SWR1 Sonntagmorgen am 01. März 2026

Wenn es zu viel wird: Umgang mit Social Media

In jeder freien Sekunde zum Handy greifen und plötzlich stundenlang scrollen. Die Bildschirmzeit zu regulieren fällt schwer. Wieso eigentlich und was können wir dagegen tun?

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Von Autor/in Zoé Wolters

Das Smartphone begleitet uns mit all seinen Apps und Funktionen den ganzen Tag: nur kurz Instagram öffnen, schnell nochmal die Mails checken, einen Bekannten auf LinkedIn suchen. Professor Christian Montag sagt, dass die ständige Verfügbarkeit dieses breiten Angebots problematisch sei. Die Abstände zwischen den Momenten, in denen wir das Handy checken, seien zunehmend kürzer. Das habe Auswirkungen auf unsere Konzentration.

Er bezieht sich auf eine neue Studie aus den USA. Auf den Smartphones der Teilnehmenden wurde der Internetzugang gesperrt, so konnten sie es nur noch wie ein ursprüngliches Handy benutzten. Bereits nach zwei Wochen zeigte sich, "dass die objektiv gemessene Aufmerksamkeit nach oben ging", so Prof. Montag. Er schlägt vor, sich zu überlegen, welche Apps wir wirklich immer verfügbar auf unseren Smartphones mit uns herumtragen wollen und welche wir eher gezielt am PC öffnen.

Generell gelte: Kinder sollten nicht in den sozialen Medien sein. Der körperliche Spieldrang sollte im Vordergrund stehen, so Prof. Montag.
Generell gelte: Kinder sollten nicht in den sozialen Medien sein. Der körperliche Spieldrang sollte im Vordergrund stehen, so Prof. Montag.

Für ein explizites Social Media Verbot für sehr junge Menschen spricht sich Christian Montag klar aus. In Bildungseinrichtungen, aber auch bei den Eltern, sieht er den Bedarf einer intensiven Auseinandersetzung mit den Plattformen. Nur weil sie mit Facebook vertraut sind, heiße das nicht automatisch auch TikTok zu verstehen. Die sozialen Medien sieht er deutlich zu unterscheiden. Auch in Sachen Altersbeschränkung.

Handyverbot in Schulen

Auf dem Schulhof und im Schulgebäude des Geschwister-Scholl-Gymnasiums im Stuttgarter Stadtbezirk Sillenbuch herrschen klare Handy-Regeln. Schon seit 20 Jahren. Der Schulleiter erklärt, warum: "Weil wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler in den Pausen miteinander kommunizieren, sich miteinander bewegen und miteinander in Kontakt treten. Und wir damals schon den Eindruck hatten, dass, wer sein Handy dabei hat, weniger in persona kommuniziert."

Seit Anfang des Jahres ist der Schulleiter Andreas Hamm-Reinoehl mit seinem Team noch einen Schritt weiter gegangen: Die 5. und 6. Klassen lassen ihr Handy ganz zuhause – die 8.- bis 10.-Klässler schließen es vor Ort ein, nur die Abistufen 11 und 12 nutzen ihr Smartphone in festgelegten Bereichen. Rund 330 neue, personalisierte Schließfächer für die sichere Verwahrung sind aufgebaut worden. Und die Schülerschaft reagierte sogar mit Applaus.

Verantwortung übernehmen

Julia Nestlen von der ARD Wissenschaftsredaktion plädiert dafür auch die Plattformen selbst – die Personen dahinter – in Verantwortung zu ziehen. Es gäbe zu viel Raum für unregulierten Hass, Falschinformationen und jugendgefährdende Inhalte.

Dennoch sieht Nestlen einen großen Mehrwert bei den sozialen Medien, so zum Beispiel, um Gleichgesinnte zu finden und sich mit ihnen zu vernetzen. Außerdem gäbe es auf inhaltlicher Ebene auch wirklich tolle Beiträge: aufklärend und inspirierend – von Backgroundinfos über Atomkraftwerke bis hin zur Strickanleitung.

Menschen aus der Wissenschaft können Inhalte über Social Media direkt vermitteln.
Menschen aus der Wissenschaft können Inhalte über Social Media direkt vermitteln.

Anders als im Schulkontext. Diese Art der Wissensvermittlung finde mehr auf Augenhöhe statt, so Julia Nestlen. Sie sieht den besonderen Anreiz, sich Wissen anzueignen über Menschen, die direkt vor Ort sind.

Tipps die Bildschirmzeit zu reduzieren

Das bunte Sortiment an informativen, lustigen und traurigen Videos, mache es aber eben auch schwer die Finger vom Smartphone zu lassen – auch Erwachsenen. Schon in kurzen Momenten der Langeweile.

Mainzerinnen und Mainzer haben im Gespräch mit SWR1 Sonntagmorgen erzählt, was sie machen, um nicht nonstop zum Handy zu greifen. So installieren sie Apps, die andere ausgewählte Apps sperren, setzen sich ein Zeitlimit oder löschen die besonders beliebten Apps auch einfach mal ganz. Auf die eine oder andere Weise: nach einem Social Media Detox sehnen sie sich scheinbar alle.

Moderatorin Silke Arning

Moderatorin SWR1 Sonntagmorgen Silke Arning

Moderatorin SWR1 Sonntagmorgen