Vorbeugen und behandeln

Augen im Sommer – gesund trotz Sonne, UV-Strahlen und Reizungen

Im Sommer sind unsere Augen besonderen Belastungen ausgesetzt, vor allem intensiver Sonneneinstrahlung. Welchen Schutz Sonnenbrillen bieten können - und Augentropfen bei Reizungen.

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Von Autor/in Martin Küstermann

Ohne Sonnenbrille geht im Sommer für viele draußen gar nichts. Aber reicht auch eine günstige? Und wie stark sollten die Gläser getönt sein? 

Warum eine Sonnenbrille nicht nur fürs persönliche Styling wichtig ist, sondern vor allem zur Erhaltung der Gesundheit der Augen – Gesundheitsexperte und Augenarzt Dr. Lothar Zimmermann beantwortet die wichtigsten Fragen. Er erklärt, was bei gereizten Augen wichtig ist. Und wo man Augentropfen auf keinen Fall kaufen sollte. 

UV-Strahlung: Gefahr für die Augen, nicht nur für die Haut 

Abgesehen vom sichtbaren Licht und spürbarer Hitze gibt es unsichtbare UV-Strahlung. Diesen Sommer gab es bereits mehrfach - vor allem in Süd- und Südwestdeutschland - UV-Warnungen vom Bundesamt für Strahlenschutz mit dem Index 8, der höchsten Warnstufe.  

UV-Strahlung schädigt die DNA. Das kennen wir vor allem als Problem für die Haut mit den Folgen Sonnenbrand und einem stark erhöhten Risiko für Hautkrebs. Deswegen cremen wir die Haut zum Schutz gut ein mit Sonnencreme oder -milch mit Lichtschutzfaktor. 

“Aber UV-Licht ist auch für die Augen ein Problem. Das sollte man nicht unterschätzen”, warnt Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann. Im Sommer heißt das also: Sonnenbrille nicht vergessen. 

Sommer, Sonne, Sonnenbrand? Sonne genießen – was UV-Werte bedeuten und wann Sonnenschutz nötig ist

Viele Menschen erkundigen sich über das Wetter, aber nur wenige kennen die Werte für UV-Strahlung und damit die Gefahr eines Sonnenbrands. Das müssen Sie wissen.

Der Vormittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Wie UV-Strahlen den Augen schaden können 

Es gibt drei Arten UV-Strahlung mit unterschiedlicher Wellenlänge: UV-A, UV-B und UV-C.  

  • UV-C dringt bis zur Hornhaut durch.
  • UV-A und UV-B erreichen die Linse im Auge.
  • Zwei Prozent der UV-A-Strahlen gelangen sogar bis zur Netzhaut.  

Ganz vorne am Auge können deshalb Horn- und Bindehaut akut geschädigt werden. Ein Sonnenbrand oder eine Entzündung im Auge durch UV-Strahlung heilen normalerweise zeitnah.

Strahlen, die tiefer eindringen, können Langzeitschäden verursachen. Hier ist vor allem die Linse im Auge betroffen.

Diese Schädigung kann Grauen Star auslösen oder begünstigen - also die Trübung der Linse - und langfristig einen Verlust der Sehkraft beziehungsweise der Sehqualität. Dann wird eine Augenoperation nötig.  

Es gibt außerdem Hinweise, dass UV-Strahlen, die die Netzhaut erreichen, ein Faktor für eine Makuladegeneration sein können. Das bedeutet, ein Verlust der Sehschärfe im Alter. Dafür gibt es keine Heilung. 

Vor allem an sehr hellen Orten muss man vorsichtig sein – in den Bergen, im Schnee, am Strand. Aber bereits auch im Alltag ist eine Sonnenbrille sinnvoll. Besonders bei intensiver Sonneneinstrahlung sollte die Sonnenbrille auch beim Schwimmen getragen werden. 

Makuladegeneration: Selbsttest möglich 

Mit dem Amsler-Gitter-Test kann man im Selbsttest schon einmal Sehprobleme austesten. Dazu ein Auge abdecken und den Punkt in der Mitte des Gitters fixieren.

Wenn der Punkt verschwindet oder verschwimmt, dunkle Flecken, Schleier oder verzerrte Linien zu sehen sind, sollte man den Augenarzt aufsuchen. 

Sonnenbrillen: Auf die Form und Größe kommt es an 

Sonnenbrillen schützen nicht alle gleich gut vor der Sonneneinstrahlung. Der Optiker Irk Halter verrät uns, worauf man achten sollte:

  • "Die ideale Brillenform für Sonnenstrahlung wäre eine durchgebogene Form, die sich der Kopfform anpasst, im oberen Bereich mit der Stirn abschließt, im unteren Bereich mit den Wangen."
  • "Auch sehr gut sind Brillen, die im oberen Bereich etwas dicker ausgefertigt sind, somit wie ein Schirm einer Mütze."  

Wer keine Lust auf Sonderformen hat, sollte für einen umfangreichen Schutz einfach zu einer möglichst großen Brille mit breiten Bügeln greifen. Grundsätzlich gilt für den Optiker das Motto: Je größer, desto besser.  

Entspiegelung bei Sonnenbrillen erhöht die Sicherheit 

Optiker Irk Halter rät auch dazu, eine Sonnenbrille zu kaufen, die entspiegelt ist. "Eine Entspiegelung ist grundsätzlich immer wichtig, weil sie dazu führt, dass Reflexe reduziert zum Auge transportiert werden. Das ist für den Sehkomfort deutlich besser und bietet gerade im Straßenverkehr, am Wasser, im Schnee, bei Freizeitveranstaltungen etc. deutliche Vorteile", so der Optiker.  

Die richtige Tönung bei Sonnenbrillen 

Bei der Tönung der Gläser gibt es Kategorien zwischen 0 und 4. Sie geben an, wie dunkel die Sonnenbrille ist, und damit, wie viel Prozent sichtbares Licht das Auge erreicht. In Mitteleuropa reicht Kategorie 2 aus. 

Wenn man im Gebirge, in den Tropen oder an hellen Wasserflächen unterwegs ist, sollte man eine Tönung der Kategorie 3 wählen. Kategorie 4 ist für extreme Bedingungen und zu dunkel für den Straßenverkehr.  

Warum die Tönung der Sonnenbrille nicht vor UV-Strahlen schützt 

Man könnte meinen, dass ein dunkleres Brillenglas auch besser vor der UV-Strahlung der Sonne schützt - das ist allerdings falsch. 

"Die Tönung hat mit dem UV-Schutz gar nichts zu tun. Das bedeutet, je dunkler ein Glas ist, heißt nicht, dass es mehr UV-Schutz besitzt. Ein getöntes Glas hat lediglich den Vorteil, dass, je dunkler es ist, umso weniger Licht zum Auge trifft und die Blendung reduziert wird", erklärt Optiker Irk Halter. 

Kennzeichnung für den besten UV-Schutz bei Sonnenbrillen

„Der Stempel UV400 besagt, dass diese Brillengläser UV-Schutz bis 400 Nanometer, also im ultravioletten Bereich, abdecken", sagt der Optiker. UV400 wird auch als 100-prozentiger UV-Schutz gekennzeichnet. 

Bei Sonnenbrillen gibt es außerdem das CE-Zeichen. Das garantiert aber keinen UV-Schutz, sondern steht nur dafür, dass das Produkt die europäischen Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltschutzanforderungen erfüllt. 

Haben günstige Sonnenbrillen einen guten UV-Schutz? 

Im Test von Marktcheck hat sich gezeigt, dass auch eine besonders günstige Sonnenbrille für gerade einmal 1,50 Euro den angegebenen UV-Schutz einhalten kann. Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass der UV-Schutz bei günstigeren Sonnenbrillen meist nur aus einer Beschichtung besteht.  

„Beschichtete Brillengläser, bei denen der UV-Schutz auf die Oberfläche aufgedampft wird, sind nicht so haltbar. Die sind gegenüber Kratzern, Umweltsituationen, Hitze etc. nicht so widerstandsfähig. Stabiler und somit auch hochwertiger sind die Gläser, die UV-Schutz inkludiert haben", erklärt Optiker Irk Halter. 

Warum trocknen die Augen aus? 

Der Tränenfilm des Auges besteht aus drei Schichten:

  • Die eiweißhaltige Basisschicht sorgt dafür, dass die mittlere, wässrige Schicht haften bleibt.
  • Die wässrige Schicht versorgt das Auge mit Feuchtigkeit.
  • Und die äußere Schicht ist die Fettschicht und schützt vor Verdunstung.  

Fehlt eine der Schichten, trocknet das Auge aus. Fast 20 Prozent der Deutschen leiden unter trockenen Augen. Sie machen sich meist durch Jucken, Brennen und durch eine Rötung bemerkbar.

Diese Trockenheit ist zwar nicht gefährlich, jedoch unangenehm. Tränenersatzmittel können sinnvoll sein, um die Symptome zu lindern. 

Zuerst sollte jedoch die Ursache für die Beschwerden geklärt werden, rät Augenärztin Dr. Katja Severing. „Häufig fehlt dem Auge insgesamt Flüssigkeit, aber meistens ist es die Tränenzusammensetzung, die einfach nicht optimal ist.“ 

Viele Ursachen für trockene Augen 

Es gibt viele Ursachen für das sogenannte Sicca-Syndrom – das sind Krankheiten, die die Tränenproduktion einschränken. Es kann sich um eine gestörte Talg-Produktion handeln, die den Tränenfilm fettet und so stabiler macht, um eine Autoimmun-Erkrankung oder verschiedene andere Ursachen. 

Das Auge ist sehr gut durchblutet. Deshalb reagiert es oft auch bei systemischen Erkrankungen wie zum Beispiel auf Rheuma oder rheumatoide Arthritis.  

Bei trockenen Augen kann es sich auch um bakterielle und Virusinfektionen handeln. Sie sind oft sehr ansteckend. Deshalb wollen Augenärzte sie auch ungern in der Praxis haben. 

Auch Umwelteinflüsse - speziell im Sommer etwa wenig Luftfeuchtigkeit, staubige Luft, Klimaanlagen - können zu trockenen Augen führen. Durch den Klimawandel gibt es inzwischen mehr Hitzeperioden und längeren Pollenflug – auch das kann häufiger Erkrankungen der Augenoberflächen verursachen. 

Wenn die Trockenheit im Auge lange anhält und zum Beispiel auch durch künstliche Tränen nicht besser wird, sollten Betroffene unbedingt einen Augenarzt aufsuchen. Hier wird unter anderem die Qualität des Tränenfilms geprüft. Gegebenenfalls sind medizinische Augentropfen vonnöten. 

Ein einseitig rotes Auge, meist verbunden mit anderen starken Symptomen wie Augenschmerzen und Sehstörungen, kann ein Glaukom-Anfall sein, also Grüner Star. Das ist ein echter Notfall, hier gilt: Sofort zum Arzt gehen.

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Bei Durchblutungsstörungen im Auge sind eine schnelle Diagnose und das sofortige Aufsuchen eines Arztes wichtig. Denn die Folgen können gravierend sein - bis zur Erblindung.

Doc Fischer SWR

Künstliche Tränen gegen gereizte Augen  

Künstliche Tränen sind keine Arzneimittel, sondern Medizinprodukte. Das bedeutet, sie haben keine pharmakologische Wirkung, sondern wirken rein physikalisch, indem sie das Auge anfeuchten. Daher sind sie frei verkäuflich und können in Apotheken, Drogerien oder im Onlinehandel erworben werden.

„Man kann sich das vorstellen wie eine Lotion für den Körper. So sind künstliche Tränen eine Lotion für das Auge“, erklärt Augenärztin Dr. Katja Severing. 

Wo sollten Augentropfen gekauft werden? 

Produkte, die in Deutschland verkauft werden, erfüllen hohe Sicherheits- und Qualitätsanforderungen, die in der Medizinprodukteverordnung geregelt sind. „Wenn wir hier in Deutschland in Geschäfte gehen - ob sie nun Discounter, Drogerie oder Apotheke heißen - können wir sicher sein, dass wir gut getestete Tränenersatzmittel haben“, erklärt die Augenärztin.  

Das CE-Zeichen auf der Verpackung belegt, dass das Produkt geprüft wurde. Die vier Ziffern hinter dem CE-Zeichen zeigen an, welches Prüfinstitut die Zertifizierung überwacht hat: zum Beispiel „0123“ für TÜV Süd oder „0124“ für DEKRA.  

Vorsicht ist bei extrem günstigen Produkten im Internet geboten. Hier besteht die Gefahr, dass die Qualität nicht diesen hohen deutschen Standards entspricht. 

Künstliche Tränen: Wie findet man das richtige Produkt? 

Die Auswahl an künstlichen Tränen ist groß: Es gibt Präparate mit Hyaluron, Euphrasia oder Calendula, mit mehr Feuchtigkeit oder mehr Fett, mit oder ohne Konservierungsmittel. Welche Tropfen individuell am besten helfen, ist oft eine Frage des Ausprobierens. 

„Der Patient muss hier ein bisschen sein eigener Arzt sein und schauen, was hilft und was nicht. Wenn dreimal tropfen am Tag nicht reicht, muss man vielleicht fünf- oder sechsmal am Tag tropfen. Und wenn man acht- bis zehnmal tropfen muss, ist eventuell ein Produkt mit höherer Viskosität oder ein anderes Präparat nötig“, erklärt Katja Severing. 

Was man noch gegen trockene Augen tun kann 

Gesundheitsexperte und Augenarzt Dr. Lothar Zimmermann empfiehlt: 

  • Genug Wasser trinken: Keine Flüssigkeit im Körper heißt auch weniger Tränen.
  • Augen nicht reiben, wenn sie jucken, sondern versuchen, mehr zu blinzeln.
  • Alkohol und Zigaretten sind Risikofaktoren.
  • Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme können trockene Augen eine Nebenwirkung davon sein.

 

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Bei Durchblutungsstörungen im Auge sind eine schnelle Diagnose und das sofortige Aufsuchen eines Arztes wichtig. Denn die Folgen können gravierend sein - bis zur Erblindung.

Doc Fischer SWR

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Martin Küstermann
Gespräch mit
Dr. Lothar Zimmermann , Augenarzt und Gesundheitsexperte
Moderator/in
Hendrike Brenninkmeyer
Marktcheck Moderatorin Hendrike Brenninkmeyer
Onlinefassung
Silja Kopp
Heidi Keller