Seit 15 Jahren arbeitet Georg als Kellner am Mittelrhein. Georg ist allerdings nicht sein richtiger Name. Für unser Interview wollte er anonym bleiben, weshalb wir seinen Namen geändert haben.
Trinkgeld geben: die 10-Prozent-Regel als ungeschriebenes Gesetz
SWR1: Wie viel Trinkgeld geben Sie denn, wenn Sie ausgehen?
Georg: Eigentlich im Verhältnis zehn Prozent. Also, wenn ich mit Freunden oder mit der Freundin essen gehe, halten wir uns auch an diese ungeschriebene Regel von zehn Prozent.
SWR1: Wird da auch manchmal eine Ausnahme gemacht, wenn der Service nicht so gut war?
Georg: Also wenn, dann müsste der Service unterirdisch schlecht bis fast gar nicht stattgefunden haben. Wenn man freundlich begrüßt wird, ist das für mich schon ein Grund. Wenn der Wein eingeschenkt wird – der Kellner muss nicht permanent am Tisch sein und den Wein nachschenken. Einmal einschenken, einmal Wasser einschenken und fragen: Ist alles in Ordnung?
SWR1: Wie wichtig ist denn Trinkgeld für Sie als Servicekraft? Was mach das im Monat aus?
Georg: Ich sage mal roundabout zwischen 400 und 600 Euro im Monat. Mal mehr, mal weniger.
SWR1: Wie erleben Sie das im Job – wer gibt viel, wer ist eher zurückhaltend, wer ist knausrig?
Georg: Ich habe sehr internationales Publikum. Also von den USA über Belgien bis Spanien, Italien. Da merkt man schon Unterschiede. Zum Beispiel bei den skandinavischen Ländern, da ist es nicht üblich, Trinkgeld zu geben. Dementsprechend wird es hier auch nicht gegeben.
In Belgien und den Niederlanden weiß man, dass da immer sehr wenig rumkommt. Im Verhältnis dazu, wenn die Amerikaner informiert sind, geben sie unverhältnismäßig viel, also für die deutschen Verhältnisse.
Spanien, Italien, Kroatien, Griechenland ... Trinkgeld im Urlaub: Das wird in anderen Ländern von Touris erwartet
Trinkgeld geben funktioniert überall gleich? Leider nein! Wir sagen euch, wie viel ihr in den beliebtesten Urlaubszielen bezahlen solltet und warum das so ist.
Kommt das Trinkgeld beim Kellner an, wenn man mit Karte zahlt?
SWR1: Manchmal ist man sich als Gast unsicher, ob das Trinkgeld wirklich bei dem ankommt, bei dem es landen soll und dem man das geben möchte. Wie sehen Sie es, ist es besser das bar zu geben oder über die Karte?
Georg: Ich persönlich habe bis jetzt immer nur positive Erfahrungen gemacht. Da war es möglich in Bar und sogar auch mit der EC-Karte und es kam immer direkt bei denjenigen an, wo es ankommen sollte.
Aber ich weiß auch, da gibt es eine Dunkelziffer, dass es in vielen Betrieben halt nicht da ankommt, wo es ankommen sollte. Ich bin der Meinung, wenn es einen Tip gibt und wenn man gerne einen Tip geben möchte, ist es am besten, dem Kellner den Tip in Bar zuzustecken.
SWR1: Ist das denn nötig, um zu leben, oder ist das obendrauf auf das Gehalt?
Georg: Ich würde jetzt mal sagen, es ist nicht notwendig fürs Leben. Ich zum Beispiel habe mein Gehalt. Von meinem Gehalt bezahle ich meine Fixkosten und vom Trinkgeld unternehme ich meine Freizeitaktivitäten, gehe ins Kino, gehe auf ein Konzert, packe was zur Seite für den Urlaub.