Die Mehrheit der Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 20 Jahren ist zu oft und zu lang am Handy – und das weiß sie selbst auch. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Jugendstudie der Vodafone-Stiftung. Und über die Hälfte der Jugendlichen würde gerne weniger Social Media nutzen – schafft es aber alleine nicht.
Wie können Erwachsene, die oft selbst betroffen sind, Jugendlichen bei ihrer Sucht helfen? Darüber haben wir mit Bob Blume gesprochen. Er ist Lehrer und Bildungsinfluencer.
Handysucht bei Kindern und Jugendlichen
SWR1: Wie geht es Ihnen mit diesen Zahlen? Überraschen Sie die Studienergebnisse?
Bob Blume: Nein, die überraschen mich überhaupt nicht. Das ist eigentlich die Bestätigung dessen, was ich auch immer wieder von Kindern und Jugendlichen höre. Es ist ja interessant, dass sie etwas tun, was sie eigentlich nicht tun möchten.
Das haben sie im Grunde genommen mit vielen Erwachsenen auch gemeinsam, die zum Beispiel sagen: "Eigentlich würde ich viel lieber lesen. Aber dieses Handy, das hat so einen großen Sog, dass ich mich dem nicht erwehren kann".
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Bob Blume: Smartphone-Apps sind darauf ausgerichtet, süchtig zu machen
SWR1: Sind das die Reize von Social Media, dieses FOMO, Fear Of Missing Out – ich habe Angst, etwas zu verpassen?
Blume: Es ist nicht nur Angst, etwas zu verpassen. Ich habe in einer Klasse mal gefragt, wenn ihr die intelligentesten Menschen der Welt wärt – und ich weiß, ihr seid es natürlich – wo würdet ihr da eigentlich arbeiten? Die sind relativ schnell alle darauf gekommen, dass die bei diesen Tech-Unternehmen arbeiten würden.
Dann habe ich gesagt, ganz genau, die intelligentesten Menschen überhaupt aus allen Gebieten der Welt arbeiten daran, ein Produkt zu erschaffen, das so süchtig macht, dass man im besten Fall gar nicht mehr davon loskommt. Das heißt, jeder Zwölfjährige muss sich heutzutage gegen die tausend besten Menschen aus ihrem Gebiet erwehren.
Selbstkontrolle über das Handy muss gelernt werden
SWR1: Erwachsene kritisieren Jugendliche gern für ihre Handynutzung, verhalten sich aber selbst oft kaum besser. Warum klappt es nicht?
Blume: Selbstkontrolle beinhaltet ja immer, dass man das auch erlernt. Und wenn die Entwicklung in der Gesellschaft so schnell ist, dass quasi alle gleichzeitig lernen müssen, dann ist es eben klar, dass eine solche Selbstkontrolle nicht vom Himmel fällt.
Medienkompetenz im Bereich Social Media [...] ist nichts anderes als Selbstverteidigung gegenüber riesigen Plattformen, die ihrer Verantwortung gegenüber dem User nicht gerecht werden.
Aber ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass ich mittlerweile so weit gehe und sage, Medienkompetenz im Bereich Social Media unter anderem ist nichts anderes als Selbstverteidigung gegenüber riesigen Plattformen, die ihrer Verantwortung gegenüber dem User nicht gerecht werden.
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Handysucht mit Regeln und Verständnis begegnen
SWR1: Wie können Erwachsene, Eltern, Lehrer, den Kindern und Jugendlichen helfen, ein gesundes Maß zu finden?
Blume: Ich glaube, was wichtig ist, ist auf der einen Seite nicht die Verteufelung, sondern zunächst einmal in eine Position des Verständnisses zu kommen. Was machst du dort und wie geht es dir damit? Und dann gemeinsam darüber zu sprechen, wann es sinnvoll ist, da auch mal so ein bisschen drin zu versinken, was für eine Zeit angemessen ist. Und wann es möglicherweise auch sinnvoll ist, das mal wegzulegen.
Das Handy [hat] neben dem Bett nichts zu suchen.
Ich glaube, gleichzeitig sind klare Regeln aber wichtig. Eine Regel, die ich zum Beispiel wahnsinnig wichtig finde – übrigens auch für die Erwachsenen – ist, dass das Handy neben dem Bett nichts zu suchen hat. Denn es ist erwiesenermaßen so, dass das Handy sogar dann Aufmerksamkeit bindet, wenn es gar nicht an ist. Ein schlechter Schlaf ist das schlechteste, was man in jungen Jahren, aber auch später natürlich für sich selber machen kann.