Für die Apnoe-Taucherin Anna von Boetticher heißt die Lösung auf jeden Fall Atmen. Wenn die Atmung unter Kontrolle und ruhig sei, werde der ganze Körper und das ganze System ruhiger, betonte die Frei-Taucherin im Interview mit SWR1 Sonntagmorgen. Anna von Boetticher taucht ohne Geräte und mit nur einem Atemzug über hundert Meter tief und kann unvorstellbare sechs Minuten lang den Atem anhalten.
Sie selbst spüre im Alltag ganz genau, wenn sie aufgeregt sei und ihr Atem schneller gehe. Dann könne sie gezielt eine Pause einlegen, zweimal durchatmen und danach mit neuer Kraft weitermachen. Menschen, die sich nicht beruflich mit dem Atem beschäftigen, empfiehlt sie, sich gezielt auf ihr Atmen zu konzentrieren: Wie atme ich eigentlich, wie hört sich das an, wie fühlt sich das an? Und wie viel Atem brauche ich, um wieder bereit zu sein?
Ruhe finden im Spar-Modus
Anna von Boetticher taucht schon seit ihrer Kindheit. Das Ungewisse habe sie immer fasziniert, erzählt sie. Sie sei neugierig gewesen auf die Teile der Welt in den Tiefen der Ozeane.
Der Gedanke, ohne Atem zu sein, ist uns fremd, aber in Wahrheit ist es eine Erfahrung großer Ruhe.
Denn in diesen Momenten fahre der Körper eine Art Sparmodus ab, ein Teil davon sei, die Herzfrequenz stark zu senken, so von Boetticher. "Durch diese verlangsamte Pause zwischen den Herzschlägen erlebt man große Stille und Ruhe in sich, und das ist wahnsinnig schön."
Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Herz-Druck-Massage können Leben retten
Doch was ist, wenn der Atem unfreiwillig stockt? Was tun wir, wenn jemand sich am Weihnachtsessen verschluckt oder einfach umkippt? Wenn ein Mensch sich verschlucke, solle man ihn zuerst anspornen zu husten oder ihm zwischen die Schulterblätter klopfen, rät Professor Bernd Böttiger. Er ist Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Rat für Wiederbelebung. Wenn das nicht helfe, sei es wichtig, über Druck auf den Bauch den Druck im Brustkorb zu erhöhen, damit der Gegenstand wieder aus der Luftröhre raus komme.
Wenn jemand bewusstlos werde und möglicherweise einen Herzstillstand habe, gelte die Regel: Prüfen, rufen, drücken. Zunächst solle man prüfen, ob die Person ansprechbar sei, so Bernd Böttiger, der auch als Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes arbeitet. "Ist das nicht der Fall, empfehlen wir, den Menschen zu zwicken und zu schauen, ob er auf kleine Schmerzreize reagiert." Der nächste Schritt sei, die Rettungs-Leitstelle anzurufen, also die 112.
Das Schlimmste ist, nichts zu machen
Früher habe man empfohlen, erst auch noch die Atmung zu überprüfen. Aber die neuen, im Oktober veröffentlichten Reanimations-Leitlinien empfehlen, direkt den Rettungsdienst zu rufen und die Atmung gleichzeitig mit Unterstützung der Leitstelle zu prüfen.
Das Wichtigste beim plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand ist, was in den ersten drei bis fünf Minuten passiert.
Denn das Gehirn könne nur drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff überleben, der Rettungsdienst komme aber im Mittel erst nach neun Minuten. Je früher man mit einer Herz-Druck-Massage anfange, desto besser sei das für das Überleben des Betroffenen. Angst, dabei etwas falsch zu machen, brauche man nicht zu haben, betonte Professor Bernd Böttiger. "Das Einzige, was man falsch machen kann, ist nichts zu tun."