Mit 413.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 75,3 Milliarden Euro ist Edeka Deutschlands größter Supermarkt. Im Jahr 1898 gründeten 21 Kaufleute die Einkaufsgenossenschaft. Der Name Edeka kommt von der Abkürzung EDK, die für "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler" steht - ursprünglich "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin".
Die Edeka-Geschäfte gehören nicht zu einem Konzern, sondern Tausenden selbstständigen Kaufleuten. Die können für ihren Markt fast alles allein entscheiden.
Edeka im Check: Wirklich gut und günstig?
Vom kleinen Tante-Emma-Laden bis zum riesigen Einkaufsparadies - Edeka-Märkte sind sehr unterschiedlich. Wir zeigen, warum, ob man gut und günstig einkauft und checken den Service.
Marktcheck prüft Edeka in diesen Punkten:
- Preise
- Qualität der Waren
- Regionalität
- Service
- Nachhaltigkeit
- Image
Preise: Supermarkt Edeka vs. Discounter Netto
In der Werbung gibt sich Edeka günstig, von Verbrauchern wird der Supermarkt als gut, aber teuer eingeschätzt. Wir vergleichen die Preise von Edeka mit denen des Discounters Netto, der zur Edeka-Gruppe gehört.
Das Ergebnis: Bei der Marktcheck-Stichprobe mit zufällig ausgewählten Lebensmitteln ist Edeka tatsächlich günstiger als sein eigener Discounter.
Zwei der ausgewählten Marken-Produkte waren bei Edeka im Angebot. Und das ist kein Zufall, sagt Handelsexperte Professor Alexander Hennig von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim. Edeka habe vergleichsweise viele Sonderangebote.
„Da geht es darum, in der Wettbewerbssituation mit Aldi, Lidl und Rewe Kunden zu sich zu holen“, erklärt Hennig. So könne es sein, dass Edeka kurzfristig günstiger sei als Netto.
Wer ist günstiger: Edeka oder Rewe?
Eine weitere Stichprobe soll zeigen, ob vergleichbare Produkte bei Edeka oder dem Hauptkonkurrenten Rewe günstiger sind. Die Preise liegen sehr nah beieinander, besonders die Eigenmarken kosten in der Regel exakt das Gleiche. Am Ende ist Edeka beim Wocheneinkauf einer Familie etwas günstiger als Rewe - 66,98 Euro gegenüber 67,77 Euro.
„Weil Rewe der Hauptkonkurrent für Edeka ist, wird in der Preispolitik sehr viel aufeinander geschaut und man traut sich kaum, höhere Preise als der andere zu nehmen“, sagt Professor Alexander Hennig dazu.
Wie viel spart ihr tatsächlich? Eigenmarken im Test: So günstig sind sie wirklich – aber auch gut?!
Eigenmarken wie „Ja“, „K-Classic“ und „Gut und günstig“ boomen. Der Preis ist gut, aber wie sieht’s mit der Qualität aus? Und wie unterscheiden sie sich von bekannten Marken?
Verschiedene Edeka-Märkte, aber unterschiedliche Preise?
Beim nächsten Check kauft der Marktcheck-Reporter die gleichen Produkte in drei verschiedenen Edeka-Märkten ein. Das Resultat: Die Preise variieren, ein Produkt kostet nicht in jedem Edeka das gleiche.
„Dass es in den Edeka-Märkten unterschiedliche Preise gibt, hat damit zu tun, dass die Edeka-Kaufleute, die die Märkte betreiben, große Eigenständigkeit besitzen. Denn das Unternehmen Edeka ist eine Genossenschaft. Das gehört nicht einer Familie oder Aktionären, sondern den Kaufleuten selbst“, so der Handelsexperte Professor Alexander Hennig.
Auf Nachfrage der Redaktion antwortet Edeka: „Die Kaufleute (…) entscheiden eigenständig über alle unternehmerischen Fragen, so auch über die Sortiments- und Preisgestaltung in ihren Märkten.“
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Warum “reduzierte” Spar-Preise manchmal sogar teurer sind und was es mit "Beispiel-Preisen" auf sich hat.
Qualität von Obst und Gemüse bei Edeka
Edeka-Märkte werben oft und gerne mit der Frische ihrer Produkte. Der Obsthändler Daniel Rebell checkt für uns Obst und Gemüse in verschiedenen Edeka-Märkten. Der Profi ist von der großen Auswahl überrascht.
Viele Produkte haben eine gute Qualität und sind frisch. Es gibt auch viel Regionales und eine Menge Bio-Produkte. Doch der Obst-Experte entdeckt auch einige Produkte, die ihre besten Tage hinter sich haben, beispielsweise Himbeeren, die bereits schimmeln.
Edeka schreibt auf Nachfrage: „Im Bereich Obst & Gemüse führen wir kontinuierlich Kontrollen zur Sicherstellung der Frische der angebotenen Waren durch, sowohl in der Großhandlung als auch im Markt. Bei dem von Ihnen genannten Beispiel gehen wir von einem bedauerlichen Einzelfall aus.“
Wie frisch Obst und Gemüse seien, komme auch auf den Marktleiter an, sagt Daniel Rebell.
Außerdem hat die Marktcheck-Redaktion fünf verschiedene Erdbeerproben ins Labor geschickt, wo die Pestizidbelastung geprüft wurde. Das Labor findet in keiner der Proben Pestizide. Dafür sind in allen Proben ein bis zwei Fungizide nachzuweisen, allerdings unterhalb der Grenzwerte.
Auch Lebensmittelverschwendung spielt laut Studie der DHBW Heilbronn eine Rolle Supermarktkunden sind Frische und Qualität wichtiger als billige Preise
Im Supermarkt achten viele Menschen stark auf Preise. Beim Kauf von Obst und Gemüse gibt es für Kunden laut einer Umfrage aber Wichtigeres.
Ist Obst und Gemüse von Edeka wirklich regional?
Edeka wirbt mit Regionalität. Aber stimmt dieses Image? In einem Markt findet die Marktcheck-Redaktion Erdbeeren direkt aus dem Ort – regionaler geht es nicht.
In einem anderen Markt im Rhein-Main-Gebiet entdeckt die Redaktion Tomaten, die als „regional“ ausgezeichnet sind. Sie kommen aus Hochdorf/Enz in Baden-Württemberg – mehr als 150 Kilometer Entfernung zum Markt.
Noch mehr fallen die als regional beworbenen Äpfel und Birnen vom Bodensee auf. Die Entfernung zum Markt beträgt über 300 Kilometer.
Gesetzlich ist der Begriff „regional“ nicht definiert. Für Edeka ist alles regional, was im Gebiet der Regionalgesellschaft angebaut wird. Selbst wenn Erzeuger und Händler hunderte Kilometer auseinanderliegen.
„Darüber hinaus sind die selbständigen Kaufleute unseres Unternehmensverbunds auf lokaler Ebene vielfach mit zahlreichen Erzeuger- und Lieferbetrieben des direkten Umfelds verbunden“, sagt Edeka dazu.
Labortest Tafeltrauben mehrfach mit Pestiziden belastet
Wir haben Weintrauben von Aldi, Lidl, Rewe und Edeka im Labor auf Pflanzenschutzmittel testen lassen - und sind fündig geworden. Bis zu vier Pestizide gleichzeitig in einer Probe.
Bratwürste im Check: Kann Edeka überzeugen?
Die Marktcheck-Redaktion lässt im Geschmackstest folgende Bratwürste gegeneinander antreten:
- Edeka Gut und Günstig
- Rewe Ja!
- Lidl Dulano
- Meica Bratmaxe
- Edeka Bio
Zuerst testet eine Familie die Bratwürste offen. Das Ergebnis: Vier Stimmen für Rewe und zwei Kinderstimmen für Meica.
Dann gibt es noch eine Blindverkostung mit 100 Passanten. Auch hier bekommt die Wurst von Rewe die meisten Stimmen. Die konventionelle „Gut und Günstig“-Wurst von Edeka landet zusammen mit Meica auf Platz zwei.
Der Fleisch-Sommelier Frank Neumaier analysiert die Inhaltsstoffe der Würste. Alle Würste haben rund 90 Prozent Schweinefleisch. Die Konsistenz der Bratwürste ist durchweg in Ordnung. Und die Angaben auf den Verpackungen der Edeka-Würste stimmen genau mit den tatsächlichen Inhaltsstoffen überein, die Neumaier mit einem Fleisch-Scanner misst.
Pflanzliche Grillwürste im Sommer Vegane Bratwürste vom Grill schmecken inzwischen
Der Handel bietet längst unterschiedliche Veggie-Würstchen an. Zusatzstoffe und bessere Rezepturen machen einige Pflanzen-Würste inzwischen zu einer geschmacklichen Bereicherung.
Wie gut ist der Service bei Edeka?
Im E-Center Stiegler hat Inhaber Sven Stiegler in Service investiert: zum Beispiel in eine Frischmilch-Tankstelle mit Milch von einem regionalen Bauern inklusive Livestream in den Kuhstall. Außerdem gibt es einen Scanner, der die Reife von Avocados mit Hilfe von Infrarot bestimmen kann, und einen Leergutautomaten, in den man mehrere Flaschen und Dosen auf einmal werfen kann.
Es liegt am einzelnen Kaufmann, wie groß er Service in seinem Markt schreibt – deshalb gibt es solche Innovationen auch nicht in jedem Edeka-Geschäft.
In verschiedenen Märkten checkt die Marktcheck-Redaktion das Fachwissen der Mitarbeiter. Das Ergebnis: Insgesamt kennen sich die Mitarbeiter, bis auf wenige Ausnahmen, gut aus.
„Deshalb schulen die selbständigen Kaufleute und wir unsere Mitarbeitenden regelmäßig im Rahmen eines umfassenden Angebots an Aus- und Weiterbildungen. Wenn eine Kundenfrage im Einzelfall nicht direkt beantwortet werden kann, wird in der Regel eine andere Fachkraft beratend hinzugezogen“, sagt Edeka dazu.
Grundsätzlich seien Mitarbeiter bei Edeka vergleichsweise gut ausgebildet, häufig als Verkäufer oder Handels-Kauffrau/-Kaufmann, erklärt Professor Alexander Hennig.
Edeka: Wie nachhaltig ist der Supermarkt?
Wie viele Bio-Produkte gibt es bei Edeka im Vergleich zur Konkurrenz? Aktuelle Zahlen für das vergangene Jahr belegen: eher wenig.
Hier hat der Discounter Aldi deutlich mehr zu bieten. Hinzu kommt, dass Edeka immer noch verhältnismäßig viele Fleischprodukte aus niedrigen Haltungsstufen anbietet.
Franziska Mozart ist Expertin für Nachhaltigkeits-Marketing und die negative Seite davon: das Greenwashing. Dazu, dass Edeka viel Fleisch aus der niedrigen Haltungsform zwei anbietet, sagt sie:
„Das passt nicht ganz zu dem Image, das wir von Edeka haben - ein nachhaltiger, regionaler, vertrauensvoller Händler. Das Fleisch aus diesen Haltungsformen ist zwar erlaubt. Aber auch ein Supermarkt, auch eine Handelsmarke, kann gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Und das ist bei anderen Marken wesentlich stärker ausgeprägt als bei Edeka.”
Auf Nachfrage schreibt Edeka, man wolle bis 2030 nur noch Frischfleisch der Stufen 3 und höher anbieten. Und weiter: „Gemeinsam mit unseren Partnern aus der Landwirtschaft arbeiten wir schon jetzt intensiv daran, den Anteil der Haltungsstufen 3, 4 und 5 weiter massiv auszubauen“.
Doch bislang mangelt es auch an Transparenz. Bei einigen Fleischprodukten sind zwar QR-Codes aufgedruckt, durch die man die Herkunft des Fleisches erfahren können soll. Aber das System liefert oft keine genauen Ergebnisse.
Das nenne man selektive Transparenz, erklärt Franziska Mozart. Transparent sei der Prozess in jenen Schritten, die das Unternehmen in günstigem Licht dastehen ließen, andere Teile der Lieferkette wiederum blieben im Dunkeln.
Edekas Fleischmarke Hofglück steht laut Edeka für tiergerechtere Haltung und Futtermittel ohne Gentechnik. Um das zu überprüfen, besucht die Marktcheck-Redaktion unangekündigt mehrere Hofglück-Bauern. Der Eindruck: Den Tieren scheint es gut zu gehen. Und die Bauern scheuen sich nicht, das auch vor der Fernsehkamera zu zeigen.
Tierhaltung · Woher kommt unser Fleisch?
Woher kommt unser Fleisch? Aus Massentierhaltung oder nachhaltiger Landwirtschaft? Der Film zeigt Arten der Tierhaltung. Unterricht ab Klasse 5.
Fazit
- Edeka gibt sich teilweise grüner als es in Wirklichkeit ist. Doch es gibt auch positive Beispiele wie das Hofglück-Programm.
- Bei der Qualität von Obst und Gemüse gibt es nur wenig Kritik.
- Edeka wirbt mit vielen Produkten aus der Region – aber die kommen teilweise von weit her.
- In Sachen Service schneiden die Edeka-Mitarbeiter gut ab.
- Beim Bratwurst-Test konnte sich Edeka geschmacklich nicht ganz durchsetzen.
- In unseren Stichproben war Edeka preislich günstiger als der Discounter Netto, der ebenfalls zur Edeka-Firmengruppe gehört, und preiswerter als der Hauptkonkurrent Rewe.
Bei Edeka können sich die Preise von Markt zu Markt unterscheiden durch die genossenschaftliche Unternehmensstruktur – genau wie das Angebot in den Märkten und ihre Größe.