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Alltag zwischen Spannung und Entspannung

Spannungen gibt es überall: In Beziehungen, der Politik oder bei Gewitter. Zur Anspannung gehört aber auch die Entspannung. Wo finden wir die und wie passt sie in unseren Alltag?

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Von Autor/in Leonore Kratz

Ein Klassiker für Spannungen ist der große Sommerurlaub. Eigentlich soll es die schönste Zeit des Jahres werden, aber zahlreiche Koffer müssen gepackt, die unterschiedlichen Erwartungen aller Familienmitglieder unter einen Hut gebracht werden. Das kann stressen.

Vollgepackter Kofferraum
Das Kofferpacken vor dem Urlaub kann stressig werden

Der Freiburger Stressforscher und Familientherapeut Professor Stefan Schmidt empfiehlt, sich schon ein bis zwei Wochen vor dem Start in den Urlaub vorzubereiten. Zum Beispiel mit Packlisten oder mit einer Familienkonferenz. Da könne man den Urlaub vorplanen, und jeder und jede aus der Familie dürfe an einem Tag das Programm bestimmen.

Mut zu getrennten Aktivitäten

Oft gebe es im Urlaub Streit, weil die Familie in der Ferienwohnung oder im Campingwagen viel enger aufeinander hocke als zuhause, so der Psychologe. Da könne es helfen, auch mal was getrennt zu machen. So könne beispielsweise an einen Tag ein Elternteil alleine wandern gehen, am anderen Tag der andere alleine einen Kaffee trinken, das bringe Luft ins Familien-System. Für einen möglichst erholsamen Urlaub, empfiehlt Stefan Schmidt zudem, zwischen Ausflügen und Strandtagen abzuwechseln. Denn um zu entspannen, bräuchten Körper und Geist beides: Aktivität und Ruhe.

Gummitiere im Wasser
Ein Familienrat vor dem Urlaub kann Entspannung bringen

Doch wie nimmt man die Entspannung nach dem Urlaub mit in den Alltag und bewahrt sie, so lang es geht? Davon hält Stefan Schmidt wenig, denn in der Regel sei die Erholung aus dem Urlaub nach spätestens vier Wochen wieder weg. Besser sei es, zu überlegen, was einem im Urlaub gut getan habe, rät der Stressforscher, und zu überlegen, wie sich das in den Arbeitsalltag integrieren lasse. Zum Beispiel könne man auch im Büro zwischendurch eine Auszeit nehmen und alleine einen Kaffee trinken.

Zeugnisvergabe: Angst vor Versetzung

Kribbeln im Magen, Anspannung und Nervosität - diese Gefühle können zum Ende des Schuljahres und der damit verbundenen Zeugnisvergabe durchaus aufkommen. Davon berichteten Schülerinnen und Schüler bei einer SWR-Straßenumfrage in Stuttgart. Unter anderem in den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch sorge die Note für Aufregung. Einige schauten dem Zeugnis aber auch gelassen entgegen, weil sie für ihre Noten Geld bekämen, erzählten sie.

Zeugnisvergabe

Krimis als Reflexion über das eigene Leben

Manch einer sucht die Anspannung auch bewusst (und entspannt sich möglicherweise zeitgleich) - beim Lesen von Kriminalromanen. Der Heidelberger Krimiautor Marcus Imbsweiler weiß, wie man Spannung erzeugt: "Es müssen ein paar Genre-Elemente drin sein, eine Verfolgungsjagd oder ein dunkler Raum, bei dem hinter jeder Tür was ganz Furchtbares sein kann", erzählte er bei einem Spaziergang zu einigen seiner Tatorte. Der studierte Musikhistoriker und Germanist schreibt seit fast zwanzig Jahren Geschichten rund um den Privatermittler Max Koller.

Imbsweiler hat eine Vermutung, warum Menschen so gern grausig-spannende Geschichten über Mord und Verbrechen lesen: "Wir befinden uns inzwischen in einer sehr sicheren Situation, aber im Einzelfall kann eben doch was passieren - Ahrtalkatastrophe, ein Verkehrsunfall oder eben doch mal ein Verbrechen." In Krimis könne man sich theoretisch mit diesen Unglücken beschäftigen, die Situationen im Kopf durchspielen, ohne direkt betroffen zu sein, so der Krimiautor.

Krimiautor Marcus Imbsweiler
Der Heidelberger Krimiautor Marcus Imbsweiler auf dem Uniplatz

Die Stadt Heidelberg findet er einen geeigneten Standort für spannende Geschichten. Dort gebe es Menschen aus aller Welt und die ein oder andere skurrile Persönlichkeit, verriet er schmunzelnd.

Wellness im Kloster

Wer sich beim Krimilesen weniger entspannen kann, findet die Ruhe möglicherweise im Kloster, zum Beispiel bei den Dominikanerinnen im Kloster Arenberg. Das Kloster bei Koblenz beherbergt ein Wellness-Hotel. Die Hotelgäste können dort einen Yogakurs besuchen, Schafe streicheln oder auf dem Naschpfad beim Spazierengehen Himbeeren und Johannisbeeren pflücken. Zum Ausruhen lädt eine Beine-Baumel-Bank ein.

Das Schwimmbad im Kloster Arenberg
Im Kloster Arenberg gibt es ein Schwimmbad für die Hotelgäste

Sonja Gotthardt ist Kita-Leiterin aus Mainz. Sie ist Stammgästin im Kloster Arenberg. Um sich zu entspannen, lese sie viel und nutze das Schwimmbad. Ab und an besuche sie auch die Messe und fühle sich, obwohl sie selbst evangelisch sei, immer willkommen. Auch Daniela Kunz aus Stuttgart empfindet gerade die Spiritualität des Ortes als entspannend. Sie singe gern allein in der Gästekapelle, erzählt sie. "Der Ort ist magisch und führt in die Tiefe."

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Leonore Kratz
SWR-Redakteurin Leonore Kratz