Unfallgefahr durch Unaufmerksamkeit

Ablenkung im Straßenverkehr: ADAC erklärt die unterschätzte Gefahr

Ablenkung gehört zu den häufigsten Gründen für Unfälle im Straßenverkehr. Laut dem ADAC reichen schon zwei Sekunden aus, um eine gefährliche Situation entstehen zu lassen.

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Stand

Kann man es mit einem Fahrsicherheitstraining schaffen, konzentrierter zu fahren? Wir haben darüber mit Christian Schmidt vom ADAC Mittelrhein gesprochen. Er ist dort Leiter der Abteilung Mobilität und Umwelt.

55 Meter Strecke durch zwei Sekunden Ablenkung

SWR1: Zwei Sekunden nicht auf die Straße gucken klingt eher nach einem kurzen Moment. Was passiert in dieser Zeit bei Tempo 100?

Christian Schmidt: Da kann echt einiges passieren. Bei 100 km/h legt man innerhalb von zwei Sekunden gute 55 Meter zurück. Das ist der Abstand zwischen zwei Leitpfosten und das ist ganz schön viel.

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SWR1: Wie verändern sich Reaktionszeit und Bremsweg, wenn wir uns ablenken lassen?

Schmidt: Um von 100 km/h aus zu bremsen, benötigt ein Auto rund 35 Meter, also hat einen relativ kurzen Bremsweg. Aber mit Reaktionszeit und Ablenkungszeit wird dieser Weg durchaus länger. Eine Sekunde braucht man, um zu reagieren, um auf die Bremse zu treten und eine Vollbremsung einzuleiten. Der Bremsweg beträgt auch wieder 28 bis 30 Meter.

Dann kommen noch die zwei Sekunden Ablenkung dazu – gut 60 Meter – und am Ende haben wir 120 Meter bis das Auto tatsächlich steht. 120 Meter ist wahnsinnig lang und da kann auch wieder einiges geschehen auf diesem Weg dorthin.

Viele Ablenkungen im Straßenverkehr

SWR1: Wovon lassen wir Autofahrer uns am häufigsten ablenken?

Schmidt: Das Smartphone ist ein ganz häufiges Mittel zum Ablenken. Ob Messenger-Dienste oder Telefonie oder einfach nur ein "Ding", was einfach kommt. Also Töne am besten ausstellen. Die Fahrzeugbedienung ist aber auch nicht gerade ablenkungshindernd.

SWR1: Wollte ich gerade sagen. Diese Touchscreens werden ja immer größer.

Schmidt: Genau, also hier lieber vor der Fahrt die Route eingeben, die Einstellungen machen für Klimaanlage und ähnliches. Zugleich sind aber auch die Stimmeingaben, also Spracheingaben bei den Fahrzeugen mittlerweile sehr gut. Die muss man besser nutzen, als dass man sich in irgendeinem Untermenü verheddert und nicht die Augen für die Straße hat, denn so soll es nicht sein.

SWR1: Der Blick aufs Handy oder nach hinten zum Kind ist während der Fahrt schon sehr verlockend. Wie schaffen wir es, uns beim Fahren eben nicht ablenken zu lassen?

Schmidt: Ich erinnere mich da dran – das Kind auf der Rücksitzbank hat den Schnuller verloren, ist am Schreien. Dann lieber in aller Ruhe bei der nächstmöglichen Gelegenheit rausfahren und den Schnuller nochmal dem Kind zur Verfügung stellen und dann ist alles wieder gut. Und immer locker bleiben und dann ist auch alles gut.

Christian Schmidt vom ADAC: Fahrsicherheitstraining schärft die Sinne

SWR1: Hilft da ein Fahrsicherheitstraining, konzentrierter und entspannter zu fahren?

Schmidt: Ja, ganz klar. Hier erlebt man Situationen, wo man schnell mal außer Kontrolle unterwegs sein wird. Bei denen etwa das Auto schleudert, wenn ein Hindernis plötzlich auftaucht.

Wenn man das alles mal erlebt hat, schärft man seine Sinne. Man macht sich über die potenzielle Gefährdung, die man für einen selbst oder auch für andere hat, bewusst und schenkt somit auch dem Verkehrsraum künftig mehr Achtung.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Steffi Stronczyk
SWR1 RP Moderatorin Steffi Strinczyk
Michael Lueg
Michael Lueg
Interview mit
Christian Schmidt, ADAC Mittelrhein
Onlinefassung
SWR1