Was ist Epilepsie?
Was sind Anzeichen einer Epilepsie?
Wie entsteht Epilepsie?
Lässt sich ein epileptischer Anfall verhindern?
Forschung bei Epilepsie: Elektroden im Gehirn
66 Prozent Erfolgsquote bei Epilepsie
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie äußert sich in wiederholt auftretenden, unprovozierten Anfällen: Bestimmte Netzwerke im Gehirn werden zu stark aktiviert und die elektrische Aktivität breitet sich über größere Hirnareale aus.
Was sind Anzeichen einer Epilepsie?
Was Betroffene während eines Anfalls erleben, hängt stark davon ab, wo im Gehirn der Anfall stattfindet, zum Beispiel im Motorcortex (zuständig für die Steuerung von Bewegungen) oder im Schläfenlappen (u.a. für Gehör, Sprache und Gedächtnis).
Wenn es eher im Motorcortex ist, dann habe ich die klassischen motorischen Entäußerungen, Zuckungen und Verkrampfungen. Wenn es im Schläfenlappen ist, sind es manchmal zum Beispiel Schmatzbewegungen mit dem Mund.
So leistet ihr Erste Hilfe bei epileptischen Anfällen
Wie entsteht Epilepsie?
Laut Mormann gibt es grob gesagt zwei Arten von Epilepsien: die genetischen und die fokalen.
Die genetischen [Epilepsien] treten typischerweise im Kindesalter auf, die lassen sich relativ gut medikamentös behandeln und da ist das ganze Gehirn anfälliger für Anfälle.
Die fokalen Epilepsien können dagegen in jedem Lebensalter auftreten und verschiedene Ursachen haben, wie beispielsweise eine Verletzung, ein Schädel-Hirn-Trauma oder ein Schlaganfall. Ein epileptischer Anfall kann außerdem das erste Symptom für einen Hirntumor sein.
Lässt sich ein epileptischer Anfall verhindern?
Laut Prof. Florian Mormann hat nur ein Teil der Betroffenen eine Art Vorahnung vor einem Anfall. Für die meisten komme er aus dem Nichts.
Häufig seien es weniger die Anfälle selbst als die permanente Angst davor, dass sie auftreten könnten, was die Lebensqualität einschränke.
Er erinnere sich z.B. an einen Patienten, der lediglich zwei Anfälle im Jahr hatte – sich deswegen aber sozial isoliert hatte.
Er hatte einen [Anfall] gehabt auf einem Feuerwehrfest im Dorf. Das war ein Schläfenlappenanfall mit dem, was wir komplexe Handlungsautomatismen nennen: Der hat sich einfach die Kleider ausgezogen.
Die Forschenden stellten fest, dass die Anfälle aus einem seiner beiden Hippocampi (Teile der Schläfenlappen) kamen. Sie entfernten den betroffenen Bereich des Gehirns und die Anfälle hörten auf. Den Verlust könne der Hippocampus der gegenüberliegenden Gehirnhälfte ausgleichen, so Mormann.
Forschung bei Epilepsie: Elektroden im Gehirn
Prof. Florian Mormann untersucht, was bei einem Epilepsieanfall im Gehirn der Betroffenen passiert. Dazu dringt er mit feinen Drähten, etwa so dick wie ein menschliches Haar, zu Neuronen im Gehirn vor. Die Patient:innen haben dem zugestimmt, den es ist eine Prozedur mit Risiko.
Diese klinischen Elektroden – sollten die ein Gefäß und Blutgefäß treffen und verletzen, kann es zu Hirnblutungen kommen und die Patienten können bleibende Schäden davontragen. Das ist nichts, was man aus Spaß macht, sondern nur, wenn man entsprechenden Leidensdruck hat.
Die Patient:innen stehen dazu ungefähr ein bis zwei Wochen lang Tag und Nacht unter Videoüberwachung und EEG-Monitoring und müssen Bettruhe halten. Dann werden die Epilepsie-Medikamente vorsichtig reduziert.
Medizin Epilepsie – Neue Therapien gegen das Kopfgewitter
Epileptische Anfälle sind lange bekannt. Heute ermöglichen chirurgische Eingriffe, Gentherapien und Hirnschrittmacher vielen Betroffenen einen normalen Alltag.
66 Prozent Erfolgsquote bei Epilepsie
Kommt es zu einem epileptischen Anfall, müssen die Forschenden schnell sein, um zu verstehen, was im Gehirn passiert. Dafür werden die Betroffenen kontinuierlich durch medizinisch-technische-Assistent:innen überwacht.
In dem Moment, in dem [die Forschenden] den Anfall sehen, gehen sie sofort in das Patientenzimmer, und führen eine neuropsychologische Testung durch: fordern den Patienten zum Beispiel auf zu sagen, wo er ist, nennen ihm Worte, die er sich merken soll, oder reichen die Hand – und gucken, was passiert.
Ziel sei es, herauszufinden, in welchen Gehirnbereichen die Anfälle stattfinden. Diese sollten dann entfernt werden, damit die Patient:innen in Zukunft anfallsfrei leben können. Das klappe in etwa 66 Prozent der Fälle, so Mormann.