Wenn ein Paar sich trennt, kann es zu großen Konflikten kommen. Über das Finanzielle, die Frage, wo die Kinder leben werden oder, wer im Haus wohnen bleibt. Dazu kommt die persönliche Verletztheit in so einer Situation.
Eine Möglichkeit, eine Scheidung fair und einvernehmlich über die Bühne zu bringen, kann eine Mediation sein: Ein außergerichtliches Verfahren, bei dem ein Mediator oder eine Mediatorin hilft, Konflikte zwischen den Parteien zu lösen und zu einer gemeinsamen Vereinbarung zu kommen.
SWR1: Warum kann eine Trennung mit Mediator schneller und günstiger werden?
Markus Becker: Die kann schneller und günstiger werden, weil in einem solchen Fall die Beteiligten selbst ihre Geschicke in der Hand haben und nicht darauf angewiesen sind, dass Gerichte das regeln müssen.
Außerdem haben sie dann auch die Möglichkeit, ihre eigenen Gerechtigkeitsvorstellungen in einen solchen Prozess einfließen zu lassen. Das ist sehr wertvoll. Wenn da die Gesprächsebene erhalten bleibt, dann kann man zu Lösungen kommen, die auch über den Tag hinaus gelten.
Rechtsanwalt Becker: Mediation braucht einen Konsens
SWR1: … wenn die Gesprächsebene erhalten bleibt. Was, wenn sie gar nicht da ist? Da spielen Verletztheit und Wut eine große Rolle. Was haben Sie schon alles erlebt?
Becker: Wenn die Wut sehr groß ist, kann es erst einmal gar nicht zu einer Mediation kommen. Denn die Mediation ist ja ein freiwilliges Verfahren. Es müssen beide wollen. Das ist auch oft das größte Hindernis.
Die Mediation ist ja ein freiwilliges Verfahren. Es müssen beide wollen. Das ist auch oft das größte Hindernis.
Die Leute müssen einen gewissen Konsens haben: "Wir haben uns jetzt getrennt, das funktioniert alles nicht mehr, aber wir wollen es ordentlich über die Bühne bringen". Wenn diese Stimmung da ist, und in meiner Praxis ist es oft so, dass die Leute gemeinsam kommen, dann geht auch was.
Gesprächsregeln für eine Mediation
SWR1: Der Wille auf eine Einigung bei beiden ist da, dann kommt im Prozess ein "Trigger-Thema" und man kann nicht mehr ruhig miteinander sprechen. Wie fängt ein Mediator so etwas ein?
Becker: Zum einen werden am Anfang der Mediation Gesprächsregeln vereinbart. Zum Beispiel, dass persönliche Angriffe vermieden werden sollen. Wenn es gar nicht anders geht, dann können wir eine Pause machen oder vielleicht einen neuen Termin. Aber: Persönliche Angriffe machen das Verfahren letztendlich unmöglich.
Auf der anderen Seite haben die Menschen natürlich Verletzungen erlebt und manchmal müssen die auch raus. Dann wird dem auch Raum gegeben. Aber es muss dann ein Cut stattfinden, also die Leute sollen sich nicht in der Mediation anschreien.
Rechtsanwalt Becker: Mediation gibt Selbstverantwortung zurück
SWR1: Wie schaffen Sie es, dass beide Sie zu jedem Zeitpunkt akzeptieren?
Becker: Es geht natürlich darum, dass sie mich als Mediator akzeptieren. Meine primäre Aufgabe ist es, den Menschen ihre Selbstverantwortung zurückzugeben. Die sollen in die Lage versetzt werden, mithilfe eines Mediators alleine zu laufen. Es ist ja nicht meine Scheidung.
Ich kann ihnen helfen, dass sie sich gegenseitig zuhören und dadurch mehr Verständnis entwickeln, um auf dieser Grundlage […] Lösungen zu finden oder bei denen beide Seiten sagen können: Damit kann ich leben und das auch noch in fünf Jahren.
SWR1 Leute Eure Fragen an Sandra Günther zum Thema Scheidung
Wir haben eure Fragen zum Themenbereich "Scheidung" gesammelt. Rechtsanwältin Sandra Günther hat die Antworten darauf.
Warum eine Scheidung durch Mediation weniger kostet
SWR1: Eine Mediation kann eine Scheidung günstiger machen, damit sind wir eingestiegen. Wenn jetzt so eine Mediationsvereinbarung erarbeitet worden ist, Haus und Kinder sind geklärt, wie geht es denn dann weiter und wie spart man dann tatsächlich Geld?
Becker: Man hat dann eine Scheidungsfolgenvereinbarung. Dann geht man zum Anwalt und dieser Anwalt kann dann eine sogenannte einvernehmliche Scheidung beim Gericht einreichen.
Dann muss nur noch die Scheidung ausgesprochen werden und die Rentenansprüche müssen ausgerechnet werden. Das muss gemacht werden. Dinge, die sehr viel Geld kosten wie Zugewinn, Vermögensaufteilung dagegen, die müssen […] nicht mehr geregelt werden, weil es ja schon geregelt ist. Deswegen ist das auch die kostengünstigste Variante.