Um einen positiven Effekt auf den Körper zu haben, muss Bewegung nicht gleich immer dafür sorgen, dass wir ins Schwitzen kommen. Wir müssen uns also nicht direkt in unsere Sportklamotten werfen.
Schon einfache regelmäßige Spaziergänge können einen sehr positiven Effekt auf unser Immunsystem haben und Krankheiten vorbeugen, sagt Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln.
Effekt auf die Gesundheit Ein gewisses Tempo muss ein Spaziergang haben
SWR1: Spazierengehen bringt schon was, oder?
Ingo Froböse: Es ist natürlich eine Frage des Tempos. Spazieren gehen heißt natürlich nicht nur schlendern, sondern auch ein bisschen Tempo aufbauen. Und genau dann hat es einen Effekt.
SWR1: Wollen Sie uns damit sagen man sollte besonders schnell spazieren gehen?
Froböse: Nicht besonders schnell. An jeder Blume stehen bleiben und jeder Hummel nachschauen, ist natürlich eine Alternative. Aber es bringt, bezogen auf die Gesundheit, nur wenig. Es sollte aber eine gewisse Geschwindigkeit haben. Das bringt die Herzfrequenz hoch, damit der Sauerstoff transportiert wird, und dann hat man einen Effekt.
SWR1: Also ein bisschen Herzklopfen spüren. Wie oft sollte man spazieren gehen und wie lange, damit dieses Herzklopfen auch etwas bringt?
Wenn man das dreimal in der Woche macht [...], hat man ganz schön viel erreicht
Froböse: Erst einmal die Geschwindigkeit: auf vier Schritte, einmal einatmen, auf vier Schritte, einmal ausatmen. Dann ist man immer im richtigen Rhythmus und kann auch weiter quatschen. Aber die Herzfrequenz ist hoch und die Atemfrequenz ein wenig. Und wenn man das dreimal in der Woche macht – mindestens 30, besser 60 Minuten – dann hat man ganz schön viel erreicht.
Diese Effekte auf die Gesundheit hat ein regelmäßiger Spaziergang
SWR1: Was bringt es mir denn, wenn ich so etwas regelmäßig mache?
Froböse: Von der ersten Sekunde an ist das Immunsystem aktiver. Und wenn das Immunsystem aktiver wird, dann heißt es auch, es wird trainiert. Das bedeutet, ich habe eine bessere Abwehr.
Ich durchblute letztendlich all meine Strukturen. 30 Minuten Spazierengehen erhöhen beispielsweise die Durchblutung im Gehirn um 30 Prozent. Und das heißt: deutliche Demenz- und Alzheimerprävention.
Denn Durchblutung heißt Sauerstoff, und das heißt Leben. Meine Muskeln werden also besser durchblutet, der Stoffwechsel wird aktiviert. Ich verbrenne nicht viel Kalorien. Für das Gewicht macht das wenig, aber insbesondere die Gelenke werden geschmiert, der Knorpel wird wieder aufgebaut. Das ist der Effekt, der daraus resultiert.
Medizin Spazierengehen bei Rückenschmerzen könnte vielen Menschen helfen
Ein australisches Forscherteam findet in einer neuen Studie Hinweise darauf, dass schon einfaches Spazierengehen vielen Menschen bei Rückenschmerzen helfen könnte.
Zum Abnehmen reicht ein regelmäßiger Spaziergang nicht
SWR1: Für das Gewicht muss man dann noch schneller sein. Dann sollte es schon Joggen sein?
Froböse: Ja, da muss ich schon ein bisschen mehr machen. Also […] wenn Sie so eine Stunde spazieren gehen, dann verbrennen Sie so 150 bis 200 Kilokalorien, das ist nicht viel.
Wenn Sie sich mal überlegen, dass ein Kilogramm Körperfett 7.000 Kilokalorien hat, können Sie sich vorstellen, wie lange Sie um den Block marschieren müssen, um überhaupt mal ein Kilo abzunehmen.
Gesundheit: Der Körper wird durch den Spaziergang zur "Verbrennungsmaschine"
Das heißt also: Über das normale Gehen geht es nicht, Kalorien zu verbrennen. Aber was passiert, ist, dass man den Körper umstellt, und dadurch wird er zu einer Verbrennungsmaschine, weil sich in der Körperzelle mehr Kraftwerke aufbauen, sogenannte Mitochondrien.
Die verbrennen einfach mehr Energie. Wir wissen, dass zum Beispiel Menschen, die viel und auch schneller gehen, die doppelte Anzahl an Kraftwerken haben. Und das ist an sich der eigentliche Effekt.