Psychologe Michael Thiel gibt Tipps

Wie man Kindern und Jugendlichen Hilfsbereitschaft beibringen kann

Wir haben mit dem Psychologen Michael Thiel über Hilfsbereitschaft gesprochen und darüber, wie man sie Kindern und Jugendlichen beibringen kann.

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Hilfsbereitschaft: "Wir sind eine ultrasoziale Spezies"

SWR1: Viele Kinder freuen sich, wenn sie helfen können. Liegt das in unserer Natur und wir Eltern müssen nur darauf achten, dass sie es nicht verlernen?

Michael Thiel: Sie haben sowas von recht. Eigentlich sind wir von der Evolution her eine ultrasoziale Spezies. Es gibt ein paar Irrläufer, so wie Herrn Trump, aber normalerweise doch.

2006 hat Michael Tomasello vom Max-Planck-Institut, mit Kindern ein Experiment durchgeführt. […] Eine erwachsene Person hat ganz zufällig einen Stift fallen lassen und konnte den Stift nicht aufheben, nicht erreichen. Die kleinen Kinder, die 14 Monate alt waren, bekamen das mit, und ohne Aufforderung gingen die hin, haben den Stift gereicht und gut war es.

Hilfsbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen vorleben

SWR1: Was mache ich, damit sie das nicht verlernen? Reicht es einfach Vorbild zu sein oder was kann man tun?

Thiel: Vorbild sein ist schon mal gut, weil die Kinder uns als Erwachsene […] alles Mögliche abschauen. Das ist dann wichtig, wenn […] ich merke, mein Kind will mir helfen, dann lasse ich das Kind auch. Oder das Kind beobachtet mich, wie ich jemand anderem helfe.

Loben statt belohnen fördert Hilfsbereitschaft

SWR1: Schüchternheit ist dann auch ein Thema. Wie gehe ich das am besten an, dass zum Beispiel meine Tochter auch bei anderen hilft?

Thiel: Wenn sie Oma zum Beispiel hilft, die Tasche irgendwie hochzutragen, dann auch sagen: "Toll, siehst du, wie Omi sich freut!" Nicht anfangen mit, "dafür kriegst du jetzt einen Lolli", oder irgendwas. Besser ist es deutlich zu machen, mit deinem Verhalten kannst du jemand anderem wirklich Freude bereiten.

Das ist dann die Brücke, wo das Kind auch merkt: wenn ich jemand anderem in begrenztem Maße helfe, dann freut sich der andere. Das ist, wenn Sie es so wollen, die Belohnung dafür. Das geht Step by Step.

SWR1: Also muss ich es vorleben, damit das Kind das dann nachmacht?

Thiel: Ja, bitte. In dem Moment, in dem ich solch ein altruistisches Verhalten verstärke, mit dem Lolli, mit dem Euro und sonst was, dann wird es schwächer. Denn dann sagt das Kind, klug wie es ist: Ich helfe nur dann, wenn es etwas gibt. Und das, ist nicht Ziel der Sache.

Hilfsbereitschaft bei Jugendlichen: Es gibt Hoffnung

SWR1: Das alles ändert sich in der Pubertät. Wie geht man mit Teenagern und der Hilfsbereitschaft um?

Thiel: In der Pubertät müsste eigentlich ein Schild vor dem Gehirn der Kinder sein: Wegen Umbau geschlossen. Da regieren im Gehirn wirklich ganz andere Sachen und nicht die Logik und auch nicht die Empathie. Da wird so viel umgemodelt im Gehirn und die Empathie macht in dem Moment eine kleine Pause.

SWR1: Das kommt wieder? Gibt es Hoffnung?

Thiel: Wenn die Grundlage da ist, selbstverständlich, weil es einfach auch Spaß macht. Deswegen bin ich auch Psychologe geworden. Es macht Spaß, anderen Leuten zu helfen. Dinge, die Spaß machen, die tut man sowieso gerne, auch außerhalb der Pubertät.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Torsten Buschmann
SWR1 RP Moderator Torsten Buschmann
Interview mit
Michael Thiel, Psychologe
Onlinefassung
SWR1 Rheinland-Pfalz
Eins gehört gehört. SWR1. (Schriftzug SWR1 auf gelbem Hintergrund)