Praxistest

Sonnencremes mit Extraversprechen: Schutz – und gleichzeitig Schönheit?

Mehr Glow, ebenmäßigere Haut, Schutz vor Pigmentflecken: Bei vielen Sonnencremes versprechen Hersteller mehr als nur Schutz. Drei Frauen und ein Mann checken im Selbstversuch, was die Wirkstoffe können.

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Von Autor/in Laura Wolf , RBB Super.Markt

Sonnencremes schützen vor allem vor Sonnenbrand und Hautkrebs. Aber auch Hautalterung und - je nach Inhaltsstoffen - Pigmentflecken beugen sie vor. Viele Hersteller werben deshalb besonders mit diesen Eigenschaften.

Zusätzlich versprechen sie einen gesunden Glow, ebenmäßigen Teint oder, wer das lieber mag, mattierende Eigenschaften. Doch wie wirksam sind die enthaltenen Wirkstoffe?

Vier Spezial-Sonnencremes im Test  

Drei Frauen und ein Mann machen für die ARD-Verbraucher-Redaktion den Test: Können nach dem Test positive Veränderungen festgestellt werden? Vier Wochen lang tragen sie täglich eine handelsübliche Spezial-Sonnencreme auf. 

Auf die Haut kommen:

  • das „Anti Dark Spot Sonnenserum“ der dm-Eigenmarke Sundance für 11,90 Euro pro 100 Milliliter
  • von Rossmann die Eigenmarke Sun Ozon mit dem „Anti-Pigmentflecken Sonnenfluid“ für 11,98 Euro
  • ein Sonnenfluid vom Klassiker Nivea für 43,63 Euro pro 100 Milliliter,
  • und eines von La Roche Posay für 71,58 Euro pro 100 Milliliter - damit kostet es fast sechsmal so viel wie das günstigste Produkt im Test.

Gemeinsam haben sie alle: Lichtschutzfaktor 50+ - und diverse Zusatzversprechen. 

Was können Anti-Pigmentflecken-Wirkstoffe überhaupt leisten? 

Doch können die Zusatzversprechen der Hersteller überhaupt etwas bringen? Professorin Martina Meinke erforscht seit Jahren an der Charité Berlin, wie Sonnenschutz und Hilfsstoffe in der Haut wirken.

Ganz klar ist für sie: „Jeder Sonnenschutz ist eine Verhinderung von Pigmentflecken.“ Und wenn Zusatzstoffe drin seien, sorgten diese zusätzlich dafür, dass das Melanin in solchen Pigmentflecken nicht so stark gebildet werde oder dass die Verteilung reduziert werde. Aber: Das brauche Zeit.

Etwa alle 28 Tage erneuere sich die Haut, so Meinke. Frühestens sehen könne man Ergebnisse also nach vier Wochen, in der Regel erst nach zwölf Wochen. 

Keine sichtbare Veränderung trotz Markenversprechen  

Katja Malbert wagt sich dennoch an das Vier-Wochen-Experiment – und benutzt dafür das Produkt von Nivea. Zu Beginn der Testphase überprüft die Berliner Dermatologin Dr. Yael Adler ihre Haut.

Sie erläutert, dass Malbert hormonell bedingte Melasmen im Gesicht hat – asymmetrische braune Verfärbungen der Haut, oder auch „landkartenförmige Bräunungen“, so Adler. Diese Verfärbungen nehmen im Sommer durch die Sonneneinstrahlung zu. 

Laut Nivea sollten sichtbare Ergebnisse innerhalb von vier Wochen auftreten. Doch die bleiben bei Malbert aus. Auch Yael Adler kann bei einer erneuten Untersuchung keine Veränderungen feststellen. 

Hersteller Beiersdorf schreibt dazu auf Anfrage der ARD-Verbraucher-Redaktion: "In einer klinischen Studie konnten wir zeigen, dass sonnenbedingte Pigmentflecken nach vierwöchiger Anwendung signifikant reduziert werden und deren Neuentstehung vermindert wird." Ideal sei es, das Produkt über zwölf Wochen anzuwenden. Auch bei Lichtschutzfaktor 50+ biete es keinen vollständigen UV-Schutz. 

Dermatologin Dr. Yael Adler bei der Hautuntersuchung.
Dermatologin Dr. Yael Adler bei der Hautuntersuchung. RBB Super.Markt/Kirsten Kofahl & Matthias Neumann

Wenn die Haut empfindlich reagiert  

Der zweite Tester ist Dirk Venzlaff. Er hat laut Adler keine klassischen Pigmentflecken, sondern Hornmassen, die „quasi die Farbe des Körpers eingelagert haben“. Diese erhabenen Flecken ließen sich nicht bleichen, da hier nicht nur Farbe in der Haut stecke, sondern die verdickten Hornschichten hinzukämen, so Adler. 

Venzlaffs Test läuft tatsächlich nicht zufriedenstellend: Auf das Sonnenfluid von Rossmann reagiert seine Haut mit Brennen.

Rossmann schreibt auf Anfrage, dass das Anti-Pigmentflecken-Fluid vor Markteinführung an 100 Personen getestet wurde – auch an Menschen mit sensibler oder allergischer Haut. Reaktionen habe es keine gegeben. "Trotz aller Sorgfalt bei der Rezepturentwicklung und Testungen können wir nicht ausschließen, dass es in seltenen Fällen zu individuellen Hautreaktionen kommen kann."  

Venzlaff wagt einen Neustart des Tests mit einem anderen Produkt. Das Sonnenfluid von Eucerin für 41,80 Euro pro 100 Milliliter, das neben dem Sonnenschutz weniger Flecken und eine Stärkung der Hautbarriere verspricht, führt allerdings zu keiner Veränderung in seinem Hautbild. 

Glow-Effekt und hellere Hautstellen im Test  

Anders bei Martina Ziegler. Sie testet das Produkt von dm. Es wirbt mit fünf Prozent Niacinamid – und „Glow“. Außerdem soll es Pigmentflecken auf Zieglers Haut aufhellen.  

Dies kann Adler im Verlauf der Testphase feststellen. Der Bleicheffekt sei eingetreten, das Hautbild verfeinert. Und einen deutlichen Glow-Effekt könne man ebenfalls erkennen, so die Dermatologin. 

Doch als Ziegler kurz vor Abschluss des Tests in den Urlaub nach Südfrankreich fährt, reagiert ihre Haut und rötet sich.

Dm schreibt dazu, dass in eigenen Prüfverfahren zur Verträglichkeit keine Hautreaktionen festgestellt worden seien. „Grundsätzlich können Hautreaktionen auf kosmetische Produkte jedoch vielfältige Ursachen haben, sodass wir in einem Einzelfall keine abschließende Einschätzung zur Ursache geben können." 

Patentierte Wirkstoffe: Marketing oder echter Fortschritt?  

Manche Hersteller werben mit patentierten Wirkstoffen - La Roche Posay etwa mit „Melasyl“. Ob ein patentierter Wirkstoff tatsächlich besser sei, ließe sich daraus aber nicht ableiten. Martina Meinke, Professorin an der Charité Berlin, erklärt, patentiert bedeute zunächst nur, dass ein Wirkstoff von einem Unternehmen entwickelt oder von jemand anderes, der es erfunden hat, gekauft wurde und deshalb geschützt ist. Über die Wirksamkeit sage das allein nichts aus. 

Im Praxistest nutzt Ariane Ribbeck die Creme von La Roche Posay auch während ihrer Arbeit als Reiseleiterin in Indien. Nach eigenen Angaben habe sie das Produkt gut vertragen. Selbst bei einer Safari im offenen Jeep, bei 43 Grad und starker Sonneneinstrahlung, habe die Creme standgehalten. 

Auch die Hautanalyse zeigt die Wirkung des Sonnenschutzes: Dermatologin Yael Adler erkennt keine zusätzliche Bräunung im Gesicht. Mehrere Pigmentflecken wirken heller und weniger sichtbar. 

Im Praxis-Check erzielt das Produkt von La Roche Posay damit das deutlichste Ergebnis - zugleich ist es das teuerste Produkt in der Stichprobe. 

Wie wichtig der UVA-Schutz wirklich ist  

Beim Sonnenschutz kommt es auf zwei Arten von UV-Strahlen an: UVB-Strahlen verursachen Sonnenbrand, UVA-Strahlen dringen tiefer in die Haut ein - bis in die Lederhaut - und fördern Hautalterung und Pigmentflecken. Gerade bei Anti-Pigmentflecken-Produkten ist deshalb guter UVA-Schutz entscheidend.

Die EU empfiehlt, dass der UVA-Schutz mindestens ein Drittel des UV-Schutzes beträgt. Erfüllt ein Produkt das, darf es das UVA-Siegel im Kreis tragen. 

Und wie viel bringen die Zusatzversprechen nun tatsächlich?  

Der Praxistest zeigt: Zusatzversprechen können helfen. Wie gut, hängt allerdings vom Hauttyp und der Anwendung ab.  

Bei Kosmetikartikeln sei es oft so, dass die Versprechen größer seien als das, was tatsächlich gehalten werde, so Yael Adler. Es gebe gute Produkte - Wunder solle man aber nicht erwarten.  

Entscheidend bleibt, guten Sonnenschutz zu verwenden - und den gibt es schon deutlich günstiger. Im letzten Test von Stiftung Warentest wurde Sonnenmilch als sehr gut getestet, die 1,73 Euro pro 100 Milliliter kostet. 

Ein Tipp für Wiederholungskäufer: Auch wenn man einmal die Erfahrung gemacht habe, dass ein Produkt einer bestimmten Marke zuverlässig sei, hieße das nicht per se, dass jedes andere Produkt dieser Marke in den Tests von Stiftung Warentest genauso abschneide, so Lea Sophie Lukas, Redakteurin bei Stiftung Warentest. 

Zwei Streifen Sonnencreme in Fingerlänge: Diese Menge ist laut Expertin notwendig, um das Gesicht zum Schutz vor der Sonne ausreichend einzucremen.
Zwei Streifen Sonnencreme in Fingerlänge - diese Menge ist laut Expertin notwendig, um das Gesicht ausreichend zum Schutz vor der Sonne einzucremen. RBB Super.Markt/Kirsten Kofahl & Matthias Neumann

Tipp: Die richtige Menge entscheidet über effektiven Schutz  

Wichtig für jede Form von Sonnenschutz: Täglich eincremen - und zwar ausreichend. Denn den versprochenen Lichtschutzfaktor gibt es nur, wenn genug von der Creme, dem Fluid oder dem Spray auf der Haut landet.

Als Faustregel kann man sich Yael Adlers Tipp merken: Zwei Fingerlängen voll Sonnencreme für ein Gesicht. Und anderthalb bis zwei Schnapsgläser voll Creme für den ganzen Körper. 

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