Montagmittag in einer Eierpackstelle in Nordrhein-Westfalen. Die Sortierbänder stehen still. Statt Eier zu sortieren, reinigen Mitarbeiter die hochmoderne Anlage.
Bis zu 400.000 Eier am Tag könnte die Anlage verarbeiten. Heute Morgen waren es nur etwa 90.000. Und das sei kein Einzelfall in der Branche, sagt Packstellenbetreiber Henning Gauer: "Dass es alle gleichzeitig trifft, habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt. Manche Betriebe liefern nur noch 50 oder 60 Prozent der Menge."
Es kommen zu wenige Eier von den Höfen an, erklärt Gauer. Viele vermarkten inzwischen einen Teil ihrer Eier selbst. Weil die Nachfrage von allen Seiten hoch ist, bleibt weniger Ware für Packstellen – und damit für den Großhandel.
Eierpreise steigen deutlich
Die Folgen merken Verbraucher im Supermarkt. In vielen Märkten fehlen Eier, gleichzeitig steigen die Preise.
Die klassische Zehnerpackung Eier aus Bodenhaltung kostete bei Discountern lange weniger als zwei Euro. Inzwischen liegt sie bei etwa 2,49 Euro – etwa 25 Prozent mehr.
Viele Kunden nehmen das hin. "Egal, wo Sie hingehen, überall sind die Eier teurer", sagt eine Kundin im Supermarkt. "Aber was wird nicht teurer?"
Deutschland ist auf Eierimporte angewiesen
Ein Grund für die angespannte Lage: Deutschland produziert nicht genug Eier selbst. Nur etwa 72 Prozent des Bedarfs stammen aus heimischer Produktion. Der Rest wird importiert – vor allem aus den Niederlanden und aus Polen.
Wenn dort Probleme auftreten, wird es auch hier schnell knapp.
Vogelgrippe und weniger Betriebe
In Deutschland mussten in dieser Saison hunderttausende Legehennen wegen der Geflügelpest getötet werden. In Polen traf es sogar mehrere Millionen Tiere.
Auch Landwirt Wilhelm Püllen aus Nörvenich sorgt sich um seine 40.000 Hühner. Besucher dürfen deshalb nicht in den Stall. "Wir versuchen, den Menschenverkehr zu minimieren", sagt er. "Wenn wir hineingehen, ziehen wir uns komplett um und gehen durch eine Hygieneschleuse."
Hinzu kommt ein weiteres Problem: In den Niederlanden werden derzeit viele landwirtschaftliche Betriebe geschlossen oder verkleinert, weil strengere Umweltauflagen gelten. Dadurch fehlen Deutschland rein rechnerisch bis zu 300 Millionen Import-Eier pro Jahr.
Eierkonsum steigt
Während das Angebot sinkt, steigt die Nachfrage. Der durchschnittliche Verbrauch liegt inzwischen bei etwa 255 Eiern pro Person und Jahr.
Dabei zählen nicht nur Frühstückseier. Auch in Nudeln, Backwaren, Mayonnaise oder Süßspeisen stecken Eier – oft in verarbeiteter Form. "Das Ei hat seinen Status als Cholesterinbombe verloren und gilt heute als hochwertiger Proteinträger", sagt der Vorsitzende des Bundesverbands Ei, Hans-Peter Goldnick.
Mehr Eier zu produzieren ist schwierig
Kurzfristig lässt sich die Produktion kaum steigern. Legehennen beginnen erst mit etwa fünf Monaten Eier zu legen. Nach rund einem Jahr sinkt ihre Leistung schon wieder.
Viele Landwirte lassen ihre Tiere derzeit trotzdem länger legen, um Produktionslücken zu vermeiden. Doch die Eier werden kleiner und die Qualität nimmt ab.
Neue Ställe sind teuer
Mehr Ställe könnten langfristig helfen – doch das ist teuer und aufwendig. "Ich würde sofort noch einen weiteren Stall bauen.“, sagt Landwirt Püllen. "Aber heute wäre er rund 20 bis 25 Prozent teurer als vor ein paar Jahren – und durch strengere Umweltauflagen kämen zusätzliche Kosten dazu."
Warum manche Eierregale leer sind
Dass manche Supermärkte besonders leere Regale haben, liegt auch an der Sortimentsstrategie. Wenn bestimmte Größen oder Haltungsformen fehlen, wirken Regale schnell leer. Händler mit größerer Auswahl können das besser ausgleichen.
"Wenn mir eine Sorte fehlt, ziehe ich die anderen einfach breiter im Regal", erklärt Supermarktleiter Carsten Zielke. "Dann sieht es wieder voller aus."
Es gibt Eier – aber nicht immer die gewünschte Sorte
Die gute Nachricht: Eier gibt es weiterhin. Doch der Markt arbeitet ohne große Reserven. Vogelgrippe, weniger Importe und steigende Nachfrage treffen gleichzeitig aufeinander. Schon kleine Ausfälle werden im Supermarktregal sichtbar – und die Preise steigen.