Chat GPT, Gemini & Co.

Günstig shoppen mit künstlicher Intelligenz - funktioniert das?

Ob Waschmaschine, Fernseher oder Kühlschrank – wer ein neues Gerät sucht, schaut danach oft im Internet. Immer mehr nutzen außer Google auch KI-Assistenten. Sind sie verlässlich?

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Von Autor/in Daniela Fonrobert , Tom Müller / WDR Servicezeit, 22.10.2025

Wer neue elektrische Geräte sucht, beginnt die Suche meist im Internet. Immer mehr Verbraucher nutzen dafür allerdings nicht mehr Google und Co., sondern gehen gleich zu KI-Assistenten: ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity sollen helfen, die besten Produkte zum günstigsten Preis zu finden. Doch wie zuverlässig sind diese Assistenten wirklich?

Wir machen den Praxistest. Eine Waschmaschine soll es sein, exemplarisch natürlich. Ein Beispiel, das auch für andere Produktgruppen steht – von Smartphones bis Fernseher. Immerhin werden KI-Assistenten im Kaufprozess vor allem zu Elektrogeräten und Reiseangeboten befragt.

Fachmann vs. KI

Zuerst holen wir uns aber Rat von einem "waschechten", lebendigen Experten: Stefan Berg, langjähriger Berater in einem Kölner Elektrofachgeschäft. Für ihn zählen beim Waschmaschinenkauf für eine durchschnittliche Familie klare Kriterien: "Sie sollte sieben oder acht Kilo fassen, eine Edelstahltrommel haben, möglichst leise laufen und mindestens Energieklasse A erreichen", sagt Berg.

Auch Extras wie ein Aqua-Stop zum Schutz vor Wasserschäden und diverse Kurzprogramme wie zum Beispiel für Sportkleidung seien wichtig.

Wir legen unser Budget auf 400 Euro fest (laut Statista in etwa der Preis, den die Menschen in Deutschland im Schnitt pro Maschine zahlen) und machen uns mit diesen Eckpunkten an den KI-Test.

Drei Assistenten – sieben Ergebnisse

Wir testen die beiden in Deutschland am häufigsten verwendeten KI-Assistenten ChatGPT und die Google-Tochter Gemini. Dazu kommt noch das eher faktenbasierte Perplexity. Auch Online-Versandhändler wie Otto oder Amazon haben eigene KI-Assistenten entwickelt. Da die aber nur zu Produkten aus dem eigenen Portfolio beraten, testen wir sie hier nicht.

Unsere drei KI-Assistenten bekommen dieselbe Aufgabe: Eine Waschmaschine für rund 400 Euro, energiesparend und alltagstauglich. Doch statt einheitlicher Empfehlungen ergibt sich ein äußerst buntes Bild:

  • ChatGPT schlägt ein Modell vom chinesischen Hersteller Hisense und eines von der türkischen Marke Beko vor, verweist aber zum Kauf nur auf Preisvergleichsseiten wie idealo.de.
  • Gemini liefert drei andere Vorschläge und verweist ebenfalls auf die üblichen Preisvergleichsportale.
  • Perplexity legt noch Testberichte dazu – darunter eine Bosch-Maschine, die allerdings über 600 Euro kostet und nur Effizienzklasse B erreicht.

Am Ende stehen sieben unterschiedliche Modelle. Für Verbraucher, die Orientierung suchen, ist das eher verwirrend als hilfreich.

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Warum so viele verschiedene Antworten?

Die Erklärung liefert Robert Fahle von neuland.ai. Er entwickelt KI-Anwendungen und berät Unternehmen bei der Einführung neuer Technologien. "Jede KI arbeitet mit anderen Quellen", sagt er. "ChatGPT ist stark auf den Dialog mit dem Nutzer ausgelegt. Gemini kann auf Google-Ergebnisse zurückgreifen. Perplexity wiederum kombiniert Marktstudien und Preisvergleiche."

Dass am Ende unterschiedliche Geräte auf der Liste landen, sei deshalb kaum zu vermeiden.

Tipps: So klappt es besser mit der KI

Fahle rät, die Assistenten nicht nur allgemein zu fragen, sondern ihnen eine konkrete Rolle zu geben. "Wenn ich die KI als meinen Einkaufsberater anspreche, reagiert sie anders, als wenn ich nur frage 'Welche Waschmaschine ist die Beste?'", erklärt er.

Besser sei es, schrittweise und dialogisch mit dem KI-Assistenten vorzugehen, Fragen zu beantworten, Antworten nachzufassen und gezielt nach Testergebnissen oder Kundenbeschwerden suchen zu lassen.

Hilfreich sei auch, mehrere Assistenten parallel einzusetzen und die Ergebnisse am Ende wieder in eine KI einzugeben. „Dann kann man die Vorschläge zusammenfassen lassen und hat eine bessere Grundlage für die Entscheidung“, so Fahle.

Dieser Ansatz eigne sich nicht nur für Elektrogeräte wie Waschmaschinen, sondern auch für Fernseher, Smartphones, Möbel, Kleidung oder sogar Reisebuchungen. Überall dort, wo viele Kriterien und Angebote verglichen werden müssen, kann KI eine gute Unterstützung sein – solange man selbst kritisch bleibt.

Vom Assistenten zum Einkaufsagenten

Professor Wolf Ketter von der Universität Köln erforscht seit Jahren die Rolle künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft. Er sieht den nächsten Entwicklungsschritt bereits nahen.

KI wird bald nicht nur beraten, sondern auch selbst einkaufen können. Dann gebe ich einmal ein, was ich perspektivisch benötige und welche Kriterien mir wichtig sind – und wenn ein passendes Angebot auftaucht, schlägt die KI automatisch zu.

In den USA wird das von Konsumenten bereits gelebt. Die Möglichkeiten nehmen rapide zu. ChatGPT testet derzeit die direkte Kaufmöglichkeit in Kooperation mit der Supermarktkette Walmart und mit Onlineplattformen wie Shopify.

Das klingt praktisch, wirft aber auch Fragen auf: Wie neutral sind die Empfehlungen dann noch, wenn die KI direkt mit einzelnen Händlern zusammenarbeitet? Drohen ähnliche interessensgeleitete Suchergebnisse wie bei Google?

Ketter mahnt zur Vorsicht: „Wir dürfen unser kritisches Denken nicht verlieren. Wer Vorschläge nicht hinterfragt, läuft Gefahr, falsche Entscheidungen zu treffen. KI-Assistenten können uns beim Sammeln von Informationen enorm helfen und Prozesse abkürzen, aber wir müssen dabei selbst genau hinsehen“.

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Was im Praxistest herauskommt

Am Ende jagen wir noch einmal alle Vorschläge durch die KI-Assistenten und lassen sie diese für uns ranken. Zwei Favoriten kommen heraus: eine Maschine von Haier für knapp 398 Euro und eine Bosch für 433 Euro - mit Lieferung für rund 498 Euro. Beide lassen wir noch einmal von Fachberater Stefan Berg prüfen.

Das Urteil: "Von den Verbrauchsdaten und der Preis-Leistung her kann man durchaus die Haier nehmen. Die erfüllt auch die Vorgabe der 400 Euro", sagt Berg. Die Bosch sei aber qualitativ hochwertiger, mit Aqua-Stop ausgestattet und werde wahrscheinlich auch länger halten – dafür ist sie auch etwas teurer. Insgesamt attestiert der Experte unseren KI-Assistenten, dass sie einen guten Job gemacht haben.

Fazit

Künstliche Intelligenz kann beim Einkaufen helfen – sie liefert Anhaltspunkte, sortiert Informationen und zeigt Alternativen.

Doch egal, ob Waschmaschine, Fernseher oder Reise: Die Entscheidung bleibt bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern selbst.

KI ist ein nützliches Werkzeug, ersetzt aber nicht die eigene Prüfung – und auch nicht den Rat eines erfahrenen Fachmanns.

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