Die Fachpresse-Jury "Spiel des Jahres" prämiert seit 1979 das aus ihrer Sicht beste Brettspiel des Jahres – seit 19. Mai 2026 stehen die Nominierten für diesen "Roten Pöppel", den weltweit wichtigsten Brettspielpreis fest. Und seit 15 Jahren gibt es zudem die Schwester-Auszeichung "Kennerspiel des Jahres" – passend zu dem Boom der Brettspiele, den es in den Zehnerjahren gab und der im Grunde bis heute anhält. Die Jury hat auch die Nominierten in dieser Kategorie vorgestellt, für den "Grauen" oder genauer "Anthrazitfarbenen Pöppel". Wie bei der "Roten Liste" gilt auch hier: Sie bieten Erwartetes und Überraschendes.
Top 3 stehen fest Spiel des Jahres 2026: Das sind die nominierten Brettspiele
Die Jury "Spiel des Jahres" hat aus einer Rekordzahl von 571 Titeln ausgewählt: Das sind die drei Brettspiele, die den weltweit wichtigsten Preis 2026 gewinnen können.
Diese Titel sind zum "Kennerspiel des Jahres" nominiert
Der Favorit ist "Boss Fighters QR". In der Videospiele-Welt nennt man das einen "Bossbattler": Wir sind Helden und unser gemeinsames Ziel ist es, einen fiesen Boss zu besiegen. Dafür hat jeder passend zu seinem Alter Ego individuelle Karten zum Ausspielen von Kampfaktionen. Wir scannen den QR-Code auf der Karte per App und in dieser App reagiert dann das Monster. Unser Ziel nun ist: Wir wollen herausfinden, wie man den Boss angehen muss, um ihn an Ende zu bezwingen. Das ist, zugegeben, ein spezielles, ein nerdiges Thema. Das Spiel holt aber gemischte Gruppen und Familien mit etwas älteren Kindern prima ab und Handykids lockt man so vielleicht auch wieder an den Spieletisch. Denn das gemeinsame Knobeln und der Teamspirit fesseln, das Spiel ist sehr zugänglich, liefert aber auch anspruchsvolle Level zum Zähneausbeißen.
Der zweite Elefant im Nominierten-Raum ist das Legespiel "Rebirth". Bei diesem legen wir einen Plan von einem fiktiven zukünftigen Schottland – oder die anspruchsvollere Seite mit Irland – vor uns auf den Tisch. Es geht um eine fiktive, positive Zukunft nach der Apokalypse. Der Kern von "Rebirth" ist allerdings völlig abstrakt und simpel: Wir ziehen immer ein Plättchen unserer Farbe (Häuser, Windräder, Farmen) und legen es ab. So machen wir direkt Punkte und erfüllen zugleich Aufträge. Die Herausforderungen dabei sind zunächst die Mitspieler. Wir müssen aber auch Prioritäten setzen, Risiken abwägen – am Ende ist es ein Titel für Tüftler nach dem Prinzip "Easy to learn, hard to master". Dieser Mix von einfachem Konzept und hoher taktischer Tiefe bei viel Interaktion, macht den Reiz des Spiels aus.
Und dann noch die Überraschung: "Moon Colony Bloodbath". Das Spiel, dass Ravensburger herausgegeben hat, hat gerade für einen Verlag wie diesen ein absolut durchgeknalltes Thema: Wir errichten nämlich Mondkolonien, auf denen unsere Roboter allerdings bald schon hohl drehen und unsere Kolonisten um die Ecke bringen. Wer hält da am längsten und am besten durch? Spieltechnisch bauen wir aus Karten Kolonien auf, siedeln Kolonisten an, sammeln Rohstoffe und Geld – und bauen vor allem Resilienz auf. Denn: Zwangsläufig gibt es immer mehr Unglücke, Probleme und eben durchgeknallte Roboter. Das ist ein Fest für Schwarz-Humorige mit einer gewissen Frustrationstoleranz. Für Leute, die mal ganz was anderes spielen wollen. Das Spiel bietet eine besondere Dynamik, einen wunderbar sarkastischen Humor, der für viel Frotzelei am Tisch sorgt. Und: Er liefert etwas unterschwellige Gesellschaftskritik, für diejenigen, die das sehen wollen.
Weitere ausgewählte Brettspiele auf der Empfehlungsliste
Die drei nominierten Spiele ("short list") sind auch Bestandteil einer längeren Liste ("long list"), die die Jury "Spiel des Jahres" jedes Jahr empfiehlt. Wer neben den drei Toptiteln weiterschauen will, der findet spätestens dort einen Titel, der ihm gefällt – das verspricht zumindest die Jury. Diese weiteren Spieletitel sind:
- Grundstein von Metropolis: Ein Städtebauspiel, in dem wir gerne Sim-City-mäßig in die Höhe bauen wollen, davor aber die Grundstücke erwerben müssen. Da gibt es natürlich Gerangel mit den Mitspielenden. Ein Spiel für Immobilien-Tycoons und solche, die es werden wollen.
- Tag Team: Der gepflegte Kampf Zwei-gegen-Zwei, das kultiviert dieses Kartenspiel. Wir haben zwei Helden und nehmen es in dem Zwei-Personen-Spiel mit dem gegnerischen Duo auf. Dafür ergänzen wir unsere Kartenhand, die immer dieselbe Reihenfolge hat, mit neuen Angriffs- Verteidigungs- und Heilungskarten. Und legen die Karten immer wieder gegeneinander aus bis ein Held in die Knie geht. (bereits hier besprochen)
- Frosted Blooms: Das Legespiel ist nicht nur eine Augenweide, es bricht auch mit einem verbreiteten Prinzip von ähnlichen Spielen, die Lücken zwischen den ausgelegten Plättchen bestrafen. Hier bieten sie Platz für Scheinen, Windmühlen und Arbeiter.
- Artengarten: Vor fünf Jahren erschien das Zoo-Bauspiel "Arche Nova", mittlerweile eine Institution in der Spielewelt. "Artengarten" nimmt das Thema auf, entwickelt aber ein ganz eigenes Legespiel – etwas zugänglicher, aber dennoch weiter ein Titel, der am oberen Ende der Kennerspiel-Anspuchskala zu verorten ist.
Die Jury und der Preis "Spiel des Jahres"
Daneben liefern die Listen aus den Vorjahren viele weitere Tipps der Jury für empfehlenswerte Spiele. Das "Spiel des Jahres" gibt es seit 1979 und ist eine Jury aus rund einem Dutzend Journalistinnen und Journalisten sowie mittlerweile auch Bloggerinnen und Bloggern, die sich intensiv mit Brettspielen befasst. Seit 2001 wird zudem das "Kinderspiel des Jahres" und eben seit 2011 das "Kennerspiel des Jahres" verliehen. Die Jury ist um Unabhängigkeit zu den Verlagen und Autoren bemüht, engagiert sich aber in der Szene und der Gesellschaft für das Kulturgut Brettspiel. Der Preis "Spiel des Jahres" ist der wichtigste weltweit, der "Spiele-Oskar" bedeutet für die Preisträger auch einen enormen ökonomischen Gewinn.
Dieses Jahr werden die Titel "Spiel des Jahres", "Kennerspiel des Jahres" und "Kinderspiel des Jahres" am Sonntag, 12. Juli 2026 in Berlin verliehen.