Warum "ein letztes Mal" düngen?
Wenn sich der Sommer dem Ende zu neigt, muss die Natur beginnen sich auf den Winter vorzubereiten. Pflanzen müssen verholzen, um sich auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten. Verholzung bedeutet, dass die Pflanze ihre Triebe festigt und sich auf den Winter einstellt. Wenn man zu lange düngt, wachsen die Pflanzen weiter, anstatt zu verholzen. Die Folge: Sie bleiben weich und sind anfälliger für Frostschäden. Ende Juli bis Mitte August ist also ein guter Zeitpunkt, um Stauden, Sträucher oder Bäume noch einmal mit Nährstoffen zu versorgen.
Natürliche Jauchen als Dünger
Eine besonders nachhaltige und wirkungsvolle Methode, um Pflanzen jetzt noch zu stärken, sind selbst hergestellte Jauchen.
Heike Boomgaardens Rezept für eine Brennnesseljauche:
- 1 kg frische Brennnesseln (ca. 2 große Bündel)
- 10 Liter Wasser
- optional eine Handvoll Urgesteinmehl (dann stinkt die Jauche nicht so)
1. Die Mischung etwa eine Woche lang an einem warmen Ort stehen lassen.
2. Vor der Anwendung 1 Liter Jauche mit 10 Litern Wasser verdünnen und damit die Pflanzen gießen.
Diese Jauche eignet sich für Sträucher, Stauden und Bäume. Alternativen sind Beinwelljauche oder eine Jauche aus Grasschnitt, die auf die gleiche Weise gebraut wird.
Kompost als Allrounder
Reifer Kompost optimal, um den Garten wieder mit Nährstoffen zu versorgen und kann an allen Pflanzen angewandt werden. Kompost sollte leicht in den Boden eingearbeitet werden. Etwa 5 Liter Kompost pro Quadratmeter sind genug.
Heikes Tipp: Wer keinen eigenen Kompost hat, kann bei seiner Gemeinde nachfragen. Viele Kommunen bieten Kompost aus Grünschnitt an, der günstig oder sogar kostenlos erhältlich ist.
Dünger kaufen: Keinen Langzeitdünger verwenden
Beim Kauf von Dünger ist es wichtig, auf die richtige Zusammensetzung zu achten. Im Spätsommer gilt: Keine Langzeitdünger verwenden! Langzeitdünger setzen ihre Nährstoffe erst später frei, meist ab Herbst. Das führt dazu, dass die Pflanzen weiter wachsen, anstatt sich auf den Winter vorzubereiten. Organische Dünger, die direkt von den Pflanzen aufgenommen werden können, sind jetzt die bessere Wahl.
Ausnahmen von der Dünge-Regel
Die meisten Kräuter, wie Rosmarin oder Thymian, benötigen jetzt keinen Dünger mehr. Sie kommen mit den Nährstoffen im Boden gut aus.
Eine andere Versorgung brauchen Riesengräser wie Pampasgras. Hier sollten Hornspäne oder Schafwolle in den Boden gearbeitet werden. Diese Materialien zersetzen sich über den Winter langsam und stellen den Gräsern im Frühling wichtige Nährstoffe zur Verfügung.
Ausgenommen sind natürlich auch Topfpflanzen. Sie haben wenig Erde zur Verfügung und brauchen deswegen immer etwas Dünger. Doch auch hier sollten Sie die Winterpause beachten: In den dunklen und kalten Monaten wachsen auch Topfpflanzen weniger und brauchen dementsprechend weniger Wasser und Dünger.
Heikes Faustregel: Pflanzen gut beobachten
Nicht jede Pflanze benötigt automatisch eine Düngergabe. Ein Blick auf die Pflanze verrät oft, was sie braucht: Saftige, grüne Pflanzen: Wenn eine Pflanze gesund aussieht und vital wächst, braucht sie aktuell keinen zusätzlichen Dünger. Hungrige Pflanzen: Bei sichtbar schwachem Wachstum oder blassen Blättern kann eine letzte Düngergabe sinnvoll sein.
Im Garten: Heike Boomgaarden, Gartenbauingenieurin
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