Psychologin Ulrike Scheuermann erklärt, dass es auch beim Urlaub mit Menschen, die wir gut zu kennen glauben, schnell Streit geben kann.
Im SWR1 Interview gibt sie Tipps, über welche Punkte man vor einer Reise mit Freunden unbedingt sprechen sollte, damit man sich später an einen gelungenen Urlaub zurückerinnern kann.
Urlaub mit Freunden: Erwartungen an die gemeinsame Reise
SWR1: Warum kracht es ausgerechnet dann, wenn man eigentlich entspannen will?
Dr. Ulrike Scheuermann: Manchmal fährt man mit Freunden zum ersten Mal in den Urlaub. Und wenn die Erwartungen vorher nicht gut besprochen und geklärt sind, kann es sein, dass man mit ganz unterschiedlichen Annahmen in den Urlaub geht.
Dann wollen die einen vielleicht den ganzen Tag über Aktivitäten machen, und die anderen wollen einfach entspannen. Manchmal ist auch das Geld ein Thema, und mit diesen Themen kann es richtig schwierig werden.
Der gemeinsame Urlaub mit Freunden: Soll die Reise aktiv sein oder entspannend?
SWR1: Aber in beiden Fällen ist es dann schlau, das schon im Vorfeld anzusprechen?
Scheuermann: Ich würde immer empfehlen, vorher gemeinsam zu planen und auch wirklich klar zu kommunizieren: Was möchte ich? Man muss auch nicht immer alles zusammen machen.
Wenn die einen ein teures Wellnessprogramm wollen und die anderen vielleicht lieber wandern gehen und mit dem Bus fahren, kann man sich ja auch tageweise trennen und dadurch verschiedene Facetten des Urlaubs besser genießen.
Ich würde immer empfehlen, vorher gemeinsam zu planen und auch wirklich klar zu kommunizieren: Was möchte ich?
SWR1: Das geht wahrscheinlich gar nicht anders, weil man sich ansonsten auf den Keks geht. Man braucht ja immer auch ein bisschen Zeit für Entspannung.
Scheuermann: Genau, man sieht sich sonst vielleicht nur alle paar Wochen, und plötzlich ist man ein oder zwei Wochen den ganzen Tag lang zusammen. Das ist eigentlich zu viel verlangt.
Auch im Urlaub braucht man Freiraum
SWR1: Das unterscheidet so einen Urlaub mit Freunden auch vom Urlaub mit der Familie. Kann ein Urlaub mit Freunden eine Freundschaft vielleicht auch verändern, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung?
Scheuermann: Es kann der Fall eintreten, dass man merkt, es gibt so große Differenzen, die man vorher im Alltag gar nicht bemerkt hat, sodass eher mehr Distanz entsteht. Vor allem, wenn vielleicht ein Konflikt oder eine schwierige Situation auftaucht.
Wenn man sich darüber austauscht, dann schafft das eigentlich Nähe. Und gemeinsam erlebte intensive Erfahrungen sind eigentlich ein "Bindungsbooster". Dadurch entsteht Nähe, man kann hinterher darüber reden, noch einmal über die lustigen Erlebnisse lachen und hat etwas, wodurch man das Leben gemeinsam geteilt hat. Und das ist eigentlich etwas Wunderschönes.
Streit im Urlaub – was wird aus der Freundschaft?
SWR1: Aber wenn es dann doch nicht geklappt hat, man sich also doch nicht so richtig gut im Urlaub verstanden hat, wie kann man dann trotzdem noch Freunde bleiben?
Scheuermann: Auch wieder, indem man darüber redet – wie bei allen Konflikten, die in Beziehungen immer mal auftreten können. Wenn man es schafft, hinterher darüber zu reden und vielleicht herauszufindet, was zu den Problemen geführt hat.
Wenn die Freundschaft sonst gut ist, es im Urlaub aber irgendwie schwierig geworden ist und man das analysiert, dann besteht die Chance, dass die Freundschaft dadurch sogar noch inniger wird.
Oder die andere Variante: Es könnte auch sein, dass man sich eher distanziert, und auch das ist ja nichts Schlimmes. Dann war dieser Urlaub eben ein Signal oder ein Anzeichen dafür, dass es vielleicht nicht mehr so gut passt.
Und in Freundschaften herrscht ohnehin ein Kommen und Gehen. Manche Freunde rücken näher, weil das gerade besser zum eigenen Leben passt. Andere rücken ferner, und das kann sich auch später irgendwann mal wieder ändern.