Mit den sinkenden Temperaturen steigen die Atemwegsinfektionen. Deutschland schnupft und hustet sich in den Herbst. RKI-Daten zeigen: Millionen sind betroffen. Was macht uns aktuell krank - Rhinoviren, Corona oder Grippe?
- Stecken wir jetzt mitten in der Erkältungswelle?
- Woher kommen die Daten des RKI genau?
- Welche Rolle spielt die Corona „Frankenstein-Variante“ in Deutschland?
Stecken wir jetzt mitten in der Erkältungswelle?
Das scheint nicht nur ein Gefühl zu sein, denn die Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen klar: Wir stecken mitten in der Erkältungswelle. Das RKI veröffentlicht wöchentlich seinen Bericht zu Atemwegserkrankungen, und die Kurve zeigt seit Wochen nach oben.
Anfang Oktober war etwa jede elfte Person in Deutschland erkältet, also von einer akuten Atemwegsinfektion mit Symptomen wie Schnupfen betroffen. Ein Großteil der Infektionen wird derzeit aber nicht mehr durch Corona verursacht, sondern durch Rhinoviren - die klassischen Schnupfviren. Schätzungen zufolge steckt hinter etwa jeder dritten Infektion ein Rhinovirus. Corona ist aktuell für ungefähr jede sechste Atemwegsinfektion verantwortlich. Insgesamt fällt also auf, dass Corona eine geringere Rolle spielt als im vergangenen Herbst.
Es spricht einiges dafür, dass sich der Trend fortsetzt und das Infektionsgeschehen durch Corona in den kommenden Monaten und Jahren etwas an Bedeutung verliert. Gleichzeitig ist das Gesamtniveau der Atemwegsinfektionen ähnlich hoch wie in den Vorjahren. Der Herbst ist und bleibt Erkältungszeit - nicht zuletzt, weil wir wieder mehr Zeit in Innenräumen verbringen und sich Erreger dadurch leichter verbreiten.
Woher kommen die Daten des RKI genau?
Die Daten basieren größtenteils auf Schätzungen, die aber aus gut etablierten Überwachungsprogrammen stammen. Eine zentrale Säule ist „GrippeWeb". Dort befragt das RKI seit 2011 jeden Montag einen Pool freiwilliger Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ihrem Gesundheitszustand, ihren Symptomen und - falls bekannt - zu nachgewiesenen Erregern.
Mit dieser Stichprobe von rund 5.000 Personen werden die Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Ergänzend gibt es Stichproben in Arztpraxen und Kliniken, um die Lage noch besser einschätzen zu können. Insgesamt sind diese Schätzungen zuverlässig, stoßen aber an Grenzen, weil pro Woche nur begrenzt viele Abstriche analysiert werden. Gerade bei der Frage nach den genauen Anteilen einzelner Erreger könnte die Datenlage besser sein.
Zusätzlich wird seit der Corona-Pandemie das Abwasser überwacht. In diesem Jahr werden dort nicht nur SARSCoV2, sondern auch andere Erreger wie Influenza und RSV jede Woche analysiert. Zusammengenommen erlauben diese Überwachungssysteme eine recht genaue Einschätzung, wo wir in der aktuellen Erkältungswelle stehen.
Welche Rolle spielt die Corona „Frankenstein-Variante“ in Deutschland?
Diese Variante ist schon seit Wochen in Deutschland angekommen und dominiert unter den derzeit zirkulierenden Corona-Linien. Der Anteil der Linie „Stratus“, zu der die Variante gehört, liegt hierzulande aktuell bei rund 80 Prozent.
Die Bezeichnung „Frankenstein-Variante“ bezieht sich allerdings nicht auf eine besondere Gefährlichkeit, sondern auf das genetische Profil: Die Variante ist eine Art Mosaik aus zahlreichen Virus-Mutationen. Der Name spielt also darauf an, dass sie aus unterschiedlichen „Teilen“ zusammengesetzt ist.
Mit Blick auf Symptome und Krankheitsverläufe zeigen die verfügbaren Daten derzeit aber auch keinen Hinweis darauf, dass diese Variante gefährlicher wäre als bisherige Corona-Varianten.