Mit mehr als 21 Millionen Mitgliedern ist der ADAC der größte Verkehrsclub Europas. Die Verwaltung der ADAC-Kreditkarten übernahm im September 2024 die Berliner Start-Up-Bank Solaris SE. Die Landesbank Berlin wollte das Geschäft nicht weiterführen. Solaris bot sich an, es wurde lange verhandelt.
FinTech Solaris als neuer Bank-Kooperationspartner
Der ADAC benötigt nämlich einen Partner mit Banklizenz, um seinen Mitgliedern überhaupt Kreditkarten anbieten zu können. Eine schlanke, digitalere, erst vor zehn Jahren gegründete Bank schien da die Richtige zu sein. Im Unterschied zu traditionellen Geldinstituten benötigt ein FinTech keine kostspieligen Filialen und nur wenig Personal.
Kunden von ADAC-Kreditkarten werden Opfer von Betrug
Laut ADAC verlief der Wechsel damals reibungslos. Doch plötzlich meldeten immer mehr Kunden, dass sie Opfer von Betrügern geworden seien.
Ein Nutzer berichtet, kurz nach einer privaten Überweisung mit der neuen Karte, hätten Unbekannte mehrere Zahlungen über seine Kreditkarte getätigt, insgesamt rund 5.500 Euro. Sein Dispo-Limit sei bis auf wenige Cents ausgereizt worden.
Ähnlich erging es rund 1.000 weiteren Betroffenen laut Aussage des ADAC. Ein Problem für viele Geschädigte war von Anfang an die schlechte Erreichbarkeit der Solaris-Bank.
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Betrugsfälle: Wer ist schuld?
Zwischenzeitlich hatte der ADAC eine TaskForce nach Berlin geschickt, um Solaris personell zu unterstützten. Es wurde vor phishing-Attacken gewarnt, unter anderem vor täuschend echt wirkenden, gefälschten Webseiten oder Mails.
Die fordern die User dazu auf, ihre persönlichen Daten nochmals zu aktivieren. Solaris betont, Sicherheitslücken habe es zu keiner Zeit gegeben.
Solaris – Start-Up mit Problemen
Die Bankenaufsicht BaFin hatte bereits 2022 einen Sonderbeauftragten bei Solaris eingesetzt, der bis heute dort tätig ist. Es gab im Laufe der Jahre Finanzprobleme, ein Drittel der Mitarbeitenden musste zwischenzeitlich entlassen, sowie die Eigenkapitalquote erhöht werden. 2024 verhängte die BaFin wegen verspäteter Geldwäscheverdachtsmeldungen ein Bußgeld von 6,5 Millionen Euro.
Dennoch schreckte das den ADAC nicht ab, im gleichen Jahr den Vertrag mit Solaris zu besiegeln. Die Probleme rund um den Wechsel bezeichnet eine Sprecherin als „Anlaufschwierigkeiten“. Man sei aber weiterhin zuversichtlich, den richtigen Partner ausgewählt zu haben.
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Kreditkarten-Kunden bei ADAC wollen klagen
Fast alle Geschädigten wurden um hohe vierstellige Summen betrogen. Sie wollen ihr Geld zurück. Das werden sie aber wohl vor Gericht durchsetzen müssen.
Laut Gesetz muss in solchen Fällen der Zahlungsdienstleister nachweisen, dass der Betroffene grob fahrlässig seine Daten herausgegeben hat. Gerichte entscheiden dabei allerdings häufig im Sinne der Banken.
Nach einer EU-Studie bleiben 80 Prozent der Betroffenen auf ihrem Schaden sitzen. Und das obwohl die Betrüger immer professioneller arbeiten und ihre Phishing-Versuche immer schwieriger zu erkennen sind.
Der ADAC teilt mit, dass man mittlerweile die Probleme im Griff habe, es gebe kaum noch Meldungen über Betrugsfälle. Aber man räumt ein, dass die Kunden vor dem Bankenwechsel vielleicht hätten noch besser gewarnt werden müssen. Denn eine Umstellung berge eine zusätzliche Angriffsfläche für Kriminelle, Daten abzufischen.
Tipp zum Schutz gegen Kreditkartenbetrug:
Die Verbraucherzentralen sammeln auf ihrer Webseite Phishing Radar aktuelle Betrugsmaschen.
Update 29. August 2025:
Mittlerweile wurden einem Kläger gegen die Solaris-Bank alle Kosten und Rückforderungen erstattet, so sagt es der im Beitrag zitierte Fachanwalt. Andere Verfahren laufen noch.