SWR1 Sonntagmorgen vom 21. Dezember 2025

Wie uns die richtige Atmung entspannter durch die Feiertage bringt

Der Weihnachtstrubel hat es in sich. Bei dem vielen Stress vergessen wir manchmal, durchzuatmen. Schnell eskaliert die Familienfeier. Was wirklich hilft, beim Streit unterm Baum.

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Stand

Von Autor/in Leonore Kratz

Für die Apnoe-Taucherin Anna von Boetticher heißt die Lösung auf jeden Fall Atmen. Wenn die Atmung unter Kontrolle und ruhig sei, werde der ganze Körper und das ganze System ruhiger, betonte die Frei-Taucherin im Interview mit SWR1 Sonntagmorgen. Anna von Boetticher taucht ohne Geräte und mit nur einem Atemzug über hundert Meter tief und kann unvorstellbare sechs Minuten lang den Atem anhalten.

Sie selbst spüre im Alltag ganz genau, wenn sie aufgeregt sei und ihr Atem schneller gehe. Dann könne sie gezielt eine Pause einlegen, zweimal durchatmen und danach mit neuer Kraft weitermachen. Menschen, die sich nicht beruflich mit dem Atem beschäftigen, empfiehlt sie, sich gezielt auf ihr Atmen zu konzentrieren: Wie atme ich eigentlich, wie hört sich das an, wie fühlt sich das an? Und wie viel Atem brauche ich, um wieder bereit zu sein?

Anna von Boetticher lacht in die Kamera
Apnoetaucherin Anna von Boetticher kennt sich aus in Sachen ruhige Atmung.

Ruhe finden im Spar-Modus

Anna von Boetticher taucht schon seit ihrer Kindheit. Das Ungewisse habe sie immer fasziniert, erzählt sie. Sie sei neugierig gewesen auf die Teile der Welt in den Tiefen der Ozeane.

Der Gedanke, ohne Atem zu sein, ist uns fremd, aber in Wahrheit ist es eine Erfahrung großer Ruhe.

Denn in diesen Momenten fahre der Körper eine Art Sparmodus ab, ein Teil davon sei, die Herzfrequenz stark zu senken, so von Boetticher. "Durch diese verlangsamte Pause zwischen den Herzschlägen erlebt man große Stille und Ruhe in sich, und das ist wahnsinnig schön."

Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Herz-Druck-Massage können Leben retten

Doch was ist, wenn der Atem unfreiwillig stockt? Was tun wir, wenn jemand sich am Weihnachtsessen verschluckt oder einfach umkippt? Wenn ein Mensch sich verschlucke, solle man ihn zuerst anspornen zu husten oder ihm zwischen die Schulterblätter klopfen, rät Professor Bernd Böttiger. Er ist Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Rat für Wiederbelebung. Wenn das nicht helfe, sei es wichtig, über Druck auf den Bauch den Druck im Brustkorb zu erhöhen, damit der Gegenstand wieder aus der Luftröhre raus komme.

Wenn jemand bewusstlos werde und möglicherweise einen Herzstillstand habe, gelte die Regel: Prüfen, rufen, drücken. Zunächst solle man prüfen, ob die Person ansprechbar sei, so Bernd Böttiger, der auch als Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes arbeitet. "Ist das nicht der Fall, empfehlen wir, den Menschen zu zwicken und zu schauen, ob er auf kleine Schmerzreize reagiert." Der nächste Schritt sei, die Rettungs-Leitstelle anzurufen, also die 112.

Eine Frau macht Herzdruckmassage an einer Puppe und schaut zu einer Rettungssanitäterin, die ihr Anweisungen zu geben scheint.
Wenn ein paar Handgriffe Leben retten: Ein Erste-Hilfe-Kurs, bei dem Besucher auch Herz-Druck-Massage und Beatmung lernen.

Das Schlimmste ist, nichts zu machen

Früher habe man empfohlen, erst auch noch die Atmung zu überprüfen. Aber die neuen, im Oktober veröffentlichten Reanimations-Leitlinien empfehlen, direkt den Rettungsdienst zu rufen und die Atmung gleichzeitig mit Unterstützung der Leitstelle zu prüfen.

Das Wichtigste beim plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand ist, was in den ersten drei bis fünf Minuten passiert.

Denn das Gehirn könne nur drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff überleben, der Rettungsdienst komme aber im Mittel erst nach neun Minuten. Je früher man mit einer Herz-Druck-Massage anfange, desto besser sei das für das Überleben des Betroffenen. Angst, dabei etwas falsch zu machen, brauche man nicht zu haben, betonte Professor Bernd Böttiger. "Das Einzige, was man falsch machen kann, ist nichts zu tun."

SWR1 Sonntagmorgen Moderatorin Vanja Weingart

Moderatorin SWR1 Sonntagmorgen Vanja Weingart

Moderatorin SWR1 Sonntagmorgen

Unser Zwischenruf in SWR1 Sonntagmorgen von Mark Kleber Weihnachten und der Segen des Wartens

Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe, es ist auch das Fest der Geschenke. Kinder können deshalb kaum erwarten, dass das Christkind kommt, die Erwachsenen wiederum können kaum erwarten, dass nach dem ganzen Vorbereitungsstress endlich Ruhe einkehrt. Und so ist Weihnachten eben auch ein Fest des ungeduldigen Wartens. Zu dumm, dass Zeit gerade dann besonders langsam vergeht, wenn man wartet. Mark Kleber findet aber, dass Warten völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf hat und versucht es mal mit einem Plädoyer für die Wartezeit.
Ich verstehe jeden, der Wartezeit eine harte Zeit findet. Niemand käme je auf einen Liedtext wie „Süßer die Uhren nie ticken als in der Weihnachtszeit“ Oder? Tja, warten hat eben einen echt schlechten Ruf. Warten, das verbindet man mit Wartezimmer, Warteschlange, Warteschleife. Alles Dinge, bei denen man sich mit jeder Sekunde fragt: Wie lange denn noch? Warten ist so etwas wie der kleine Bruder von Stillstand. Und Stillstand mag keiner. Da tut sich nichts, ist langweilig, pure Zeitverschwendung. Aber genau das ist der Punkt. Ich meine: Jede Zeit, die ich verbringe, ist doch erst mal meine Zeit. Und ich habe nicht so viel davon, dass ich sie verschwenden könnte. Gut, als kleiner Junge hatte ich noch alle Zeit der Welt, inzwischen habe ich das Gefühl, jedes Jahr ist kürzer als das davor. Also denke ich mir: Ich warte nicht, bis die Wartezeit vorbei ist. Ich nutze sie. Und wofür? Nein, möglichst nicht, um alle paar Sekunden auf mein Smartphone zu schauen, da schreibt mir dann sowieso nur jemand, dass er gerade nichts zu tun hat, weil er auf etwas wartet. Das wirklich Nervige am Warten ist doch, dass ich es nicht in der Hand habe, sonst würde ich ja gar nicht warten. Mein Warten bestimmen immer andere. Ob Verwaltung, Lieferschwierigkeiten oder die Bahn. Wenn man nur wartet, bis das Warten vorbei ist, wird die Geduld auf eine harte Probe gestellt. Ich selbst lasse natürlich nie jemanden warten. Es sei denn, der Müll muss runtergetragen werden, dann sagt meine Frau schon mal – aber das ist eine andere Geschichte. Zu meinen schönsten Erinnerungen gehört ein Abend, an dem ich ganz gezielt gar nicht gewartet habe. Ich habe einfach nur geschaut und gelauscht, wie es langsam dunkel wurde. Tolles Erlebnis. Und seitdem mache ich das immer mal wieder, wenn ich gerade warte. Ich schaue mich um und entdecke dann Dinge, die mir sonst entgangen wären. Zugegeben, Weihnachtsstress und Warten, das sind nicht die besten Kumpel, aber hey, manchmal kann einem das Warten auch zu Weihnachten etwas Zeit schenken. Und was könnte kostbarer sein?

Sonntagmorgen SWR1

SWR1 Sonntagmorgen vom 14. Dezember 2025 Weihnachten für alle ? Vorfreude aufs Fest in schwierigeren Zeiten

5 Euro fürs Karussell-Fahren, 7 Euro für den Glühwein. Das kann sich nicht jeder leisten. Gerade an Weihnachten fallen die finanziellen Unterschiede in unserer Gesellschaft auf.

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Autor/in
Leonore Kratz
SWR-Redakteurin Leonore Kratz