"Extreme candies" werden online und inzwischen auch im normalen Handel angeboten. Sie heißen zum Beispiel "warheads“, also "Kriegsköpfe", oder "brainblaster" - was so viel wie "Gehirnsprenger" bedeutet.
Für manche klingt das nach einem harmlosen Spaß für junge Leute, aber die Verbraucherschützer von Foodwatch warnen davor.
Teils bedenkliche Inhaltsstoffe in extrem sauren und bunten Süßigkeiten
- Diese Süßigkeiten können unter anderem hoch dosierte Säuerungsmittel wie Zitronensäure enthalten - sie können die Milchzähne von Kindern schädigen.
- In Bonbons kann außerdem ein konservierender Stoff enthalten sein, der auch als Wirkstoff gegen Motten eingesetzt wird. Dieser kann die Immunabwehr und das Hormonsystem beeinträchtigen und möglicherweise Krebs fördern.
- Auch sogenannte Azofarbstoffe sind teils in sauren Totenköpfen oder Zuckerbällen enthalten. Sie können neben allergischen Reaktionen auch die Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen.
Mit solchen Zusatzstoffen in Süßigkeiten bekommen Markennamen wie "toxic waste" - also Giftmüll - eine zusätzliche Dimension.
Verbraucherorganisation Foodwatch fordert strengere Überwachung
Ernährungsexperten von Foodwatch zufolge sollte die mögliche Gefahr durch solche Stoffe eindeutig benannt werden - zum Beispiel durch Warnhinweise auf der Verpackung in einer lesbaren Schriftgröße. Das würde mehr Bewusstsein für die problematische Seite dieser Süßigkeiten schaffen. Der Einsatz bestimmter Stoffe in Süßigkeiten sollte laut der Organisation außerdem strenger überwacht werden.
Auch ein Werbeverbot für ungesunde Kinderlebensmittel könnte etwas ausrichten. Doch ein entsprechender Vorschlag des ehemaligen Ernährungsministers Cem Özdemir (Grüne) ist am Widerstand der Ampel-Koalitionspartner gescheitert.
Dabei belegen Untersuchungen, dass Kinder zwischen drei und 13 Jahren jeden Tag bis zu 15 Werbespots für ungesunde Lebensmittel sehen. Bislang sind auch Vorschläge des von der Bundesregierung initiierten Expertenrats für Ernährung nicht umgesetzt worden.
Extreme candy challenge bedeutet viel kostenlose Werbung
Ein weiterer bedenklicher Aspekt von "candy challenges" in Netzwerken wie Tiktok und Instagram: Die Bezeichnung "Challenge" - also: Herausforderung - ist eine extrem clevere Marketing-Strategie - ein scheinbar lustiger Wettbewerb, der bei Kindern und Jugendlichen verfängt.
Aufgeregt schnatternde junge Leute, die ihre quietsch-blauen oder -grünen Zungen in die Kamera halten, vermitteln zwar inhaltlich nichts - sie sind dafür aber sehr unterhaltsam mit ihren Grimassen, wenn sie die meist extrem sauren Süßigkeiten probieren.
Sie produzieren Werbevideos für Gleichaltrige und Jüngere. Und die Hersteller müssen noch nicht einmal Geld für die Kampagne ausgeben.