Buether über die Farbe Blau: Himmel, Meer und Weite
SWR1: Warum lieben wir alle Blau?
Prof. Axel Buether: Blau ist eine besondere Farbe, denn der größte Teil unseres Planeten ist blau: die Atmosphäre, frische Luft, Weite, offener Himmel. Deshalb ist Blau eine wunderbare Farbe. Die zweite, großartige Wirkung ist natürlich, dass wir Blau mit Meer, mit Flüssen, mit Wasser verbinden. Auch mit dieser Freiheit, dem unendlichen Horizont.
Das sind positive Assoziationen, die tatsächlich auch in unserer Netzhaut eingeschrieben sind. Wir haben nämlich Sinneszellen auf der Netzhaut, die Stäbchen, die nur für blaues Licht, für Himmel und Meer zuständig sind.
SWR1: Spielt es keine Rolle, ob es ein Himmelblau oder ein schönes Königsblau ist?
Buether: Doch, das spielt eine große Rolle. Je nachdem, wie der Blauton ist, signalisiert er uns unterschiedliche Bedeutungen und unterschiedliche Wirkungen. Das heißt, wenn wir ein Nachtblau haben, kann uns das durchaus müde und melancholisch machen.
Mit einem Himmelblau, das wir alle kennen, wenn wir morgens aufstehen, können wir aus dem Bett springen. Dann schießt Serotonin in unseren Körper. Das kann uns munter und tatkräftig machen. Es gibt verschiedene Blautöne und Türkistöne im Meer. Die machen uns glücklich, wenn wir am Meer sind. Und ein bisschen wehmütig, wenn wir davon träumen.
Buether über die Farbe Gelb: sonnig und motivierend
SWR1: Ein frisches Gelb, die Farbe von SWR 1. Wofür steht Gelb in der Farbpsychologie?
Buether: Gelb hat in seiner Reinform etwas Sonniges. Wir verbinden es mit Sommer, Sonne und guter Laune. Das ist natürlich etwas, das uns motiviert, was uns antreibt. Gelb ist aber auch eine Farbe, die wir über riesige Entfernungen sehen können. Deshalb ist es auch eine Signalfarbe.
In Kombination mit Schwarz kann Gelb auch eine Warnfunktion haben und zu viel Gelb kann uns auch hyperaktiv machen.
Was die Farben im Kleiderschrank über uns verraten
Bei über 70 Prozent der Menschen [...] kann man anhand der Farben im Kleiderschrank auf die Persönlichkeit schließen.
SWR1: Schauen wir auf die Kleidung. Schwarz ist die Farbe von Richterroben. Politiker tragen oft dunkelblaue Anzüge. Wählt man dunkle Farben, wenn man kompetent wirken möchte?
Buether: Ja, und das ist interessant. Wir haben dazu den weltweit größten Versuch gemacht. Wir haben die Kleiderschränke von Menschen ausgeräumt. Die Frage war: Inwieweit kann man über die Farben im Kleiderschrank die Persönlichkeit vorhersagen? Die Trefferrate war erstaunlich hoch.
Bei über 70 Prozent der Menschen, die wir getestet haben, kann man anhand der Farben im Kleiderschrank auf die Persönlichkeit schließen: Ist der Mensch eher extrovertiert, also sehr nach außen gerichtet, sehr kontaktfreudig, oder ist er eher leise und still.
Man kann sich das vorstellen. Extroversion, das sind eher die bunten, die kräftigen Farben und Introversion ist, wenn man eher so Fifty Shades of Grey im Kleiderschrank hat.
Leichter Kontakte knüpfen - die Farbe der Kleidung entscheidet
SWR1: Ich habe ein weißes Shirt an. Was sagt das über mich aus?
Buether: Eine einzelne Farbe ist nicht so aufschlussreich. Das kann eher was über die momentane Intention aussagen: Ich ziehe mir Weiß an, weil das ein bisschen was mit Sommer zu tun hat. Aber auf der anderen Seite gibt es auch nicht so viel preis.
Mit Weiß ist man ein bisschen unsichtbar. Man nimmt sich raus, man bleibt dezent im Hintergrund. Man ist gut angezogen, aber es ist nicht emotional. Und es ist nicht wie so ein Lächeln, das man seiner Umgebung schenkt. Das ist dann eher eine bunte Farbe.
Schwarz oder Grau ist eine Farbe, die eher abtörnt. Wenn man eine bunte Farbe trägt, dann hat man es leichter, Kontakte zu machen.
SWR1: Das Lächeln kommt ja von mir.
Buether: Farben sind tatsächlich das Lächeln der Natur, sagt man. Wenn man so ein schönes, farbiges Sommerkleid anhat, dann ist es etwas unglaublich Anregendes. Etwas, das auch schon auf die Ferne wirkt. Es weckt eine Erwartungshaltung, was Kleidungsfarben natürlich machen, so eine Art Vorannahme vom Gegenüber.
Ist das ein Mensch, der keine Kontakte hat? Ist das jemand, der gut gelaunt ist, der positiv gestimmt ist, den ich mich anzusprechen traue. Oder mache ich das lieber nicht? Schwarz oder Grau ist eine Farbe, die eher abtörnt. [...] Wenn man eine bunte Farbe trägt, dann hat man es leichter, Kontakte zu machen.