Tobias Wicke baut in Hochstadt in der Pfalz Obst an. Doch seit einigen Jahren werden immer wieder Früchte von seinem Grundstück geklaut. Wicke und seine Frau haben daraufhin Wildkameras aufgestellt, die bei jeder Bewegung auslösen. Mithilfe der Bilder konnte eine Person inzwischen identifiziert werden. Doch damit ist das Problem längst nicht gelöst.
Im SWR1 Interview erzählt Obstbauer Wicke, was auf den Wildkameras zu sehen ist und was die Polizei zu den Fällen sagt.
SWR1: Können Sie grob sagen, wie viel von Ihrer Ernte gestohlen worden ist?
Tobias Wicke: Wir haben im Jahr auf dem einen Feld ungefähr einen Schaden von 20.000 Euro nur durch Obstdiebstahl. Zum Beispiel wurden 150 Kilogramm Pfirsiche und 800 Kilogramm Pinova-Äpfel in einer Nacht geklaut.
Wildkameras zeigen die Diebe
SWR1: Sie haben vor knapp vier Wochen Wildkameras auf Ihrer Obstplantage aufgestellt. Wen haben Sie da alles so entdeckt auf den nächtlichen Aufnahmen?
Wicke: In der ersten Woche hatten wir zweimal nächtlichen Besuch: Einmal um 2 Uhr und einmal war es schon um 22 Uhr abends. Die fahren alle gezielt die Anlage an, die eingezäunt ist und mit Stacheldraht gesichert ist. Und sie dringen in die Anlage ein. Die waren jetzt tatsächlich mit Stirnlampen und Schweinwerfern ausgerüstet und haben sich da eine halbe Stunde umgesehen auf dem Feld.
"Obstklau gefährdet unsere Existenz" Südpfälzer Obstbauer will mit Wildkameras Diebe fassen
In den vergangenen Jahren wird einem Südpfälzer Obstbauern regelmäßig Obst geklaut. In größeren Mengen. Vor zwei Wochen hat er Wildkameras aufgehängt, die jede Bewegung melden.
Eine Woche später war dreimal in der Nacht einer drin und wohl auch derselbe - einmal mit einem Mercedes Sprinter und einmal mit einem Pickup.
Von dem hatten wir eine schöne Porträtaufnahme von den Wildkameras, die wir herumgezeigt haben. Es gibt sogenannte Wassermänner, die die ganze Nacht heumfahren und das Wasser an- und ausmachen. Und diese Wassermänner von anderen Betrieben konnten ihn dann identifizieren.
Schwere Belastung für den Obstbauern aus der Südpfalz
SWR1: Sie sind auch selber Dieben hinterhergefahren und haben sich da nachts auf die Lauer gelegt. Wie geht es Ihnen mit dem, was Sie da erleben?
Wicke: Das belastet uns tatsächlich schon schwer. Denn erstens fehlt uns natürlich der Schlaf. Und zweitens sehen wir halt die Sinnlosigkeit inzwischen fast ein. Denn sogar wenn wir jemanden erwischen und identifizieren, können wir ihm nicht die Menge nachweisen, die er klaut.
In dem Fall hat die Polizei auch gemeint, wir sollen uns keine Hoffnung machen, das Verfahren wird wahrscheinlich auch eingestellt.
SWR1: Was macht das mit Ihnen, wenn Sie das hören? Wie fühlen Sie sich da?
Wicke: Das ist ja das, was ich gerade gemeint habe. Wir wissen gar nicht, wie wir uns wehren sollen. Wir haben wie gesagt unsere Anlagen eingezäunt, mit Stacheldraht gesichert, das ist 1,80 Meter hoch insgesamt und eigentlich können die Leute da einfach rein und raus, sie können den Zaun kaputt machen, wie sie wollen und es passiert einfach nichts.
Wir wissen gar nicht, wie wir uns wehren sollen.
Obstbauer setzt auf Abschreckung
SWR1: Wie machen Sie jetzt weiter? Haben Hinweisschilder auf die Wildtierkameras eine abschreckende Wirkung? Jetzt ist ja eine Zeit lang ja nichts mehr passiert.
Wicke: Seit wir den erwischt haben, ist tatsächlich seit zwei Wochen noch nichts passiert. Ich glaube, das spricht sich auch in den Gemüsebaubetrieben tatsächlich herum, dass da Kameras hängen und dass man da erwischt wird.
Darauf bauen wir jetzt. Wir haben aber die Sorge, dass wenn sich das herumspricht unter denen: ihr werdet zwar angezeigt, aber es passiert nichts, dass sie dann wieder fröhlich weiterklauen. Wir können ja gar nicht das ganze Feld überwachen. Ich denke, dann gucken diese Leute noch eher, wo die Kameras hängen und gehen woanders rein.