Radikale Rückschnitte von Gehölzen und Bäumen sind aufgrund des Vogelschutzes nur noch bis Ende Februar erlaubt, danach sind nur noch leichte Form- und Pflegeschnitte möglich. Doch müssen Bäume und Sträucher überhaupt geschnitten werden oder ist das nur ein weit verbreiteter Mythos?
Bäume und Sträucher müssen nicht zwingend geschnitten werden
Nicht jeder Baum oder Strauch muss zwangsläufig geschnitten werden. Ein Schnitt sollte immer einen Grund haben. Der wichtigste Grund ist, die Gesundheit des Baumes zu erhalten. Daher könnt ihr kranke oder abgestorbene Äste entfernen.
Ein weiterer Grund ist, die Blüten- und Fruchtbildung anzuregen. Das betrifft vor allem eure Obstgehölze und Blühsträucher. Ein gezielter Schnitt verbesserte bei euren Obstbäumen den Fruchtansatz, damit könnt ihr mehr ernten.
Durch die luftigere Krone werden auch Pilzerkrankungen verringert. Bei den Blühsträuchern könnt ihr durch einen regelmäßigen Schnitt der Vergreisung vorbeugen und die Blütenbildung wieder in Schwung bringen.
Ein falscher oder übermäßiger Schnitt kann Probleme verursachen. Jede Schnittstelle ist ein Einfallstor für Krankheiten und Pilze und sollte daher gut bedacht sein. Auch ein zu starker und zu häufiger Rückschnitt kann Gehölze schwächen oder zu einem unkontrollierten Austrieb führen.
Grundregeln beim Baum- und Strauchschnitt
Die Grundregeln für euren Schnitt lauten:
- Immer mit scharfen und sauberen Scheren schneiden, eine Bypass-Schere ist für frisches, weiches Holz ideal.
- Verzichtet auf einen Schnitt von Ästen, die dicker als 5 cm sind, da hier der Wundverschluss in der Regel nicht mehr vollständig erfolgen kann.
- Schneidet immer über einer nach außen gerichteter Knospe oder einem Seitentrieb.
- Keine Aststummel stehen lassen: Diese sterben ab und sind Einfallstore für Krankheiten und Fäulnis.
- Am besten an trockenen, frostfreien Tagen bei bewölktem Himmel schneiden.
Der richtige Schnitt an Gehölzen
Eure formale, streng geschnittene Hecke aus Liguster, Hainbuche oder beispielsweise Eibe solltet ihr zweimal im Jahr schneiden. Erst mit einem häufigen Schnitt können sich eure Pflanze verzweigen und damit auch blickdicht werden.
Der erste Rückschnitt erfolgt aufgrund des Vogelschutzes bestenfalls bis Ende Februar, der leichte Formschnitt erfolgt im August. Bei frisch gesetzten Sträuchern könnt ihr für eine bessere Verzweigung auch im Juni einen Formschnitt durchführen. Bei jungen Hecken könnt ihr 2/3 des Neuaustriebes zurücknehmen, bei älteren Hecken reicht es 1/3 des Neuaustriebes zu entfernen.
Anders verhält sich der Schnitt bei frei wachsenden Blühsträuchern. Die Art und der Zeitpunkt des Schnitts hängt u. a. vom Blühzeitpunkt des Strauches ab.
Video: Der richtige Schnitt bei Rosen im Frühling
In der Regel werden Frühjahrsblüher direkt nach der Blüte geschnitten. Hier wird allerdings nichts zurückgeschnitten, sondern alle paar Jahre die 3-5 ältesten Triebe bodennah entfernt.
Zu den Frühjahrsblühern gehören: Pfeifenstrauch, Weigelie, Schneeball, Flieder, Forsythie, Deutzie, Brautspiere, Blutjohannisbeere, Ranunkelstrauch und Holunder.
Der richtige Schnitt von Sommerblühern
Sommerblüher werden in der Regel vor dem Austrieb im Winter um 2/3 eingekürzt.
Zu den Sommerblühern gehören unter anderem Sommerflieder, Blauraute, Perückenstrauch und Bartblume.
Vorab klären: Welches Gehölz braucht welchen Schnitt?
Beachtet, dass manche Sträucher einen ganz individuellen Schnitt brauchen. Informiert euch daher genau, welchen Strauch ihr habt und welcher Schnitt notwendig ist. Die Kolkwitzie beispielsweise blüht an den alten Ästen am schönsten. Magnolien und Zaubernüsse brauchen keinen Schnitt, das würde ihre natürliche Wuchsform als Solitäre nur zerstören.
Ein Schnitt an Bäumen ist nur bei Obstbäumen nötig, um den Ertrag der Ernte angemessen zu erhalten.