abstand halten rettet Leben" machen SWR1 Rheinland-Pfalz und der ADAC Mittelrhein auf die Risiken von Drängeln und fehlendem Sicherheitsabstand aufmerksam.
Faustregel für den richtigen Sicherheitsabstand
SWR1: Wie dicht kann man heranfahren?
Weicherding: Man sollte den nötigen Sicherheitsabstand einhalten. Das hängt von der jeweiligen, gefahrenen Geschwindigkeit ab. Auf der Autobahn und auf Landstraßen gilt die Faustformel "halber Tacho Abstand". Das heißt, bei Tempo 100 sollte man mindestens 50 Meter Sicherheitsabstand einhalten.
So verhaltet ihr euch bei Dränglern richtig
SWR1: Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und ich merke, hinter mir drängelt jemand. Wie verhalte ich mich am besten?
Weicherding: Grundsätzlich erstmal Ruhe bewahren und gelassen bleiben. Man lässt sich dadurch nicht provozieren, sondern man versucht, wenn möglich, sich gleich wieder rechts einzuordnen und einfach den Drängler passieren zu lassen. Es nutzt also hier nichts, verkehrserzieherische Alleinaktionen zu starten. Dadurch gefährdet man nur sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer.
Drängler bei der Polizei anzeigen
SWR1: Welche Möglichkeiten hat man, sich gegen Drängler zu wehren, ohne dass man riskant agiert?
Weicherding: Man fährt zur Seite, lässt den Drängler passieren, sollte dann aber gleich die Polizei informieren beziehungsweise eine Online-Anzeige machen. Dabei ist es wichtig, sich einige Dinge zu merken:
- den Ort und den Zeitpunkt, wo das Ganze geschehen ist.
- das Kennzeichen und die Automarke mit Farbe.
- eine Beschreibung des Fahrers.
Dann kann man eine Anzeige bei der Polizei machen, denn das ist wirklich kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Wir reden hier über Nötigung im Straßenverkehr und das sollte auch beanzeigt werden.
Das ist wirklich kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.
SWR1: Können Anzeigen von Verkehrsteilnehmern wirklich etwas bewirken?
Weicherding: Ja, die bewirken etwas. Und die bekommen auch eine Strafe. Jedoch muss das natürlich vor Gericht geprüft werden, weil durch den Drängler andere Aussagen stattfinden werden.
Es kann hier zu einer hohen Geldstrafe kommen, bis hin zu Fahrverboten und Freiheitsstrafe, wenn Nötigung nachgewiesen werden kann.
Zeugen für eine Anzeige merken
SWR1: Wie interessant ist es, in solchen Fällen eine Dashcam im Auto zu haben?
Weicherding: Dashcams sind in der Regel verboten, jedoch kann das Gericht auch Aufzeichnungen mittels einer Dashcam heranziehen. Vor allen Dingen dann, wenn es zu schweren Unfällen gekommen ist.
Es ist immer gut, wenn man Zeugen für den ganzen Vorfall hat. Deswegen ist es gut, wenn der Beifahrer Filmaufnahmen mit dem Handy macht oder man andere Verkehrsteilnehmer hat, die auch bedrängt worden sind. Solche Kennzeichen sollte man sich merken, sodass der Drängler dann zur Rechenschaft gezogen werden kann.