Was wirklich an diesen Fotos dran ist, haben wir Dave Jörg aus der SWR1 Musikredaktion gefragt.
Phil Collins im Hospiz – alles nur fake?
SWR1: Sind die Collins-Fotos ein Fake?
Dave Jörg: Ich gehe erstmal auf die "Fotos" ein – und ich sage "in Anführungszeichen", weil es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit komplette Fakes sind.
Natürlich ist es erschütternd, wenn man da sieht, wie angeblich ein Paul McCartney einen todkranken Phil Collins im Arm hält und alle traurig gucken. Der Ex-Beatle spielt darauf Gitarre für ihn am Bett im angeblichen Hospiz in London. Darunter ein Text, der den Überraschungsbesuch von McCartney genau beschreibt. Meiner Einschätzung nach sind diese "Fotos" mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und das nicht mal besonders gut.
Woran man Fake-Fotos im Netz erkennen kann
SWR1: Das heißt, Du kannst an bestimmten Sachen erkennen, dass es ein Fake ist?
Jörg: Ja, es gibt Indizien. Paul McCartney ist Linkshänder, spielt auf dem "Foto" für Collins aber rechtsherum. Das Gesicht von Phil Collins ist schlecht generiert. Viele Leute denken vielleicht: "Na ja, er ist todkrank, man erkennt ihn nicht".
Nein, es ist KI-generiert und einfach mit zu wenig optischer Datenvorlage schlecht errechnet. Wer schon mal mit der Fotoerstellung bei ChatGPT herumprobiert hat, der kennt diesen Effekt.
Zudem sagt mir mein Bauchgefühl: Da gibt es dieses "Foto", bei dem im Hintergrund die "Krankenschwestern" des Hospizes stehen, wie bei einer Totenwache. Dazu der Begleittext, der detailliert beschreibt, wie Collins die Tränen herunterlaufen. Das ist alles dermaßen überzeichnet und soll nichts anderes tun als uns emotional einfangen. Damit diese Fakes sich weiterverbreiteten. Übrigens gibt es auch schon Varianten davon, zum Beispiel mit Bob Dylan, der Phil Collins Blumen bringt. Es sind komplette Fälschungen.
Mit diesem Album wurde der Genesis-Sänger zur Hitfabrik "No Jacket Required" von Phil Collins feiert 40-jähriges Jubiläum
"No Jacket Required" ist Phil Collins erfolgreichstes Album und wird am 25. Januar 40 Jahre alt. Grund genug, um auf die tolle Platte zurückzuschauen.
Der tatsächliche Gesundheitszustand von Phil Collins
SWR1: Diese Fakes sind deshalb so glaubwürdig, weil der Drummer tatsächlich Gesundheitsprobleme hat. Wie geht es ihm?
Jörg: Akut hatte er sich tatsächlich im Juli wegen einer Knie-OP in einem normalen Krankenhaus behandeln lassen. Das ist bestätigt vom Management und auch in seriösen Medien belegt. Die Hospiz-Geschichte ist dagegen dementiert. Darüber hat SWR1 Rheinland-Pfalz auch schon berichtet.
Collins hat eine chronische Wirbelsäulenverletzung – deshalb trommelt er nicht mehr. Außerdem hat er eine Fußlähmung, ein Ohr ist nahezu taub und wohl auch eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Also gut geht es ihm nicht. Aber dass er jetzt im Sterben liegt und die Großen der Popgeschichte Abschieds-Besuche machen, ist ein KI-Märchen.