Facebook, Instagram, WhatsApp und weitere Plattformen gehören zum amerikanischen Internetgiganten Meta. Sie sind mit Milliarden Informationen gefüllt, die Nutzer der Plattformen erstellt haben. Diese Daten sind bereits jetzt wertvoll für den Konzern: Beispielsweise, um zielgerichtete Werbung zu schalten. Ab dem 27. Mai 2025 kommt ein weiterer Nutzen hinzu: Meta will eigenen Angaben zufolge "alle öffentlichen Inhalte" seiner europäischen Nutzer*innen ab 18 Jahren nutzen, um die eigene künstliche Intelligenz "Meta AI" zu trainieren.
Was ist die Meta AI?
Wenn Sie auf Ihrem Smartphone WhatsApp installiert haben, dann haben Sie bestimmt auch schon diesen blauen Kreis entdeckt: Damit öffnen Sie die "Meta AI". "AI", das steht für "Artifical Intelligence" – künstliche Intelligenz.
"Meta AI" sieht aus, wie ein ganz normales Chatfenster. Wer hier drauftippt und schreibt, bekommt zwar von der künstlichen Intelligenz schnell eine Antwort auf seine Frage – gibt dem Konzern dabei allerdings auch Informationen über sich und womöglich auch andere preis.
Maximilian Heitkämper von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rät erstmal zu Vorsicht:
Alle Ihre personenbezogenen Daten, die Sie nicht unbedingt in der Zeitung oder in der Öffentlichkeit äußern wollen würden, die sollten dort auch nicht verarbeitet werden. Es gibt leider immer wieder Situationen, dass Menschen diese Assistenten wie eine Art Freund verwenden. Wirklich Persönliches, wirklich Sensibles gehört da einfach nicht rein.
Wofür will Meta die gesammelten Daten nutzen?
Nicht nur die Informationen, die die Nutzerinnen und Nutzer der „Meta AI“ direkt schicken, sondern alle gesammelten, öffentlich zugänglichen Informationen europäischer Nutzer ab 18 Jahren will Meta ab dem 27. Mai nutzen, um seine KI zu trainieren.
Dazu gehören zum Beispiel Facebook- und Instagram-Postings, Kommentare, Fotos und Veranstaltungen. Auch die aus der Vergangenheit. Milliarden von Inhalten.
Meta will mit diesen Daten seine KI so verbessern, dass sie besser für den europäischen Markt zugeschnitten ist:
We believe we have a responsibility to build AI that’s not just available to Europeans, but is actually built for them. That’s why it’s so important for our generative AI models to be trained on a variety of data so they can understand the incredible and diverse nuances and complexities that make up European communities. That means everything from dialects and colloquialisms, to hyper-local knowledge and the distinct ways different countries use humor and sarcasm on our products. This is particularly important as AI models become more advanced with multi-modal functionality, which spans text, voice, video, and imagery.
"Wir sehen unsere Verantwortung darin, KI zu entwickeln, die nicht nur den Europäern zur Verfügung steht, sondern tatsächlich für sie entwickelt wird. Deshalb ist es so wichtig, dass unsere generativen KI-Modelle anhand einer Vielzahl von Daten trainiert werden, damit sie die unglaublich vielfältigen Nuancen und Komplexitäten europäischer Gemeinschaften verstehen. Das umfasst alles von Dialekten und Umgangssprachen über hyperlokales Wissen bis hin zu den unterschiedlichen Arten, wie verschiedene Länder Humor und Sarkasmus in unseren Produkten verwenden. Dies ist besonders wichtig, da KI-Modelle immer fortschrittlicher werden und multimodale Funktionen bieten, die Text, Sprache, Video und Bilder umfassen."
Quelle (aus dem Englischen übersetzt): https://about.fb.com/news/2025/04/making-ai-work-harder-for-europeans/
Also hat Meta einfach nur Interesse an europäischen Dialekten? Verbraucherschützer Maximilian Heitkämper weiß, wie wertvoll persönliche Informationen für den Konzern sind:
Ich bin als Nutzer ein sehr interessantes Werbeprofil. Je genauer man mich und meine Vorlieben kennt, desto genauer kann man Werbung auf mich ausspielen. Und diese Werbung kann man sich bezahlen lassen. Das ist ein ganz reines ökonomisches Interesse.
Wie kann ich mich gegen die Nutzung der Daten wehren?
Das geht nur noch bis zum 26. Mai – und nur, wenn man selbst aktiv wird. Dazu muss ein Widerspruchsformular ausgefüllt werden. Das findet man etwa über die Webseite der Verbraucherzentrale:
Link zur Widerspruchserklärung bei der Verbraucherzentrale
Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen hält das Vorgehen des Internetgiganten für nicht zulässig und hat Meta bereits abgemahnt.
Tagesschau zur Abmahnung von Meta durch die Verbraucherzentrale
Auf SWR Anfrage antwortet Meta uns:
We strongly disagree with the VZNRW’s opinion. […] We’ve given people in the EU a way to object to their information being used for these purposes, notifying them of this right via email and in-app notifications. This is yet another example of Europe's fragmented and unpredictable legal and regulatory framework, which stifles innovation, undermines business certainty, and contradicts the recent ambitions of the European Commission and the new German Federal Government to embrace new technologies for economic growth.
Übersetzt aus dem Englischen:
"Wir widersprechen der Auffassung der [Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen] entschieden. […] Wir haben den Menschen in der EU die Möglichkeit gegeben, der Nutzung ihrer Daten für diese Zwecke zu widersprechen, und sie per E-Mail und über In-App-Benachrichtigungen darüber informiert. Dies ist ein weiteres Beispiel für den fragmentierten und unvorhersehbaren Rechts- und Regulierungsrahmen Europas, der Innovationen hemmt, die Geschäftssicherheit untergräbt und den jüngsten Ambitionen der Europäischen Kommission und der neuen deutschen Bundesregierung widerspricht, neue Technologien für wirtschaftliches Wachstum zu nutzen."
Neue Technologien für wirtschaftliches Wachstum? Nutzer der Meta-Plattformen wie WhatsApp, Facebook oder Instagram sollten sich genau überlegen, ob sie die Informationen, die sie mit dem Unternehmen geteilt haben, für eine Nutzung freigeben wollen, deren Umfang sich kaum abschätzen lässt.