Als erster Brettspiel-Schaffender hat er in allen drei Kategorien des "Brettspiel-Oskars" einen Titel holen können: Mit "Rebirth" als frisch gekürtes "Kennerspiel des Jahres 2026" hat die Autoren-Legende Reiner Knizia die Serie voll gemacht. Denn mit "Keltis" holte er schon das "Spiel des Jahres" und mit "Wer war's?" das "Kinderspiel des Jahres" - beides im Jahr 2008. In Berlin konnte Knizia sich nun am 12. Juli gegen "Boss Fighters QR" und "Moon Colony Bloodbath" durchsetzen. "Rebirth" ist ein taktisches Legespiel mit wenig Regeln und viel Interaktion.
Beste Titel in drei Kategorien gekürt Spiel des Jahres 2026: Das Wortspiel "Dito" gewinnt weltweit wichtigsten Preis für Brettspiele
Mit "Dito" ist erstmals ein Titel aus Südostasien zum besten Brettspiel des Jahres gekürt worden. Mit dem Titel von Autor Martin Ang aus Indonesien gewann ein Außenseiter-Kandidat.
Prämiert: Cleveres Planen stets mit nur einem Plättchen in "Rebirth"
"Rebirth" ist ein klassischer "Knizia": Der Erfolgs-Autor entwirft immer wieder Spiele, die von der Grundstruktur simpel sind, die über einen pfiffigen Dreh aber Würze reinbringen. In "Rebirth" liegt ein Plan von Schottland oder Irland vor uns auf dem Tisch – es geht um eine fiktive, positive Zukunft nach der Apokalypse. Der Kern von "Rebirth" ist allerdings völlig abstrakt und simpel: Wir ziehen immer ein Plättchen unserer Farbe (Häuser, Windräder, Farmen) und legen es ab, wobei wir möglichst zusammenhängende Cluster bilden. So machen wir direkt Punkte und erfüllen zugleich Aufträge.
Ein Plättchen nehmen und genau dieses auf den Plan legen, egal wo – simpler geht es kaum. Die Herausforderungen sind aber die Mitspieler: Wo muss ich hin, wo muss ich den anderen stoppen? Wir müssen Prioritäten setzen, Risiken abwägen, Entscheidungen treffen – am Ende ist es ein Spiel für Tüftler nach dem Prinzip "Easy to learn, hard to master". Dieser Mix von einfachem Konzept, hoher taktischer Tiefe, viel Interaktion und tollem Material macht den Reiz des Spiels aus.
Nominiert: In "Boss Fighters QR" übernimmt die App die Rolle des Fieslings
Brettspiele unterstützt von einer App - geht das? Spätestens mit "Boss Fighters QR" kann man bestimmt sagen: "Ja!" Denn hier übernimmt die künstliche Intelligenz nicht nur den Großteil der Punkteverwaltung, sondern sorgt auch für immer neue und nicht immer berechenbare Überraschungen. So mancher Boss hat da ein Ass im Ärmel. Diese so genannte Bosse müssen wir gemeinsam bekämpfen. Unsere Aktionen, die wir mittels Karten wählen, haben einen QR-Code, der mit einem Smartphone oder Tablet gescannt werden muss. Und dann wird die Aktion ausgewertet.
Die Kämpfe fangen leicht an, werden dann aber immer anspruchsvoller. Suchtfaktor im positivsten Sinne! Und auch sehr anspruchsvoll, denn der Sieg gegen einen Boss ist selbst in der einfachsten Stufe nicht leicht. Als Bonus gibt es übrigens immer wieder zu besonderen Anlässen wie Weihnachten und Ostern einen zeitlich befristeten Boss, gegen den man kämpfen kann. Und wer es besonders schön am Spieltisch mag, für den gibt es jetzt sogar atmosphärisch passende Spielmatten.
Nominiert: Wenn bei "Moon Colony Bloodbath" die Roboter durchdrehen
"Moon Colony Bloodbath" ist ein Fest für Menschen mit etwas schrägen und schwarzen Humor. Das Spiel hat ein absolut durchgeknalltes Thema: Wir errichten Mondkolonien, auf denen unsere Roboter allerdings bald schon hohl drehen und unsere Kolonisten um die Ecke bringen. Wer hält da am längsten und am besten durch? Spieltechnisch bauen wir aus Karten Kolonie-Gebäude im Mondstaub auf, siedeln Kolonisten an, sammeln Rohstoffe und Geld – und bauen vor allem Resilienz auf. Denn: Zwangsläufig gibt es immer mehr Unglücke, Probleme und eben durchgeknallte Roboter.
Denn irgendwann wird alles ein- und abgerissen, und zwar bei allen Spielenden. Das erfordert gewisse Frustrationstoleranz und ein bisschen Lust am Untergang. Sprich: "Moon Colony Bloodbath" ist ein Spiel für Leute, die mal ein ganz anderes Spielgefühl wollen. Das Spiel bietet eine besondere Dynamik, einen wunderbar sarkastischen Humor, der für viel Frotzelei am Tisch sorgt. Und: Das Spiel liefert etwas unterschwellige Gesellschaftskritik, für diejenigen, die das sehen wollen: Wohin bringt uns wohl zu großes Vertrauen in die Technik?
Weitere ausgewählte Brettspiele auf der Empfehlungsliste
Die drei nominierten Spiele ("short list") sind auch Bestandteil einer längeren Liste ("long list"), die die Jury "Spiel des Jahres" jedes Jahr empfiehlt. Wer neben den drei Top-Titeln weiterschauen will, der findet spätestens dort einen Titel, der ihm gefällt – das verspricht zumindest die Jury. Diese weiteren Spieletitel sind:
- Grundstein von Metropolis: Ein Städtebauspiel, in dem wir gerne Sim-City-mäßig in die Höhe bauen wollen, davor aber die Grundstücke erwerben müssen. Da gibt es natürlich Gerangel mit den Mitspielenden. Ein Spiel für Immobilien-Tycoons und solche, die es werden wollen.
- Tag Team: Der gepflegte Kampf Zwei-gegen-Zwei, das kultiviert dieses Kartenspiel. Wir haben zwei Helden und nehmen es in dem Zwei-Personen-Spiel mit dem gegnerischen Duo auf. Dafür ergänzen wir unsere Kartenhand, die immer dieselbe Reihenfolge hat, mit neuen Angriffs-, Verteidigungs- und Heilungskarten. Und legen die Karten immer wieder gegeneinander aus bis ein Held in die Knie geht (bereits hier besprochen).
- Frosted Blooms: Das Legespiel ist nicht nur eine Augenweide, es bricht auch mit einem verbreiteten Prinzip von ähnlichen Spielen, die Lücken zwischen den ausgelegten Plättchen bestrafen. Hier bieten sie Platz für Scheunen, Windmühlen und Arbeiter.
- Artengarten: Vor fünf Jahren erschien das Zoo-Bauspiel "Arche Nova", mittlerweile eine Institution in der Spielewelt. "Artengarten" nimmt das Thema auf, entwickelt aber ein ganz eigenes Legespiel – etwas zugänglicher, aber dennoch weiter ein Titel, der am oberen Ende der Kennerspiel-Anspuchsskala zu verorten ist.
Auch die Listen aus den Vorjahren liefern viele weitere Tipps der Jury für empfehlenswerte Spiele.
Die Jury und der Preis "Spiel des Jahres"
Das "Spiel des Jahres", das seit 1979 verliehen wird, gilt als wichtigste Auszeichnung für Gesellschaftsspiele weltweit. Die 15-köpfige Jury will dabei eine Botschafterin für das Brett-, Würfel- und Kartenspiel sein. Dafür hat sie in diesem Jahrgang die riesige Zahl von 571 Neuerscheinungen plus Kinderspielen getestet. Je drei davon hatte sie im Mai für die Titel "Spiel des Jahres", "Kennerspiel des Jahres" und "Kinderspiel des Jahres" nominiert. Die Jury ist um Unabhängigkeit zu den Verlagen und Autoren bemüht, engagiert sich aber in der Szene und der Gesellschaft für das Kulturgut Brettspiel. Der Preis "Spiel des Jahres" ist der wichtigste weltweit, der "Spiele-Oskar" bedeutet für die Preisträger auch einen enormen ökonomischen Gewinn.