Alles, was das Leben ausmacht, muss für Menschen mit Behinderungen verbessert werden.
Nora Welsch, die neue Behindertenbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, sitzt selbst im Rollstuhl: Sie hat eine Muskelerkrankung. Die persönliche Erfahrung der 32-jährigen mache sie zu einer überzeugenden Kandidatin für dieses Amt, hatte das Sozialministerium erklärt. Wie andere Länder sich auf Behinderte einstellen – oder eben auch nicht – hat Nora Welsch selbst auf einer mehrmonatigen Weltreise erlebt.
Ende eines Abenteuers Weltreise im Rollstuhl - Nora Welsch kehrt mit "Upgrade" zurück
Seit Mitte März war sie unterwegs: In Asien, Afrika und Europa hat Nora Welsch viele Länder bereist in ihrem Rollstuhl. Viele Abenteuer und Herausforderungen liegen hinter ihr.
Mein Alltag ist schon deutlich anders: Es gibt einfach ganz viele Orte, wo ich mit dem Rollstuhl nicht hin kann. Das ist auch das, was mich dann oft frustriert."
Gleiche Lebensbedingungen für Menschen mit und ohne Behinderung
In ihrer Funktion als Landesbehindertenbeauftragte setzt sich Nora Welsch dafür ein, dass Baden-Württemberg gleiche Lebensbedingungen für Menschen mit und ohne Behinderungen schafft. Die Politik müsse erkennen, dass trotz aller Sparzwänge die Rahmenbedingungen für Menschen mit Behinderungen weiter priorisiert werden müssen.
Teilhabe sei ein Menschenrecht und dürfe den finanziellen Engpässen nicht als Erstes zum Opfer fallen. Nora Welsch möchte sich in ihrem Job den Schwerpunkt "Teilhabe im Arbeitsleben" setzen, erzählt sie in SWR1 Leute.
Alleine, um in ein Gebäude irgendwo einzukommen, da sind wir in Deutschland leider noch sehr rückständig - was bauliche Barrierefreiheit angeht. Wir lieben unsere Treppen und bauen die überall hin, egal ob man die braucht oder nicht.
Um was geht es bei Barrierefreiheit?
Es gibt verschiedene Arten von Barrierefreiheit. Wir haben die bauliche Barrierefreiheit, da würden die abgesenkten Bordsteine dazu zählen, aber auch sowas wie Blindenleitsysteme zur Orientierung von Sehbehinderten oder blinden Menschen. Und dann gibt es digitale Barrierefreiheit, das heißt: Kann jemand das Internet benutzen. [...] Es gibt kommunikative Barrierefreiheit – also leichte Sprache zum Beispiel, damit auch Menschen mit kognitiver Einschränkung verstehen können, was waren jetzt die Nachrichten des Tages. Und natürlich auch strukturelle Barrierefreiheit.
Nora Welsch studierte Publizistik und Medien- und Kommunikationsforschung und sammelte Erfahrungen bei SAP und im Deutschen Kinderhospizverein, bevor sie kommunale Behindertenbeauftragte der Stadt Baden-Baden wurde.