Pfeffer ist nicht gleich Pfeffer

Pfeffer im Test: Ist teuer auch besser?

Pfeffer aus Supermarkt und Discounter unterscheidet sich stark in Preis und Geschmack. Wie sieht es aus mit Schadstoffen und Pestizidbelastung? Und welcher Pfeffer ist gar keiner?

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Von Autor/in Martin Küstermann, Stefanie Waldschmidt, Eva Gnädig

Pfeffer ist die weltweit am meisten verwendete Gewürzpflanze. Über 20.000 Tonnen werden jährlich allein nach Deutschland importiert.

Am beliebtesten ist dabei der schwarze Pfeffer. Doch er unterscheidet sich stark in Geschmack und Preis.

Welcher Pfeffer im ganzen Korn kann die Verkoster der ARD Verbraucher-Redaktion überzeugen? Im Labor lässt ihn die Redaktion auf Pestizide und Schadstoffe hin untersuchen. Bei welchem Pfeffer lohnt sich der Kauf? Und warum ist Pfeffer nicht gleich Pfeffer?

Gehen, wohin der Pfeffer wächst – wo ist das denn?

Wer dorthin gehen möchte, wo der Pfeffer wächst, müsste weit reisen. Denn die Gattung Pfeffer ist mit ihren über 1.000 Arten fast in den gesamten Tropen zu finden.

Woher der Pfeffer ursprünglich stammt, ist nicht abschließend geklärt. Bei einer so alten Nutzpflanze ist es häufig schwer, die Herkunft exakt festzustellen.

Als gesichert gilt: Der älteste Nachweis für die Verwendung von Pfeffer als Gewürz stammt aus Indien. Dort wird Pfeffer schon seit mindestens 4.000 Jahren kultiviert.

Durch den weiten Importweg nach Europa konnten sich lange Zeit nur die reichen “Pfeffersäcke” die “gepfefferten” Preise für das teure Gewürz leisten.

Der Echte Pfeffer (lateinisch: piper nigrum) ist eine Liane. Von ihm stammen die Früchte, die als Pfeffer schwarz, weiß oder auch grün kulinarisch und auch medizinisch genutzt werden.  

Schwarz, weiß, grün und rot? – Pfeffer ist nicht gleich Pfeffer

Die Früchte des echten Pfeffers sind im reifen Zustand orange-farbene Beeren. Je nach Erntezeitpunkt und anschließender Verarbeitung werden daraus schwarze, weiße oder auch grüne Pfefferkörner hergestellt.

  • Schwarzer Pfeffer: Hierfür werden die Pfefferfrüchte knapp vor der Reife gepflückt, fermentiert und dann getrocknet.
  • Weißer Pfeffer: Für ihn werden die Früchte vollreif geerntet. Die äußere Fruchthülle wird entfernt. Es bleibt der innere, weiße Teil der Frucht zurück.
  • Grüner Pfeffer: Er wird unreif geerntet und in Lake eingelegt. Dadurch bleiben die Körner grün, es findet keine Fermentation statt.
  • Rosa oder roter Pfeffer: Er ist meistens gar kein echter Pfeffer.

Roter Pfeffer ist meist gar keiner

Ohne die rosa oder roten Beeren wäre die “Bunte Pfeffermischung” nicht bunt. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Beeren des Echten Pfeffers, sondern um die Frucht des brasilianischen Schinusbaumes, auch Schinusbeere genannt.

Sie ist eine pfefferähnliche Pflanze, die verwendet wird, weil sich der echte rote Pfeffer durch seine Überreife so gut wie nicht trocknen lässt.

Gibt es echten roten Pfeffer?

Ja, es gibt echten roten Pfeffer. Durch die Überreife seiner Früchte lässt er sich allerdings nicht trocknen. Er ist zudem nur in geringen Mengen verfügbar.

Echten roten Pfeffer gibt es in Lake in Feinkostgeschäften zu kaufen. Er gilt als Pfeffer der Sterneköche, weil die Beeren so schön rot und durch die Lake schön prall sind. Echter roter Pfeffer ist sehr teuer.

Eine Ausnahme stellt der rote Kampot-Pfeffer dar. Er lässt sich als einzige Pfeffersorte rot und vollreif trocknen. Er stammt aus Kambodscha - genauer: aus Kampot, einer Provinz im Südosten des Landes.

Der rote Kampot-Pfeffer wird vollreif von Hand geerntet und unter der Sonne getrocknet. Kampot-Pfeffer gehört zu den rarsten Pfeffersorten der Welt. Auch er ist sehr teuer.

Schwarzer Pfeffer im Test: große Unterschiede beim Preis

Am häufigsten als Küchengewürz genutzt wird der schwarze Pfeffer. Ihn hat die ARD-Verbraucher-Redaktion auf Preis, Geschmack und Qualität getestet.

Insgesamt sechs schwarze Pfeffer aus Discounter und Supermarkt treten in diesem Check gegeneinander an - alle als ganzes Korn. Preislich liegen sie weit auseinander.

Drei Eigenmarken:

  • Kaufland für 1,49 Euro pro 100 Gramm
  • Aldi Süd für 1,98 Euro und
  • Penny für 1,98 Euro.

Außerdem drei Marken-Pfeffer:

  • Ostmann für 4,78 Euro,
  • Hartkorn für 6,15 Euro und
  • Fuchs für 6,65 Euro.

Pfeffer im Vergleich: Schmeckt der teure auch besser?

Der Markenpfeffer von Fuchs kostet mehr als viermal so viel wie die Eigenmarke von Kaufland. Ist der Geschmack das Geld wert? Das finden die Pfeffer-Geschmackstester der ARD-Verbraucher-Redaktion heraus: Gewürz-Sommelière Manuela Mahn, der Spitzenkoch Alexander Schütz und Hannah Martin vom Deutschen Gewürzmuseum.

Für die Verkostung wird der schwarze Pfeffer im Mörser zerstoßen, damit das Aroma besser zur Geltung kommt. Um welches Produkt es sich jeweils handelt, wissen die Verkoster  nicht.

Günstiger Pfeffer im Geschmacksvergleich: zuerst Penny

Zunächst wird gerochen, dann probiert. Los geht es mit den Pfefferkörnern von Penny.

Der Penny-Pfeffer kann die Verkoster der ARD-Verbraucher-Redaktion weder geruchlich noch geschmacklich überzeugen. Er riecht für sie “flach” und weist wenig Geschmack auf - stattdessen ein “Fehl-Aroma”.

Auf die Nachfrage der ARD-Verbraucher-Redaktion antwortet Penny nicht.

Pfeffer günstiger Eigenmarken im Vergleich: Kann Aldi überzeugen?

Der Pfeffer von Aldi Süd riecht für die Verkoster in diesem Test “aromatischer”. Im Geschmack zeigt er sich allerdings ebenfalls “flach” und mit einem “komischen Nachgeschmack”.

Aldi Süd antwortet dazu auf Nachfrage der ARD-Verbraucher-Redaktion: “Geschmackliche Wahrnehmungen können individuell unterschiedlich ausfallen, die externen Prüfungen von Aldi Süd zeigen keine qualitativen Abweichungen. Aldi Süd nimmt dennoch Rückmeldungen aus Produkttests sehr ernst und wird Ihre Rückmeldung zum Anlass nehmen, um die Qualität des schwarzen Pfeffers zu überprüfen.“

Wie schneidet der günstigste Pfeffer ab - von Kaufland?

Der Pfeffer von Kaufland kann die Verkoster dieses Tests geruchlich und geschmacklich weit mehr überzeugen. Sie empfinden ihn als geschmeidig, elegant” und “komplexer” als die beiden ersten Pfeffer-Produkte.

Pfeffer im Geschmackstest: Schmeckt der teuerste von Fuchs besser?

Jetzt sind die Markenprodukte im Test dran - zunächst der teuerste des Vergleichs, vom Gewürzhersteller Fuchs.

Ihn empfinden die Verkoster der ARD-Verbraucher-Redaktion geruchlich und geschmacklich als “eine Liga drüber”, “angenehm”, “super”. Er erinnert sie geschmacklich sogar an “Sommer”.

Pfeffer im Check: Kann der teure von Hartkorn überzeugen?

Der Marken-Pfeffer von Hartkorn ist für die Tester wieder “eher ein Schritt zurück”. Er schmeckt “solide, aber auch kein Highlight”, “nichts Besonderes”.

Pfeffer im Geschmacksvergleich: Wie ist der von Ostmann?

Der Pfeffer von Ostmann überzeugt die Verkoster sowohl geruchlich als auch geschmacklich. Er spielt für sie “in der Oberklasse”, schmeckt “am rundesten”, weist Zitrus- und Harznoten auf.

Pfeffer im Labortest: Schadstoffbelastung?

Wie sieht es mit der Schadstoffbelastung der Pfefferkörner im Test der ARD-Verbraucher-Redaktion aus? Im Labor werden sie analysiert.

Lebensmittelchemikerin Monika Dust untersucht sie auf Mineralölkohlenwasserstoffe - kurz MOSH und MOAH.

Wir haben in keiner der Proben MOAH gefunden. Wir haben in drei Proben Spuren von MOSH gefunden, aber in sehr geringen Konzentrationen. Das ist überhaupt nicht kritisch.

Entwarnung also bei den Mineralölkohlenwasserstoffen.

Pfeffer im Labor: Sind Pestizide enthalten?

Rückstände von Pestiziden findet das Labor in mehreren Produkten. Grenzwerte seien jedoch von keinem einzigen Produkt überschritten worden, so Lebensmittelchemikerin Dust.

Fazit der ARD-Verbraucher-Redaktion im Pfeffer-Vergleich

Im Labor wurde bei keinem der Produkte in diesem Check eine bedenkliche Schadstoffbelastung festgestellt.

Geschmacklich können Penny und Aldi nicht überzeugen. Besser: der günstige Kaufland-Pfeffer. Auch der teurere Pfeffer von Hartkorn liegt im Mittelfeld.

Am besten haben den Verkostern die Markenprodukte von Fuchs und vor allem von Ostmann geschmeckt. Er ist unter den Marken-Pfeffern übrigens der günstigste in diesem Produktvergleich.

Tipp der Gewürz-Expertin zur Verwendung von Pfeffer

Gewürz-Sommelière Manula Mahn hat einen wichtigen Tipp für das Würzen mit Pfeffer: Damit das volle Pfeffer-Aroma erhalten bleibt, die Speisen immer erst kurz vor dem Servieren pfeffern.

Der Scharfstoff im Pfeffer, Piperin, ist hitzestabil - die Schärfe bleibt also. “Aber durch die Wärme verflüchtigten sich die Aromen”, erklärt die Expertin.

Und wie gesund ist Pfeffer?

Im indischen Ayurveda und in der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) kommt Pfeffer schon lange zum Einsatz.

Auch die moderne Forschung beschäftigt sich zunehmend mit dem Hauptinhaltsstoff des schwarzen Pfeffers: Piperin. Erste Studien weisen auf antioxidative, schmerz- und womöglich krebshemmende Wirkungen hin.

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