Warum Jacken überhaupt imprägniert sind
Fast alle Outdoor-Textilien besitzen auf der Außenseite eine sogenannte DWR-Beschichtung, das steht für Durable Water Repellent. Diese feine Imprägnierung sorgt dafür, dass Wassertropfen abperlen, anstatt in den Stoff einzudringen. Mit der Zeit, durch Schmutz, Körperfette oder häufiges Waschen verliert die Beschichtung jedoch ihre Wirkung. Das Ergebnis: Die Jacke „nässt durch“, wirkt klamm und schwer, obwohl die Membran darunter eigentlich noch dicht ist.
Erst reinigen, dann prüfen
Bevor Sie zur Imprägnierung greifen, lohnt sich ein einfacher Test:
1. Jacke waschen - mit speziellem Funktionswaschmittel, ohne Weichspüler.
2. Reißverschlüsse schließen, Klettflächen sichern, gut ausspülen.
3. Anschließend in den Trockner (15-20 Minuten bei niedriger Temperatur) oder warm überbügeln, ohne Dampf, mit einem Tuch dazwischen.
Diese Wärme aktiviert die noch vorhandene Beschichtung oft wieder. Danach einfach ein paar Wassertropfen auf den Stoff geben: Wenn sie abperlen, ist keine neue Imprägnierung nötig. Wenn das Wasser sofort einzieht, lohnt sich ein Nachbehandeln.
Wann und wie imprägnieren sinnvoll ist
Wenn die wasserabweisende Schicht endgültig abgenutzt ist, kann sie mit einem geeigneten Produkt erneuert werden. Wichtig dabei:
- Achten Sie auf PFAS-freie Imprägnierungen. PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind langlebige Chemikalien, die sich in der Umwelt kaum abbauen. Fluorfreie Alternativen sind heute fast ebenso wirksam, besonders bei normalem Regenwetter.
- Am besten sprühen, nicht einwaschen. Sprühimprägnierungen werden nur außen aufgetragen, sodass das Innenfutter atmungsaktiv bleibt.
Tipp: Draußen oder bei geöffnetem Fenster sprühen, 30 cm Abstand halten und danach die Jacke kurz im Trockner oder unter warmer Luft „aktivieren“.
- Weniger ist mehr. Eine dünne, gleichmäßige Schicht reicht völlig aus. Zu viel Spray kann die Atmungsaktivität einschränken.
Einwasch-Imprägnierung praktisch, aber nicht für alles
Für Softshell- oder Fleecejacken sind sogenannte Wash-in-Imprägnierungen durchaus geeignet. Sie werden direkt ins Weichspülerfach der Waschmaschine gegeben und verteilen sich gleichmäßig im Stoff. Bei Hardshelljacken mit Membran (z. B. Gore-Tex® oder Sympatex®) sollte man darauf verzichten, da sonst auch die Innenseite wasserabweisend wird - die Jacke würde dann schlechter „atmen“.
Kurz gesagt:
- Wash-in: gut für Softshell, Fleece, Baumwollmischungen.
- Spray: besser für Membranjacken und Regenbekleidung.
Der Umwelt zuliebe
Klassische Imprägnierungen mit Fluorverbindungen stehen schon lange in der Kritik. Sie enthalten PFAS, sogenannte „Ewigkeitschemikalien“, die über Abwasser und Luft in die Umwelt gelangen und dort kaum abgebaut werden. Die EU plant eine umfassende Einschränkung dieser Stoffgruppe. Viele Hersteller sind daher bereits auf fluorfreie Rezepturen umgestiegen.
Für Verbraucher:innen gilt:
- Produkte mit Kennzeichnungen wie „PFAS-frei“, „PFC-frei“ oder „fluorfrei“ bevorzugen.
- Alte Sprays verantwortungsvoll im Sondermüll entsorgen.
- Kleidung lange nutzen, regelmäßig reinigen und pflegen - das spart Ressourcen und Geld.
Fazit: Pflegen statt überimprägnieren. In den meisten Fällen reicht Waschen und Wärme, um die wasserabweisende Funktion wiederzubeleben. Erst wenn das Wasser nicht mehr abperlt, sollte neu imprägniert werden. Am besten gezielt, sparsam und PFAS-frei. So bleiben Sie trocken, Ihre Jacke hält länger und die Umwelt dankt es Ihnen.
Im Studio: Lea Spraul, SWR Umwelt und Wirtschaft
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