Hammer, Schraubenzieher, Inbusschlüssel - sollten im Haushalt nicht fehlen. Wer weiß, wie man mit Werkzeugen wie diesen umgeht, kann mit einfachen Heimwerker-Handgriffen Geld für den Handwerker sparen. Aber: Dafür muss die Qualität der Werkzeuge stimmen.
Im Test: fünf Werkzeugkoffer, vom Schnäppchen bis zur Profimarke. Der mit 22 Euro günstigste Koffer wurde über die chinesische Online-Plattform Temu bestellt, der Anbieter heißt Efan Home. Der teuerste ist von Würth und kostet stolze 286 Euro, eigentlich nur im Fachhandel für Profis erhältlich, über Internethändler aber auch für den Endkunden einfach zu bestellen. Im preislichen Mittelfeld: Ein Werkzeugkoffer von Brüder Mannesmann für 75 Euro, ein 90-Euro-Koffer von Parkside, der Eigenmarke des Discounters Lidl, und ein Bosch-Koffer für rund 121 Euro. Enthalten sind je nach Koffer zwischen 64 und 108 Teile; nicht jeder Koffer hat jedes Werkzeug.
Wie präzise greifen die Zangen, wie hoch ist die Schneidkraft der Klingen, wie hart der Hammer? Im Labortest werden diese und weitere Werte ermittelt. Das Handling und die Alltagstauglichkeit beurteilen zwei Reparatur-Profis.
Im Praxistest zeigt sich bei einigen Werkzeugen direkt ein Qualitätsproblem
Michaela Mocke ist Meisterin im Zweiradmechaniker-Handwerk und Betreiberin eines mobilen Fahrradservices im Havelland. Gemeinsam mit Tischlermeister Matthias Wilke, den alle Willi Wood nennen, macht sie den Praxistest: Wie funktionieren die Werkzeuge im Alltag? Für Mocke ist dabei, neben der Qualität, auch die Handhabbarkeit von Koffer und Werkzeugen wichtig.
Ihre Erfahrung: Nicht immer ist das teuerste Werkzeug das Beste, denn manchmal ist gerade dieses zu klobig. Für den Tischlermeister aus dem Brandenburger Brieselang im Fokus des Praxistests: Funktionalität der Produkte und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Doch schon bei der ersten Aufgabe, einer kleinen Fahrradreparatur, zeigen sich Schwachstellen bei manchen Test-Produkten. Im günstigsten Koffer, dem von Efan Home, sind die enthaltenen Sechskantschlüssel nicht gleichmäßig gearbeitet. Der für die Aufgabe passende Inbusschlüssel? Passt nicht. Im Labor wird später auffallen, dass der gesamte Satz Inbusschlüssel nicht passgenau ist.
Bei Würth gefallen der Testerin die Torx-Schraubendreher nicht, deren Handling empfindet sie als komplizierter als bei den anderen Anbietern. Parkside, Brüder Mannesmann und Bosch hingegen überzeugen die Praktiker bei diesem ersten Test.
Günstige Werkzeugkoffer schneiden gut ab, billige hingegen nicht
Als nächstes schauen sich Mocke und Wood die Handsägen an. Nur die Koffer von Bosch, Parkside und Temu enthalten überhaupt eine – alle drei liefern ein Metallsägeblatt. Die Säge von Efan Home enttäuscht die Handwerkprofis allerdings direkt wieder. Nach dem ersten Versuch, Aluminium durchzuschneiden, sind in der Mitte des Sägeblatts schon nicht mehr viele Zähne übrig. Die Sägeblätter bei den insgesamt stabileren Produkten von Bosch und Parkside sind hingegen auch nach einem Versuch noch scharf.
Ähnliches Spiel bei den Wasserpumpenzangen, die nur im Koffer von Bosch fehlt. Bei Würth, Parkside und Brüder Mannesmann sitzen die Zangen sauber an den mitgebrachten Rohren. Die Zange von Efan Home ist für die Zweiradmechanikerin und den Tischler ein Ärgernis, sie umfasst das Rohr nicht richtig.
Schneidkraft und Rostanfälligkeit der Werkzeuge im Labortest
In einem Hamburger Labor wird die Qualität der Werkzeuge getestet. Unter anderem die Schneidkraft. Wie viel Handkraft braucht man, um mit der Kombizange einen Nagel zu durchtrennen? Je niedriger der Wert, desto besser. Würth liegt vorn mit 295 Newton. Parkside bildet mit 459 Newton das Schlusslicht.
Laut Marcus Walther vom Prüflabor Qima Testing bedeutet dies, dass Verbraucher viel Handkraft benötigen, um mit der Kombizange den Nagel zu durchschneiden – ein Hinweis darauf, dass der Schneider eventuell schon stumpf sei, oder zumindest nicht so scharf wie bei den anderen Modellen. Für den Heimwerker kann das heißen, dass seine Hand bei der Arbeit schneller ermüdet oder schmerzt.
Lidl erklärt gegenüber der ARD-Verbraucherredaktion, dass der ermittelte Wert im Rahmen der Norm läge, bei eigenen Prüfungen sei man auf 438 Newton gekommen.
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Als nächstes testet Walther die Geräte auf Korrosion. Dafür verbleiben sie 72 Stunden im feucht-warmen Wechselklima; erst dann zeigt sich, wie anfällig die Kombizangen für Rost sind.
Bei Würth ist ein kleiner Fleck auf der Zange entstanden. Bei Parkside gibt es mehr Spuren. Über einen langen Zeitraum gesehen könne das zu Bauteilversagen führen, so Walther: Das Werkzeug könne kaputt gehen, wobei sich der Nutzer verletzen könnte.
Laut Lidl bestehen die Zangen aus geprüftem C55-Stahl. Für die Langlebigkeit sei jedoch „eine trockene Lagerung und regelmäßige Pflege, beispielsweise mit handelsüblichem Öl (...)“ wichtig.
Und Hersteller Würth stellt klar:
Bei dem Werkzeugkoffer handelt es sich um ein älteres Modell aus 2021, das über Wiederverkäufer in den Markt gelangte.
Die Zangen seien bewusst nicht verchromt, ein ressourcenschonenderes Verfahren. Dafür aber rostanfälliger. Und weiter: „Der eingesetzte Vergütungsstahl sorgt dafür, dass dies lediglich optische und keine funktionalen Auswirkungen hat.“
Wenn der Hammer nicht hart genug ist
Und die mitgelieferten Hämmer? Ebenfalls bei Qima Testing lässt die Redaktion die Härte der metallenen Hammerköpfe testen. Ist das Metall zu weich, nutzt es sich schnell ab. Zu hart darf es aber auch nicht sein, dann kann es brechen. Bei der Testung dringt ein geschliffener Diamantkörper in die Metalloberfläche ein und gibt einen Härtewert an. Je höher der Wert, desto härter das Material. „Ein Hammer sollte im Bereich zwischen 50 und 60 Rockwell liegen“, erläutert Walther. Efan Home fällt mit nur 15 bis 7 Rockwell durch, das verwendete Metall ist viel zu weich. Am zweitschlechtesten im Test: Brüder Mannesmann mit 29 bis 12 Rockwell. Am besten schneidet Würth ab – mit 53 bis 37 HRC liegt der Wert klar im Profi-Bereich.
Brüder Mannesmann antwortet auf Anfrage der Verbraucherredaktion, der Hammer unterliege einer gültigen TÜV GS-Zertifizierung, im Rahmen derer die Produktion regelmäßig überwacht und geprüft werde – einschließlich der Härtung.
Vor diesem Hintergrund erscheinen uns die vom von Ihnen beauftragten Labor ermittelten Werte nicht plausibel.
Auch Efan Home von der Temu-Bestellung wird um Stellungnahme gebeten; es kommt trotz mehrfacher Nachfrage keine Antwort.
Labor- und Praxistest zeigen deutlichen Verlierer beim Werkzeugkoffer-Test
Insgesamt zeigt sich: Im Labor zählen andere Kriterien als im Alltagseinsatz. Bei den Praxistestern liegen die Werkzeugkoffer von Brüder Mannesmann und Parkside vorne, deren Gesamtpakete – vor allem Werkzeugvielfalt und Qualität - Mocke und Wood überzeugen.
Auch der Bosch sei qualitativ hochwertig, allerdings nicht komplett ausgestattet. Würth hingegen sei stark für Profis, aber weniger alltagstauglich.
Und Efan Home? Fällt bei den Experten durch.
Überhaupt keine Kaufempfehlung. Egal wie billig
Im Labor liegt hingegen der Bosch-Koffer vorne, dicht gefolgt von dem Werkzeug-Kasten von Würth. Parkside und Brüder Mannesmann landen im Mittelfeld. Einzige Parallele zum Praxistest: Efan Home landet auch im Prüflabor auf dem letzten Platz.
Das Ergebnis dieses Tests: Für gelegentliche Reparaturen reicht also ein Werkzeugkoffer ab etwa 70 Euro. Wer öfter schraubt, sollte in Qualität investieren. Und Billigangebote aus Fernost? Da ist das Risiko größer als der Nutzen.