Gesundheitstipps verbreiten sich oft nicht, weil sie gut belegt sind, sondern weil sie einfach sind, überraschend und perfekt zum Weiterschicken. Je absurder, desto besser für die Reichweite im Netz. Doch was wie ein Wundermittel klingt, ist oft vor allem eines: gut inszeniert. Und manchmal leider auch: riskant. So zum Teil auch diese fünf Gesundheitstipps:
- Fibermaxxing: Je mehr Ballaststoffe desto besser?
- Senf macht Muskeln munter
- Nasenpflaster: Mehr Luft oder doch nur heiße Luft?
- Mouth Taping für einen gesegneten Schlaf?
- Melatonin-Gummibärchen: Süße Träume oder riskantes Experiment?
Mythos 1: Fibermaxxing – je mehr Ballaststoffe desto besser?
Ballaststoffe sind gesund – daran besteht aus wissenschaftlicher Sicht kein Zweifel. Die Empfehlung liegt bei 30 Gramm pro Tag, doch die meisten von uns kommen im Schnitt nur auf bis zu 20 Gramm.
Doch mehr ist nicht immer besser. Zwar gibt es keine offizielle schädliche Obergrenze für den Ballaststoffverzehr. Doch wer zu schnell zu viele Ballaststoffe zu sich nimmt, riskiert unangenehme Begleiterscheinungen wie Bauchschmerzen, Blähungen oder sogar Verstopfung, so Experten.
Mythos 2: Senf macht Muskeln munter
Senf soll gegen Muskelkrämpfe helfen, heißt es zumindest im Netz. Für einige mag das gelbe Hausmittel tatsächlich mit Wohlbefinden verbunden sein – zumindest als Placebo könnte das wirken. Theoretisch könnte auch der scharfe Geschmack Nervenreflexe auslösen. Doch wissenschaftlich belegt ist diese Wirkung nicht. Und das bisschen Magnesium im Senf? Die Menge reicht nicht aus, um einen spürbaren Effekt auf die Muskeln zu haben.
Mythos 3: Nasenpflaster - Mehr Luft oder doch nur heiße Luft?
Nasenpflaster feiern gerade ein Comeback im Sport. Das Versprechen klingt verlockend: Bessere Nasenatmung, mehr Sauerstoff für Gehirn und Muskeln, gesteigerte Leistungsfähigkeit. Doch die Wissenschaft bremst die Euphorie aus: Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020 nahm 624 Studien zu den Pflastern unter die Lupe. Nur 19 Studien erfüllten wissenschaftliche Standards - und die ergaben auch keinen signifikanten Vorteile durch Nasenpflaster.
Grund dafür ist auch: Wer intensiv sprintet, radelt oder Fußball spielt, atmet automatisch durch den Mund. Ein messbarer, sportlicher Vorteil über den Placebo-Effekt hinaus bleibt daher aus.
Mythos 4: Mouth Taping für einen gesegneten Schlaf?
Mouth Taping, also das Zukleben des Mundes während des Schlafens, verspricht bessere Nasenatmung und weniger Schnarchen. Das kann funktionieren – muss aber nicht. Die Studienlage dazu ist dünn. Fachleute sehen keinen praktischen Nutzen. Kritisch wird es vor allem, wenn die Nase verstopft ist: Dann wird das Klebeband schnell unangenehm oder sogar riskant.
Fakten-Check: Pflaster über den Mund kleben für besseren Schlaf? Hilft der Social Media Trend "Mouth Taping" wirklich gegen Schnarchen?
Auf Social Media geht Mouth Taping viral: ein Pflaster über dem Mund soll gegen Schnarchen helfen. Was sagt die Schlafforschung?
Mythos 5: Melatonin-Gummibärchen - Süße Träume oder riskantes Experiment?
In den USA werden Gummibärchen mit dem "Schlafhormon" Melatonin frei beworben - als Einschlafhilfe für Kinder. Auf TikTok schlafen die Kinder danach angeblich wie Engel. Doch die Forschung weiß noch zu wenig über Langzeitwirkungen bei Kindern.
Zwar ist Melatonin ein körpereigenes Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus reguliert und vollständig vom Körper abgebaut wird, sodass keine Abhängigkeit entsteht. Doch die künstliche Zufuhr kann Nebenwirkungen haben: Dazu zählen Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und depressive Verstimmungen. In Ländern wie den USA kommt auch immer wieder zu Überdosierungen, auch weil die Produkte schlecht reguliert sind.