Thomas R. Köhler gibt Tipps fürs Online-Dating, worauf man bei der Erstellung des eigenen Profils und bei den Fotos achten sollte und wie man bei Tinder und Co. nicht in Fallen tappt.
Zu diesem Zweck hat der IT-Experte nicht nur Daten zum Online-Dating ausgewertet, sondern auch mit ehemaligen Mitarbeitenden und Kunden gesprochen und selbst auf Dating-Plattformen experimentiert.
Schwache Erfolgsquote beim Online-Dating
Die Erfolgsquote beim Online-Dating liegt etwa zwischen zwei und maximal 13 Prozent, dass jemand innerhalb eines Jahres einen Partner findet, sagt Thomas R. Köhler. "Und das ist wirklich nicht allzu viel, wenn man sich überlegt, wie viele dann leer ausgehen." Für alle, die es trotzdem probieren wollen, hat er ein paar Tipps.
10 Tipps fürs Online-Dating
- Die richtigen Fotos
- Kein Geld überweisen
- Beim ersten Treffen nicht allein sein
- Vor dem Treffen auf ein Videotelefonat bestehen
- Innerhalb einer Woche ein Treffen vereinbaren
- Nicht zu viele Daten preisgeben
- Profil schärfen
- Misstrauisch sein
- Tägliche Grenzen setzen
- Online-Dating als eine Möglichkeit sehen
Tipp 1: Die richtigen Fotos beim Online-Dating
"Die Fotos müssen sitzen, ansonsten wird man gleich nach links gewischt", sagt Köhler. Soll heißen, man wird aussortiert. Entscheidend sei der richtige Mix. Männer sollten zum Beispiel mit den Fotos einen gewissen Status kommunizieren, das vermittele Unabhängigkeit.
Egal welche Fotos man nimmt, man muss diesen ersten Eindruck aber auch durchhalten.
Köhler hat selbst mit verschiedenen Fotos auf Plattformen experimentiert und festgestellt, dass Fotos mit Tieren gut ankommen und zu entsprechend mehr Matches führen als neutrale Bilder. Auch zu mehr Erfolg verhelfen Bilder, die eine soziale Kompetenz oder ein sportliches Hobby vermitteln.
"Egal welche Fotos man nimmt, man muss diesen ersten Eindruck aber auch durchhalten", sagt der IT-Experte. Wer nicht sportlich ist, sollte also besser kein Foto vom Joggen posten. Denn spätestens, wenn man jemand kennenlernt und auffällt, dass man eigentlich eine "Couchpotato" ist, wirkt das im Nachhinein unglaubwürdig. Schummeln mag also zunächst Aufmerksamkeit erzeugen, bringt aber langfristig nicht das gewünschte Ziel, den Match fürs Leben zu finden.
Autos auf dem Foto funktionieren auch beim Online-Dating
Auch Status-Symbole, wie Autos, spielen eine Rolle, da Menschen positiv darauf reagierten, wenn ein potenzieller Partner auf einer Dating-App solche Bilder postet. Dazu gibt es eine Studie, erklärt Köhler. "Männlein wie Weiblein wirken attraktiver, wenn sie sich in einem besseren Auto ablichten lassen."
Tipp 2: Kein Geld überweisen – Betrugsmaschen beim Online-Dating
Betrugsmaschen im Online-Dating nennt man auch "Romance Scam". Bei einer gängigen Methode trifft man ein Match nicht persönlich, tauscht sich aber mit dieser Person über längere Zeit aus. "So baut man eine Art Vertrauensverhältnis auf, ohne die Person gesehen zu haben und kriegt dann irgendwelche tollen Anlagetipps. Man solle doch zum Beispiel in Krypto-Währung investieren", so Köhler.
"Das ist dann sehr ausgefeilt und sieht auch vollkommen legitim aus. Und dann sind schnell mal ein paar tausend Euro überwiesen", erklärt der IT-Fachmann. Bis dann die Börse abgeschaltet ist und der scheinbare Gewinn plus Einsatz futsch sind. "Ich kann nur jedem raten: vorsichtig sein."
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Tipp 3: Beim ersten Treffen nie allein – Vorsicht vor falschen Profilen
Die Anbieter tun zu wenig, um die Profile zu überprüfen. Man kann also nie sicher sein, wer sich mit welchen Absichten wirklich dahinter verbirgt. Die ersten Treffen sollten daher immer im öffentlichen Raum stattfinden. "Zum Beispiel in einem Lokal, in dem man mich kennt und im Zweifelsfall mit einer Freundin", erklärt Köhler. "Oder jemandem Bescheid sagen, dass ich da bin und mich bis um eine bestimmte Uhrzeit wieder gemeldet habe."
Da gibt es im Prinzip alles – von Abzocke bis zum Raubüberfall und international gesehen leider auch Mord und Totschlag.
Solche Vorsichtsmaßnahmen würden im Liebesrausch oder aus Scham gerne vergessen. "Da gibt es im Prinzip alles", gibt Köhler zu bedenken, "von Abzocke bis zum Raubüberfall und international gesehen leider auch Mord und Totschlag."
Tipp 4: Vor dem Treffen auf Videotelefonat bestehen
Um sich vor Betrug zu schützen, sollte man vor einem Treffen auf einem Telefonat bestehen. "Ich würde dringend empfehlen, dass man vorher facetimed oder in irgendeiner Art und Weise ein Videotelefonat führt", so Thomas R. Köhler. So erhält man zumindest Hinweise, ob es sich tatsächlich um die Person auf dem Foto handelt. Welche Absicht diese verfolgt, weiß man indes nicht.
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Tipp 5: Innerhalb einer Woche ein Treffen vereinbaren
Nach Auswertung der Daten kommt IT-Experte Köhler zu dem Schluss, dass es nichts bringt, ein Treffen hinauszuzögern. Ein paar Mal schreiben und dann sollte man "innerhalb von etwa einer Woche zumindest ein Treffen ausgemacht haben. Wenn sich das länger hinzieht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es tatsächlich nie stattfindet." Am besten gleich in die Vollen gehen.
Tipp 6: Nicht zu viele Daten beim Online-Dating preisgeben
Man sollte sich bewusst sein, dass Dating-Plattformen viele sehr persönliche Daten, Fotos und persönliche Botschaften erhalten. Wir müssen immer damit rechnen, dass früher oder später solche intimen Daten weitergegeben oder gehackt werden. "Es kommt vor, dass die Daten dann im Darknet oder irgendwo sonst im Internet landen", so Köhler. "Das kann peinlich bis existenzbedrohend sein."
Wer Böses im Schilde führt, kann anhand von Fotos tatsächlich Nutzerinnen und Nutzer fast ortsgenau bis auf ein paar 100 Meter orten.
Damit andere nicht den eigenen Wohnort rekonstruieren können, sollte man generell darauf achten, auch auf den geposteten Fotos keine Ortsinformationen preiszugeben, rät der Experte, sich also nicht ständig vor dem eigenen Haus ablichten lassen. "Wer Böses im Schilde führt, kann anhand von Fotos tatsächlich Nutzerinnen und Nutzer fast ortsgenau bis auf ein paar 100 Meter orten."
Tipp 7: Profil schärfen und nicht alles persönlich nehmen
Ein Match ist noch kein Date. Und es kann sein, dass viele Kontakte ins Leere verlaufen, das sollte man nicht persönlich nehmen, so Köhler.
Wenn man den Eindruck hat, dass man zu viele Matches bekommt, sollte man das Profil schärfen und fokussieren. "Das schließt zwar einige Leute aus, spart aber auch Zeit und Frust, weil man sich auf das fokussiert, was man letztendlich wirklich möchte." Also bitte keine Katzenfotos, wenn man eigentlich keine Katzen mag.
Tipp 8: Misstrauisch sein
Beim Gegenüber immer misstrauisch bleiben und auf Ungereimtheiten achten. Ist die Darstellung des anderen plausibel und passen die Informationen mit dem Foto zusammen? Zögert der andere ein persönliches Treffen immer wieder hinaus, gilt Alarmstufe rot. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass hinter dem Profil auch ein Betrüger stecken könnte.
Und wie bereits erwähnt: Zum ersten Treffen geht man nie zu Fremden nach Hause, sondern trifft sich im öffentlichen Raum am besten mit einem Freund oder einer Freundin. Zumindest sollten Freunde darüber informiert sein, dass und wo man sich gerade mit seinem "Match" trifft.
Tipp 9: Tägliche Grenzen setzen – Suchtgefahr
Setzt euch selbst Grenzen für die tägliche Nutzungszeit der Dating-Plattform, denn sonst droht Suchtgefahr auf der Suche nach einem Match. Die Bildschirmzeit hilft hier weiter, sagt IT-Experte Köhler. "Ich persönlich empfehle, feste Tageszeiten zu setzen, in denen man Online-Dating nutzt, um die Kontrolle zu behalten. Die Faktoren, die da reingebaut wurden, sind einfach stärker als wir selbst. Wir müssen uns da schützen."
Ich persönlich empfehle, feste Tageszeiten zu setzen, in denen man Online-Dating nutzt, um die Kontrolle zu behalten..
Tipp 10: Online-Dating nicht als einzigen Weg der Partnersuche betrachten
Wer Online-Dating als zusätzliche Möglichkeit versteht, geht auch im realen Leben mit offenen Augen durchs Leben. "Die besten Chancen, die man offline hat, sind bei jungen Leuten Ausbildung, Schule, Studium", sagt Köhler. In späteren Lebensphasen empfiehlt er, sich einem Verein anzuschließen oder zu Veranstaltungen zu gehen. "Ich habe damit hervorragende Erfahrungen gemacht."
Entscheidend im wahren Leben sei die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, vielleicht auch mal über den eigenen Schatten zu springen und das zu riskieren, was man online nicht muss. "Nämlich, dass man vielleicht eine Ablehnung bekommt. Ich glaube, wir brauchen alle ein bisschen mehr Mut."