Spurhalteassistent, Abstandstempomat, Notbremsassistent – in Autos werden immer mehr Fahrassistenzsysteme verbaut, die eigentlich für Sicherheit sorgen sollen. Fahrlehrer wie Stefan Dill von der Fahrschule Dill in Mainz sehen darin mehr Ablenkung als Unterstützung.
Fahrlehrer: Assistenten im Auto sind "Fluch und Segen zugleich"
SWR1: Sie sind seit Anfang der 90er-Jahre Fahrlehrer. Wie hat sich das Autofahren in der Zeit verändert?
Stefan Dill: Sehr stark. Wir haben zwar immer noch ein Lenkrad und drei Pedale – mittlerweile fast nur noch zwei Pedale, weil sich alles ein bisschen mehr auf Automatik fixiert hat – aber die Verkehrsregeln haben einfach zugenommen. Und die Disziplinlosigkeit, die hat auch ganz schön zugenommen.
SWR1: Viel mehr zugenommen haben auch die technischen Assistenten im Auto. Machen sie das Fahren nicht sicherer?
Dill: Ich sage mal ja und nein – Fluch und Segen zugleich. Eigentlich sind wir doch als Autofahrer dazu ausgebildet, selbständige Entscheidungen zu treffen, die Augen nach vorne zu richten und letztendlich zu sagen, "da muss ich bisschen Abstand halten, da muss ich das tun und hier muss ich das tun".
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Mit der Kampagne "Abstand halten rettet Leben" machen SWR1 Rheinland-Pfalz und der ADAC Mittelrhein auf die Risiken von Drängeln und fehlendem Sicherheitsabstand aufmerksam.
Durch die neuen technischen Möglichkeiten verlassen sich die Leute immer mehr auf diese Technik und lassen sich dann gerne auch von anderen Seiten ablenken, weil sie sagen, ich habe hier die Technik im Hintergrund.
Eigentlich sind wir doch als Autofahrer dazu ausgebildet, selbständige Entscheidungen zu treffen.
Autofahrer verlassen sich zu stark auf Assistenzsysteme
SWR1: Wie ist es zum Beispiel bei einer Familienfahrt im Auto auf der Autobahn? Die Kinder sind laut, aber ich habe einen Abstandswarner und das Auto bremst sogar automatisch ab. Das kann doch sehr praktisch sein.
Dill: Für den einen anderen sicherlich schon, ja. Ich bilde auch beides aus. Aber das ist für mich eine Technik, die ich den Schülern eigentlich nicht beibringen will und selbst auch nicht nutze, weil ich einfach sage, der Mensch sollte sich auf sich selbst verlassen.
SWR1: Fordern die Fahrschülerinnen und Fahrschüler das denn ein oder wie ist das in der Ausbildung?
Dill: Die meisten sind schon überfordert mit Scheibenwischer, Blinkeranlage und Lichtanlage. Wir haben natürlich diese technische Ausrüstung jetzt im Auto drin. Mir macht es aber mehr Spaß, den Leuten das manuelle Autofahren beizubringen, als dieses zusätzliche.
SWR1: Beenden Sie mal bitte den Satz: Gute Autofahrer sind ...
Dill: Diejenigen, die sich auf sich selbst verlassen, aufmerksam sind und letztendlich ihre Arbeit selbst machen.