Seit Jahren ist Sänger Max Mutzke eine feste Größe in der Deutschen Musiklandschaft. Aber er ist nicht nur Musiker und leidenschaftlicher Hutträger, sondern vor allem auch Familienmensch. Mit ihm haben wir über das Tabuthema "Lieblingskinder" gesprochen.
SWR1: Sänger Max Mutzke kann über das Thema von beiden Seiten reden. Er hat selbst fünf Geschwister, ist mittlerweile auch Vater von fünf Kindern und lebt in einer großen bunten Patchwork-Familie. Aufgewachsen bist du in einer Großfamilie im Schwarzwald, da hat es doch bestimmt Konkurrenz gegeben unter den Kindern Richtung Eltern, oder?
Max Mutzke: Ja, natürlich. Also ich muss sagen, dass ich festgestellt habe, sowohl bei uns Geschwistern und auch bei meinen Kindern, dass jedes Kind sich den Platz sucht in der Familie, der noch nicht besetzt ist.
Jedes Kind sucht sich den Platz in der Familie, der noch nicht besetzt ist.
Also […] wenn du einen lauten Bruder hast, dann bist du vielleicht eher ein Beobachter. Und umgekehrt: Wenn du einen Beobachter hast, einen Bruder oder eine Schwester, dann bist du eher der Laute, du hast dann den Platz dazu. Ich hatte vielleicht das große Glück, dass ich mit so einer unerschütterlichen guten Laune geboren wurde – mit einem fast schon naiven Optimismus im Leben. Deshalb hab ich mir diesen Platz gesucht.
Ich war immer laut und gut drauf und habe mir meinen Platz genommen.
Das heißt, ich war immer laut und gut drauf und habe mir meinen Platz genommen und hab unter meinen Geschwistern eigentlich nicht groß gelitten.
Außer dass es natürlich Momente gab in den ersten Jahren, wo man körperlich dem größeren Bruder unterlegen ist und dann immer mal einen auf die Mütze kriegt und der dann immer sagt, ich hätte angefangen und das dann nicht stimmte. Das ist das Einzige, was ich Negatives behaupten kann.
Max Mutzke ist ein "mittleres Kind"
SWR1: Das wievielte der fünf Kinder bist du denn?
Mutzke: Vor mir gab es drei und nach mir zwei.
SWR1: Das Wort "Lieblingskinder" hören die Eltern natürlich nie gern, aber dass man jetzt irgendwie die Kinder gleich behandelt, das ist wohl auch eher […] Wunschdenken. Wie war das so bei euch? Was haben die Eltern dir vermittelt, warst du eher so Richtung Lieblingskind oder eher nicht so?
Mutzke: Das ist so. Ich weiß genau, worauf du hinaus willst. Man spürt das als Eltern auch, dass es Momente gibt, wo es Interessen bei Kindern gibt, die total den eigenen entsprechen.
Oder so spannend sind, dass man sich dafür dann besonders interessiert, oder? Ich würde nie sagen, dass es bei mir als Papa ein Kind gibt, was ich mehr oder weniger Liebe – das funktioniert nicht […].
Ich würde nie sagen, dass es [...] ein Kind gibt, was ich mehr oder weniger liebe – das funktioniert nicht.
Ich glaube, selbst wenn es so wäre, würde ich es nicht zugeben und umgekehrt hatte ich schon das Gefühl, dass ich eben mit so einer guten Laune geboren bin und sehr gerne mit meinem Papa zusammen war […], dass mein Vater dann sehr gerne Zeit mit mir verbracht hat.
Also ich habe mich einfach gerne an seine Fersen geheftet und bin immer mitgegangen, wenn er zu Jazzkonzerten nach Freiburg gefahren ist, nach Zürich oder Basel. Wir wohnen da unten in diesem Eck und ich bin immer mitgegangen.
Max Mutzke: Kinder gleich zu behandeln "ist super schwer"!
SWR1: Wie achtest du darauf, deine Kinder alle gleich zu behandeln? Das ist doch bestimmt total schwer, oder?
Mutzke: Es ist super schwer! Es gab einen ganz prägenden Moment für mich und die Mama und für die Familie, und zwar […] gibt man den Kindern von Anfang an einen Charakterstempel. Also die Kritische, die Ruhige, die Wilde, die Lustige und der Aufgedrehte. Und dann fängt man an, den Kindern eine Rolle zu geben und betitelt sie auch dann so.
Es gab einen Moment, da waren die Kinder alle noch relativ klein, da haben die sich dann alle bei uns beschwert und haben angefangen zu weinen, weil sie sagten, dass sie aus dieser Rolle nicht mehr herauskommen.
Ich würde sagen, dass ich trotzdem glaube, dass diese Charakterzuteilung unsererseits zutrifft. Aber für die Kinder war das gar nicht schön. Die wollten nicht diesen Stempel haben. Und dann haben wir denen versprochen: Ok, wir werden auf diese Beinamen oder Kosenamen verzichten. Wir werden euch noch mal ganz neu sehen und euch einfach mal nur bei eurem Namen ansprechen und keine Spitznamen mehr geben, die irgendwie diesen Charakter beschrieben haben.
Max Mutzke: "Wir müssen den Kindern immer wieder neue Chancen geben..."
Das war ein ganz wichtiger Schritt zu merken, dass wir den Kindern immer wieder die Chance geben müssen, sich neu zu entdecken und neu zu entwickeln. Also gerade, wenn die Kinder sagen: Hey, ich bin aber nicht immer die kritische Person in der Familie. Das geht mir auf den Nerven. Ich muss immer der kritische sein oder ich bin immer die wahnsinnig gutmütige und so, das will ich aber gar nicht sein.
Das war für mich auf jeden Fall ein Learning, was bei meinen Eltern und uns als Geschwistern sicher so nicht stattgefunden hat, diese Kommunikation […]. Ich denke schon, dass wir einen Stempel hatten, der vielleicht dem einen Recht war und dem anderen nicht gutgetan hat.