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Was hinter Haarausfall steckt und was hilft

Sie schmücken unseren Kopf, lassen sich auf verschiedenste Art stylen und färben, sie sind Teil unserer Identität – unsere Haare.

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Zwischen 80.000 und 120.000 Haare haben wir auf dem Kopf und bis zu 100 davon verlieren wir natürlicherweise pro Tag. Manchmal kann sich hinter dem Verlust der Haare aber auch krankhafter Haarausfall verbergen. Jede dritte Frau kämpft im Laufe ihres Lebens mit einer Form von Haarausfall, Männer sind mit etwa 85 Prozent noch häufiger betroffen.

Welche Formen von Haarausfall gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Haarausfall, die sich in Ursache, Verlauf und Erscheinungsbild unterscheiden.

  • Anlagebedingter Haarausfall (Androgenetische Alopezie): Die häufigste Form ist der anlagebedingte Haarausfall. Er wird durch genetische und hormonelle Faktoren beeinflusst und tritt meist ab dem mittleren Lebensalter auf.

Bei betroffenen Frauen werden die Haare oftmals dünner, der Scheitel breiter. Bei Männern zeigt er sich in Form von Geheimratsecken, Tonsur oder Glatzenbildung.

  • Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Die zweithäufigste Form ist der kreisrunde Haarausfall, bei dem sich im Kopfhaar kahle runde Stellen bilden. Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, wird jedoch oft mit einer Autoimmunerkrankung in Verbindung gebracht. Je nach Schwere können die Haare nachwachsen oder dauerhaft ausgehen.
  • Diffuser Haarausfall: Beim diffusen Haarausfall dünnt das Haar über den gesamten Kopf aus. Mitunter fällt das vermehrt am Vorderkopf und Scheitel auf. Diese Form ist oft vorübergehend und kann durch Faktoren wie Stress, Nährstoffmangel oder Krankheiten ausgelöst werden.
  • Spezielle Formen: Selten führen Infektionen und Entzündungen der Kopfhaut zu runden kahlen Stellen, oft begleitet von Juckreiz. Vereinzelt tritt die dreiecksförmige Alopezie auf (münzgroße angeborene „Geheimratsecken“). Auch zwanghaftes Ausreißen der Haare, Zug oder Druck schädigen das Haar und begünstigen Haarausfall.

Was sind die Ursachen für Haarausfall?

Die Ursachen von Haarausfall sind vielfältig und können sowohl genetische als auch äußere Faktoren umfassen.

  • Genetische Veranlagung: Hauptursache für anlagebedingten Haarausfall.
  • Hormonelle Veränderungen: Zum Beispiel in der Schwangerschaft, nach der Geburt oder in den Wechseljahren.
  • Stress und psychische Belastung: Diese können das Haarwachstum stören.
  • Nährstoffmangel: Ein Mangel an Eisen, Zink, Biotin oder Vitamin D kann Haarausfall begünstigen.
  • Erkrankungen: Schilddrüsenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder Infektionen.
  • Medikamente und Chemotherapie: Einige Medikamente haben Haarausfall als Nebenwirkung.
  • Äußere Einflüsse: Falsche Haarpflege, Hitze oder chemische Behandlungen.

Wie kann Haarausfall diagnostiziert und behandelt werden?

Die Diagnose von Haarausfall erfolgt in der Regel durch einen Dermatologen. Im Rahmen einer Anamnese werden Lebensstil, Ernährung, Erkrankungen und familiäre Veranlagungen besprochen.
Ein Bluttest dient der Überprüfung von Hormonspiegeln, Nährstoffmängeln und Entzündungswerten.
In seltenen Fällen kommt auch eine Biopsie zum Einsatz, bei der eine kleine Gewebeprobe der Kopfhaut entnommen wird.

Weitere Diagnosemöglichkeiten sind:

  • Mikroskopie der Haarwurzeln (Trichogramm): Hiermit kann überprüft werden, wie viele Haare sich im Wachstum befinden und wie viele aufgehört haben zu wachsen. Dafür wird eine bestimmte Anzahl an Haaren ausgezupft und unter dem Mikroskop analysiert.

Mit dem Trichogramm lässt sich einschätzen, wie hoch der Haarverlust sein wird und wie wahrscheinlich die Haare nachwachsen. Zudem kann man die Haarwurzeln auf Schäden untersuchen.

  • Phototrichogramm und Trichoscan: Hier werden kleine Haarareale rasiert und angefärbt, ohne die Haare auszupfen zu müssen. Die angefärbten Bereiche werden direkt nach dem Rasieren und einige Tage später fotografiert.

Ein Vorher-Nachher-Vergleich erlaubt es dann, das Wachstumspotenzial genauer einzuschätzen. Schäden an den Haarwurzeln lassen sich damit nicht beurteilen.

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Doc Fischer SWR

Wie kann Haarausfall behandelt werden?

Ob eine Therapie notwendig ist und welche Art der Behandlung in Frage kommt, entscheidet die Art und die Ursache des Haarausfalls. Bei anlagebedingtem Haarausfall können Präparate mit den Wirkstoffen Minoxidil oder Finasterid helfen. Kreisrunder Haarausfall wird häufig mit Kortison behandelt. Liegt ein Nährstoffmangel vor, können unter Umständen Nahrungsergänzungsmittel, die man in der Drogerie oder Apotheke kaufen kann, helfen.

In vielen Fällen muss man die Behandlung selbst zahlen. Betroffene sollten sich deswegen gut über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Therapie und die anfallenden Kosten beraten lassen.

Wodurch kann fehlendes Haar ersetzt werden?

Wenn die Behandlung von Haarausfall kein zufriedenstellendes Ergebnis liefert, entscheiden sich viele Betroffene für einen Haarersatz. Moderne Perücken und Haarteile bieten eine natürliche Optik, können individuell angepasst werden und schützen die Kopfhaut vor UV-Strahlung und Verletzungen. Liegt ein ärztliches Rezept vor, das den krankheitsbedingten Haarausfall bescheinigt, übernehmen oder bezuschussen die Krankenkassen die Kosten. Perücken oder Haarersatz-Teile sind eine gute Möglichkeit für Menschen, die eine nicht-invasive Lösung suchen.

Anders die Haartransplantation: Bei dieser Methode werden gesunde Haarfollikel aus einem Spenderbereich (meist vom Hinterkopf) entnommen und in die kahlen Stellen transplantiert. Dies ist eine dauerhafte Lösung, die aber durchaus mit Schmerzen und hohen Kosten verbunden ist.

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